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17.11.2009
 

Pakistan

Terrorgruppe zeigt deutsche Rekruten und enthauptete Soldaten

Von Yassin Musharbash

"Deutsche Mudschahidin": Abu Safiyya und Abu Askar?

"Deutsche Mudschahidin": Abu Safiyya und Abu Askar?

"Vorwärts, deutsche Mudschahidin": Die Islamische Bewegung Usbekistan, der sich mindestens vier deutsche Rekruten angeschlossen haben, hat Bilder aus der pakistanischen Krisenregion Waziristan veröffentlicht. Neben zwei deutschen Kämpfern zeigen sie auch getötete Soldaten.

Berlin - Die Islamische Bewegung Usbekistan (IBU), eine in Pakistan aktive militante Gruppe, der sich mehrere deutsche Dschihadisten angeschlossen haben, brüstet sich in einer neuen Internetveröffentlichung damit, pakistanische Soldaten getötet und enthauptet zu haben.

Die 13 Fotos umfassende Bilderstrecke veröffentlichte die IBU auf ihrer Website. Mittlerweile kursieren sie auch auf anderen dschihadistischen Webseiten. Die Fotoserie liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Den IBU-Angaben zufolge wurden die Bilder in der pakistanischen Krisenregion Waziristan aufgenommen. Dort liegt die Zentrale der IBU. Vor einigen Wochen hat die pakistanische Armee eine militärische Offensive in Waziristan begonnen, um die Unterschlupforte dort aktiver Dschihadisten-Gruppen auszuheben.

Eines der Bilder zeigt zwei junge Männer mit einem Maschinengewehr und einer Panzerfaust. Die Bildunterschrift dazu lautet: "Vorwärts, deutsche Mudschahidin". Dem Anschein nach handelt es sich bei den beiden Kämpfern um den Bonner Javad S. und den Hamburger Shahab D., die bereits in einem Propagandavideo der IBU unter den Kampfnamen "Abu Safiyya" beziehungsweise "Abu Askar" aufgetreten waren. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE fahndet das Bundeskriminalamt in Afghanistan mit Plakaten nach den beiden.

Ist der IBU-Chef doch noch am Leben?

Weitere Bilder der Serie zeigen enthauptete Soldaten, vermutlich handelt es sich dabei um Pakistaner. Die zynischen Bildunterschriften dazu lauten "Wo sind die siebeneinhalb Milliarden Dollar, die Amerika versprochen hat?" oder "Das ist das Ergebnis, wenn man sich mit Ungläubigen anfreundet".

Ein direkter Zusammenhang zwischen den gezeigten Opfern und den gezeigten Kämpfern wird in den Bildunterschriften nicht hergestellt. Es wird also nicht etwa suggeriert, dass die Rekruten aus Deutschland an der Enthauptung Anteil hatten.

Das erste Foto der Serie zeigt den Angaben zufolge den "Amir" der IBU, "Mohammed Tahir Faruq", dessen Klarname Tahir Joldaschew lautet. Sollten die Bilder tatsächlich aktuell sein, dann wären sie ein Beleg dafür, dass der IBU-Chef noch am Leben ist. Zuletzt hatte es ernsthafte Gerüchte gegeben, dass Joldaschew am 27. August bei einem US-Drohnenangriff getötet worden sei.

Noch weitere deutsche Dschihadisten am Hindukusch

Die übrigen Fotos zeigen Kämpfer beim Teetrinken oder während sie mit ihren Waffen posieren.

Die IBU ist eine ursprünglich usbekische Gruppen, die aber wegen des Verfolgungsdrucks in ihrer Ursprungsregion ihre Zentrale schon lange nach Waziristan verlegt hat. Sie ist unter anderem von den USA als Terrororganisation gelistet und unterhält enge Beziehungen zu den Taliban und wahrscheinlich auch al-Qaida.

Neben "Abu Askar" und "Abu Safiyya" haben sich mindestens zwei weitere Kämpfer aus Deutschland der IBU angeschlossen: Die beiden Bonner Brüder Yassin und Mounir Chouka.

Weitere Deutsche, die sich offenbar in der Krisenregion aufhalten, haben sich der "Islamische Dschihad-Union", al-Qaida oder den Taliban angeschlossen. Insgesamt dürften mehrere Dutzend aus Deutschland stammender Rekruten aus Deutschland an den Hindukusch gereist sein.

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Terrorpropaganda gegen Deutschland

Al-Qaida

Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.

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