Von Marc Pitzke, New York
Wäre es nach ihr gegangen, wäre alles anders gelaufen. "Es mag für die Berater namhafter Kandidaten nicht ungewöhnlich sein, dass sie sich darüber streiten, wer das Sagen hat", schreibt Sarah Palin. "Aber es ist unerhört, dass Wahlkampfhelfer einen Kandidaten auf so unverschämte Weise mit schäbigen, anonymen Aussagen den Wölfen zum Fraß vorwerfen."
Sarah Palin will eine Rechnung begleichen. Besser gesagt: eine ganze Menge Rechnungen. Mit Präsident Barack Obama, mit den Demokraten, mit den Medien, mit CBS-Anchorfrau Katie Couric, mit der TV-Sendung "Saturday Night Live". Vor allem aber mit dem eigenen Wahlkampfteam: "Um diesen Job zu machen", so resümiert sie ihre Erfahrung als "running mate" des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain 2008 bitter, "musst du entweder reich sein oder korrupt."
Sie bleibt ihrem Ruf treu. Zwar kommen sie erst am Dienstag auf den Markt, die Memoiren der früheren Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Republikaner, die der Wahlkampf für einige Zeit zu einer der bekanntesten - und polarisierendsten - Frauen der Welt machte. Doch schon jetzt sorgen die 432 Seiten für Furore.
Also schoss "Going Rogue" ("Im Alleingang") übers Wochenende auf Platz eins der Bestell-Bestsellerlisten. In den Auszügen präsentiert es sich als eine einzige, beißende Abrechnung - und Auftakt eines Comebacks. Das zeigt allein die populistische Widmung: "An alle Patrioten, die meine Liebe für die Vereinigten Staaten von Amerika teilen."
Ansonsten ist das alles typisch Palin: Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen, Seitenhiebe. Nicht nur auf die Widersacher, sondern am meisten aufs eigene Lager - die Wahlstrategen McCains, die Pressesprecher, die Image-Consultants, die Stylisten. Wenn jemand fürs Scheitern ihrer Ambitionen 2008 verantwortlich sei - dann die. Nur ihre eigene Person sieht Palin als über jede Kritik erhaben.
Minutiöse Pläne, minutiös durchkreuzt
Wie immer in solchen Fällen war die Präsentation dieser "Erinnerungen" minutiös geplant - und wurde sodann ebenso minutiös durchkreuzt. Offizieller Anpfiff soll am Montag ein Interview mit Talk-Queen Oprah Winfrey sein, einen Tag, bevor "Going Rogue" in die Buchläden kommt.
Tags darauf wird Palin auf Lesereise durch die US-Provinz gehen - eine Tour, deren Etappen eher an einen Wahlkampf erinnern. Flankiert wird das PR-Spektakel von weiteren Interviews. Etwa mit Plauderlegende Barbara Walters und dreimal mit dem TV-Sender Fox News, der wie auch Palins Verlag HarperCollins dem Medienmogul Rupert Murdoch gehört.
Doch dann stöberte schon Ende voriger Woche erst die Agentur AP ein verfrühtes Exemplar auf. Dem folgten die "New York Times" und das Murdoch-Blatt "Wall Street Journal", und schließlich schien jeder Blogger eins zu haben. HarperCollins war das nur recht: Die erste Auflage (1,5 Millionen) ist bereits ausverkauft, der Verlag druckt inzwischen die zweite.
Fünf Millionen Dollar soll Palin dafür bekommen haben. Die teilt sie sich mit Co-Autorin Lynn Vincent, einer Redakteurin des christlichen Magazins "World", die knallharte Ansichten ebenfalls nicht scheut - etwa, dass Abtreibung "Genozid" sei und Homosexualität "abartig".
Nur vier Monate haben die zwei gebraucht, ein Husaren- oder Hauruckstück, je nachdem. Das Ergebnis ist den Rezensionen zufolge "fahrig" ("New York Times"), wahlweise "nuanciert" ("Wall Street Journal") - eine von Verzerrungen und schiefen Metaphern durchsetzte Mischung aus Autobiografie, patriotischen Platitüden und unversöhnlichem Rachefeldzug. Dessen Hauptangriffsziel: McCains engster Zirkel.
Verstimmung hatte es bereits nach der Wahl gegeben, als eine Reihe McCain-Berater Palin die Mitschuld an der Niederlage gaben. Nun schlägt sie zurück: McCains Wahlkampf sei desorganisiert, zynisch, zerstritten und lethargisch gewesen, habe den demokratischen Kontrahenten Barack Obama zu schonend angepackt und die wichtigste Frage des Wahlkampfes, die Wirtschaft, verschlafen.
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Achtung Achtung, der Vizekandidat fliegt gerade mit geplatzter Fruchtblase von Dallas nach Seattle, steigt dort um nach Alaska, fährt von dort noch zum Arzt ihres Vertrauens um dort Fachgerecht ein Kind zu gebären. Kein Problem [...] mehr...
vielleicht. Aber Palin hat, das können Sie nicht leugnen, durch ihre unsäglichen Auftritte erheblich dazu beigetragen. Übrigens glaube ich, daß so etwas wie Kritik oder Beleidigungen vollkommen an ihr abperlt. ---Zitat--- [...] mehr...
Dumm ist Sie nicht? Dann haben Sie noch kein Interview mit ihr gesehen. Sie weis ziemlich gut bescheid über die konservativen Einstellungen vieler US Bürger. WOW. Sehr Attraktiv? Für mich gehört nicht nur gutes (ist ja dann [...] mehr...
... und Politiker. Beide vor allem wegen ihrer Medientauglichkeit. Das ist bei uns auch so Usus. Ich seh den abgewirtschafteten Schröder noch telegen mit Gummistiefeln durch den Odermatsch stapfen, während der andere im TV [...] mehr...
Kann auch gut sein, dass auch die Titanic Urheber ist. Jedenfalls war der Spiegel an der Spitze derer, die das Bild der "Birne" begeistert verwendet haben und eine Kanzlerschaft von Kohl verhindern wollten. Ihrem [...] mehr...
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