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16.11.2009
 

Gala-Abend in Rom

Gaddafi lädt 100 Italienerinnen zur Islamkunde

Libyens Staatschef Gaddafi in Rom: Verabredung mit 100 FrauenZur Großansicht
REUTERS

Libyens Staatschef Gaddafi in Rom: Verabredung mit 100 Frauen

Koran-Werbung statt Party: In Erwartung eines Gala-Dinners sind Dutzende junge Italienerinnen einer Einladung des libyschen Staatschefs Gaddafi in Rom gefolgt. Berichten zufolge war der Gastgeber jedoch nicht in Feierlaune - und empfing die Damen mit einer Lektion über den Islam.

Rom - Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi ist am Rande des dreitägigen Welternährungsgipfels in Rom mit 100 jungen Italienerinnen zusammengetroffen, um ihnen den Islam nahezubringen. Das berichteten am Montag mehrere italienische Zeitungen. Gaddafi soll demnach den eigens von einer Vermittlungsagentur für Hostessen ausgewählten Frauen empfohlen haben, zum Islam überzutreten. Außerdem überreichte er jeder von ihnen ein Exemplar des Korans.

In der Residenz des libyschen Botschafters in Rom legte Gaddafi den überraschten Damen am Sonntagabend in einer einstündigen Rede dar, dass sich der Islam keineswegs gegen Frauen richte, wie der "Corriere della Sera" unter Berufung auf Teilnehmerinnen berichtete. Jesus sei zudem nicht gekreuzigt worden, sondern lediglich "jemand, der ihm ähnlich sah", zitierte eine Journalistin der Nachrichtenagentur Ansa, die sich als Hostess verkleidet bei der Veranstaltung eingeschlichen hatte, den libyschen Machthaber.

Essen oder Trinken gab es den Berichten zufolge nichts. Auch wussten die Frauen vorher nicht, wen sie treffen würden, und gingen davon aus, dass sie an einer Party teilnehmen würden.

Die Agentur rekrutierte etwa 400 weitere junge Frauen für ähnliche abendliche Treffen mit Gaddafi am Montag und Dienstag. Kriterien dabei waren "angenehme Erscheinung, mindestens 1,70 Meter groß, gut angezogen". Miniröcke oder Dekolletés für die zwischen 18 und 35 Jahre alten Kandidatinnen waren strikt untersagt. Dafür sollten die Italienerinnen eine Aufwandsentschädigung von 50 bis 60 Euro erhalten. Das Gipfeltreffen der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) geht am Mittwoch zu Ende.

Gaddafi liebt den Pomp: Im Sommer ließ er mit einer gigantischen Party den 40. Jahrestag seiner Machtübernahme feiern. Das "größte Event Afrikas" nannten die Veranstalter die Feier. In den Wochen vor der Mega-Party leuchtete auf allen Plakatwänden der libyschen Hauptstadt Gaddafis Konterfei, das die Marketingexperten mit anderen Revolutionären der Weltgeschichte unterlegt haben. Kurz nach der Riesenfeier sorgte Gaddafi mit seinem ersten Auftritt vor der Uno-Vollversammlung in New York für Empörung. Er bezeichnete den Uno-Sicherheitsrat als "Terror-Rat" und zerriss die Uno-Charta.

amz/AFP

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