Von Katharina Peters
Hamburg - Die Brücken waren schmal, doch die Wirkung der Explosion ist groß. Zwei Fußgängerübergänge ins benachbarte Kolumbien hat die venezolanische Armee am Donnerstag in die Luft gesprengt - dort seien Schmuggler unterwegs. Aber an dieser Grenze ist nichts unpolitisch. Über die Ereignisse hier empören sich die höchsten Ebenen in den Hauptstädten. "Schwerwiegend" sei die Zerstörung der Brücken, ein "aggressiver Akt", kritisiert die kolumbianische Regierung und will die Uno anrufen. Wieder "eine Provokation, eine neue Manipulation" der Kolumbianer, kontert Venezuelas Vizepräsident.
Die Sprengung markiert einen neuen Tiefpunkt in dem gespannten Verhältnis beider Länder. Denn um das "heilige Heimatland" zu verteidigen, stimmt Chávez die Venezolaner auf einen möglichen Krieg mit dem Nachbarland ein. In seiner wöchentlich ausgestrahlten Sendung "Aló Presidente" drohte Chávez Kolumbien mehrmals mit bewaffnetem Kampf. Zwischen Küsschen für Kinder und einem Spaziergang durch Wohngebiete schimpfte er, Kolumbiens Präsident sei "ein Verräter", ein "Lakai".
Seit Kolumbien mit den USA ein umstrittenes Militärabkommen unterzeichnet hat, verschärft Chávez den Ton. Zwar bot er dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama kurz nach dessen Amtsantritt die Freundschaft an ("I want to be your friend" - "Ich möchte ihr Freund sein") und gibt sich damit versöhnlicher als gegenüber George W. Bush, den er als "Teufel höchstpersönlich" bezeichnete.
Aber die militärische Präsenz der Amerikaner ist eine Provokation - für Chávez und andere südamerikanische Staaten. Bis zu 800 US-Soldaten und 600 amerikanische Zivilisten dürfen in den kommenden zehn Jahren auf sieben kolumbianischen Armee-Stützpunkten eingesetzt werden. Chávez reagiert trotzig: "Ich rufe nicht zu einem Krieg auf. Wer den Krieg anheizt, ist das Yankee-Imperium."
Venezuelas Präsident ist gut gerüstet. Seit Jahren kauft er Waffen in Moskau - Verträge über fünf Milliarden Dollar hat er seit 2005 abgeschlossen. Darunter sind 55 Transport- und Kampfhubschrauber, 25 Kampfflugzeuge und 20 Kriegsschiffe. Erst im September 2009 bestellte Chávez auf seiner Russland-Reise 92 Kampfpanzer, sowie Luftabwehrraketen, rechnet Daniel Flemes vom Hamburger Lateinamerika-Institut vor. Doch auch Kolumbien hat sein Militär ausgebaut und verfügt über 254.000 Soldaten. Ein Drohpotential, vor dem der Fachmann warnt: "Es besteht die Gefahr, dass populistische Politiker zu Gefangenen ihrer eigenen Rhetorik werden und der Verlockung nicht widerstehen, neu erworbene Waffensysteme auch einzusetzen."
Drogenschmuggler, Paramilitärs und Guerilla
Der Konflikt mit Kolumbien schwelt seit langem. Mal geht es um Erdölvorkommen, mal um Grenzverläufe. Immer wieder entlädt sich der Streit entlang der rund 2200 Kilometer langen Grenze, gibt es Zwischenfälle im dichten Regenwald. Es sind Gebiete ohne Gesetz, in denen Drogenschmuggler, Paramilitärs und Guerilla die staatliche Macht verdrängt haben. Entführungen sind hier ein Geschäft, viele Bürger müssen Schutzgeld zahlen. Erst am Mittwoch seien drei Kolumbianer am Ufer des Grenzflusses Arauca ermordet worden, berichtet das kolumbianische Politmagazin "La Semana".
Doch statt gemeinsam Kriminalität und Drogenhandel zu bekämpfen, behindern sich Venezuela und Kolumbien gegenseitig bei den Ermittlungen - und sie kooperieren mit dem Feind. Denn in den Dschungel auf venezolanischer Seite ziehen sich auch die Kämpfer der linksgerichteten Farc (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) zurück, jene kolumbianische Guerilla-Organisation, die die Regierung in Bogotá bekämpft - Chávez hingegen sympathisiert mit ihnen.
Immer wieder hat es in den letzten Jahren daher Zwischenfälle zwischen Venezuela und Kolumbien gegeben:
Ob dieses "Zeichen des guten Willens" wirklich fruchtet? Fachleute rechnen damit, dass es zu einzelnen militärischen Aktionen zwischen Venezuela und Kolumbien kommen kann. Doch dass ein großer bewaffneter Konflikt ausbricht, bezweifeln sie.
Denn Chávez braucht zwar die kriegerische Rhetorik - einen Krieg braucht er nicht. Innenpolitisch gerät er zunehmend unter Druck. Die Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet, das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal um 4,5 Prozent gefallen. Auch die Ölexporte sind stark zurückgegangen - im Vergleich zum Vorjahresquartal sind sie um 9,5 Prozent gesunken.
Ausgerechnet im Ölförderland Venezuela leiden die Menschen zudem unter einer Energiekrise, Wasser und Strom werden knapp. Die Beliebtheit des Caudillo sinkt. Chávez' Gegner sei nicht das kolumbianische Militär, sondern der Vertrauensverlust in der Bevölkerung, sagt Professor Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Die Bürger haben immer weniger das Gefühl, dass er in der Lage ist, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Enttäuschung und Frustration sind die Hauptprobleme des Populisten Chávez." Umso lauter poltert er gegen die "Yankees" und deren "teuflischen Pakt" mit dem kolumbianischen Präsidenten.
Doch während im Osten die Konfrontation droht, nähert sich Kolumbien an einen anderen Nachbarn wieder an. Auch die Verbindungen zu Ecuador waren seit März 2008 unterbrochen. Nun haben beide Staaten eine gemeinsame Kommission gebildet, um die diplomatischen Beziehungen wiederzubeleben.
Auf anderen Social Networks posten:
Bambussetzlinge zu exportieren faellt doch unter Artenschutz. Sie scheinen sich hier in Suedamerika das herauszupicken was Ihnen passt, ohne Respekt fuer den Gastgeber. mehr...
Ihr Beitrag ist persönlich denunzierenden Charakters. Woher wissen Sie über mein ausschweifendes Leben bescheid? Wenn Sie nichts inhaltliches beizutragen haben, sich über mich ärgern, ignorieren Sie mich doch. Bei Ihnen hätte [...] mehr...
Haben sie gar kein schlechtes Gewissen den Armen Brasiliens gegenüber so ein ausschweifendes Leben zu führen? mehr...
Überall auf der Welt wird für Unternehmen, sei es auch nur ein Kiosk, per Gesetz eine prüfbare Buchhaltung vorgeschrieben, in Ihrem wunderbaren Geldwasch-Paradies nicht. Wo ist das Märchen? Die ABC-Inseln zu besuchen besteht [...] mehr...
Nullstellen verwechselt? Sicher haben die Vereinten Stabschefs dem POTUS schon einen Verteidigungsplan auf den Tisch gelegt, der den Einmarsch abwehren soll. Letzte Verteidigunglinie Montana oder Idaho:) mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Hugo Chávez | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH