Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt
Pater Wolfgang Thamm weiß, was Robert Mugabes Schlägertruppen anrichten können. Bereits bei den Wahlen 2002 war er brutal zusammengeschlagen worden. Die Spuren sind noch heute in seinem Gesicht zu sehen. Doch am vergangenen Sonntag ahnte der bald 70-jährige deutsche Jesuit nichts Böses.
Er war unterwegs, um einen asthmakranken Jungen aus der Klinik in dem kleinen Städtchen Darwendale in das besser ausgestattete Hospital in Banket zu bringen, rund 95 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Harare. Dann brach der Terror los: Ein Soldat forderte ihn auf, den Wagen anzuhalten. Er riss dem Geistlichen die Brille herunter und schlug ihm mit der Faust aufs Auge. Der Uniformierte zerrte ihn aus dem Auto und zwang ihn, in einer schlammigen Pfütze niederzuknien. Als der Jesuit zögerte, traten der Uniformierte und drei weitere Soldaten den alten Mann mit Füßen und schlugen ihn wieder und wieder. Schließlich übergossen sie ihn mit stinkendem, schlammigem Wasser.
Wolfgang Thamm fuhr anschließend in seinem nassen, völlig verdreckten Priestergewand bis Darwendale weiter, wo er in der Klinik mit Medikamenten, einer alten Hose und einem Umhang versorgt wurde. Der deutsche Botschafter in Simbabwe, Albrecht Conze, sandte zwar sofort, nachdem Thamm ihn über den Vorfall informiert hatte, eine scharfe Protestnote an das simbabwische Außenministerium, in der er seine Fassungslosigkeit über den Angriff ausdrückte. Die Hoffnung, dass solche Proteste gegen die zunehmende Gewalt in Simbabwe irgendeine Wirkung bei Mugabe und seinen Genossen erzielen, ist jedoch gering.
Die Machthaber sind wieder auf dem Kriegspfad. Menschenrechtsaktivisten, Kirchenleute, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Diplomaten klagen seit Wochen, dass der Terror nach Simbabwe zurückkommt.
"Manchen wurde das Gesicht verätzt"
Herausgeschmuggelte Hilferufe und verzweifelte E-Mails lassen erahnen, was sich wieder in Mugabes Reich abspielt. "Die alten Seilschaften gehen nach wie vor 'verschwenderisch' mit der nackten Gewalt um", heißt es in einem herausgeschmuggelten Rundbrief. "Demütigungen, Angriffe und Vertreibungen" seien Alltag. Fast täglich klagen neue Opfer von Mugabes Schlägerbanden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten über Ausschreitungen. "Oft brauchen sie gar nicht viel zu sagen. Sie müssen nur die Ärmel hochkrempeln, ihre Beine zeigen oder aber die Brille abnehmen, dann wissen wir schon, was los ist. Manchen wurde das Gesicht verätzt," steht in einem der erschütternden Berichte.
Wer sich zur Wehr setzt, muss mit harten Reaktionen rechnen. So flüchtete sich ein junger Anhänger der Partei MDC in die Obhut einer Hilfsorganisation , der bei der Wahl im März vergangenen Jahres in seinem Wahlkreis unterlegen war. Er wollte vor Gericht beweisen, dass die Abstimmung gefälscht war. Doch alle 27 Zeugen, die die Manipulationen unter Eid bestätigen wollten, waren von Mugabe-Truppen noch vor dem Prozess vertrieben worden.
Die seit der Bildung einer "Regierung der nationalen Einheit" im Februar mitregierende frühere Oppositionspartei MDC erreichen vor allem aus den ländlichen Gebieten täglich neue Berichte über Gräueltaten gegen ihre Mitglieder. "Wir rechnen mit einem Anstieg und einer Eskalation auf nationaler Ebene", warnte MDC-Sprecher Nelson Chamisa schon Anfang November. "Augenscheinlich stehen wir unmittelbar vor einer neuen Welle von Verfolgung und Einschüchterung." Selbst Kabinettsmitglieder schlafen offenbar aus Furcht vor Mugabes Schergen fast jede Nacht in einem anderen Haus. Einige Parlamentsabgeordnete der MDC sind bereits unter fadenscheinigen Vorwänden verhaftet worden. Wer zu Gefängnisstrafen von mehr als sechs Monaten verurteilt wird, verliert automatisch seinen Parlamentssitz. Die derzeitige knappe Mehrheit der einstigen Opposition kann durch diese kalte Entmachtung schnell hinschmelzen.
Mugabe schert sich nicht um die öffentliche Meinung
Ministerpräsident Morgan Tsvangirai, der bei den Wahlen im März 2008 den seit 1980 regierenden Diktator Mugabe und seine ZANU-PF-Partei geschlagen hatte, entschied wegen der zunehmenden Spannungen Mitte Oktober, seine Minister aus dem Kabinett zurückzuziehen. Doch als Mugabe drohte, er werde eigene Gefolgsleute an ihrer Stelle einsetzen, nahm Tsvangirai Mitte November die Zusammenarbeit wieder auf. Auslöser für Tsvangirais Schritt war die erneute Verhaftung des von ihm nominierten Landwirtschaftsvize, MDC-Schatzmeister Roy Bennett. Bennett droht ein Hochverratsprozess - und im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Krisentreffen der Afrikanischen Union (AU) und der Entwicklungsgemeinschaft der Staaten im südlichen Afrika (SADC) zur Beilegung der Krise waren erfolglos geblieben.
Um die öffentliche Meinung schert Mugabe sich nicht. In Rom tobte er beim FAO-Gipfel über "neo-kolonialistische Feinde", die sein Land angeblich erneut in die Abhängigkeit zwingen wollten. Den von Tsvangirai eingeladenen Uno-Sonderberichterstatter zur Untersuchung der Folter- und Gewaltvorwürfe, Manfred Novak, ließ er im vergangenen Monat kurzerhand aus dem Land werfen. Ministerpräsident Tsvangirai beschimpfte er als "unehrenhaft", "unzuverlässig" und "untreu". In seiner eigenen Partei toben erbitterte Nachfolge- und Machtkämpfe. Beim bevorstehenden ZANU-PF-Parteitag sollen die Karten in der Parteiführung neu gemischt werden. Nur Mugabes Führungsrolle gilt derzeit noch als unantastbar.
Ein Konzept, wie die Dauerkrise gelöst werden könnte, hat keine Partei. Schon gibt es aus der MDC Forderungen nach Neuwahlen. Doch Arthur Mutambara, ebenfalls Mitglied der Koalitionsregierung, warnt: "Allein der Ruf nach Neuwahlen kann zu einer neuen Eruption von Gewalt führen." Menschenrechtsaktivisten in Simbabwe beklagen, dass die Weltöffentlichkeit kaum noch Notiz von den Gräueltaten nimmt. "Wie lange wird es noch dauern, bis diese menschenverachtenden Machenschaften vorbei sind?" fragt ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der die grausamen Bilder, die er täglich sieht, nach seinen Worten kaum noch auszuhalten vermag.
Eine Schlüsselrolle fällt dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma zu. Der mächtigste Mann im südlichen Afrika hat bereits angekündigt, dass er gegen Mugabe härter vorgehen wolle. Taten sind bisher allerdings nicht gefolgt. Doch je näher die Fußball-WM 2010 rückt, desto mehr wächst in Südafrika die Besorgnis, dass der Simbabwe-Konflikt auch das Fußballfest verhageln könnte: Berichte über Mord, Folter und Verfolgung im Nachbarland und Bilder fliehender Simbabwer, die in den Townships Südafrikas von aufgebrachten Menschenmengen weiter gejagt werden, würden auch das Image des Gastgeberlandes empfindlich verdunkeln.
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Wohl gesprochen. Und DAS hier ist wirklich gut: "Ich bin absolut sicher, dass Forist Schnarch nicht nachgewiesen hat, dass den Ureinwohnern das Land von Gott gegeben wurde. Das kann er behaupten und Schluss." [...] mehr...
In manchen Dingen haben Sie recht und es zeugt von Humanitaet, wenn Sie gegen Ausbeutung anderer Rassen sind. Das Problem ist nur, dass Sie teils unklare Aussagen treffen und dies mit Teiltatsachen vermischen. Nun sollten Sie [...] mehr...
oder besser koloniallastig ist die Bezeichnung 'edler Wilder. In Afrika gibt es eine voellig andersgeartete Kultur und das stoesst bei uns Europaeern teils auf schuettelnde Koepfe. Von Wilden mag ich selbst keineswegs sprechen. [...] mehr...
Liebe Leute, nun kommt mal wieder runter vom Sklaventrip. Völlig richtig, daß Sklaverei keine Erfindung der Europäer ist. Trotzdem hat selbige unter europäischer Ägide ein nie gekanntes und industriell organisiertes Ausmaß [...] mehr...
In diesem Beitrag verharmlosen Sie wieder und geben nur den Europäern die Schuld an den Zuständen. Hier ein Beispiel des Sklavenhandels: Der Historiker Robert C. Davis berechnet die Zahl der versklavten Europäer in [...] mehr...
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