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25.11.2009
 

Afghanistan-Strategie

USA suchen Kontakt zu den Taliban

Von Hasnain Kazim, Islamabad

Taliban in Afghanistan: Gibt es auch moderate Gotteskrieger?Zur Großansicht
REUTERS

Taliban in Afghanistan: Gibt es auch moderate Gotteskrieger?

Acht Jahre lang bekämpften die USA die Taliban in Afghanistan - erfolglos. Jetzt suchen sie das Gespräch mit ihnen: Einem arabischen Zeitungsbericht zufolge gab es sogar erste direkte Kontakte. Die Annäherung ist offensichtlich Teil der neuen amerikanischen Strategie am Hindukusch.

Islamabad - Als Barack Obama im Frühjahr erstmals das Bild vom "guten Taliban" zeichnete, der sich an Gesprächszusagen hält und verlässlich der Gewalt abschwört, wenn man nur mit ihm redet und ihm Zugeständnisse macht, wurde der US-Präsident weltweit kritisiert. Moderate Gotteskrieger? Wie soll man sich die bitteschön vorstellen? Und mit wem genau soll man verhandeln? Doch nicht mit Mullah Omar, dem bislang als Top-Terroristen gejagten Taliban-Chef? Aber wenn nicht mit ihm, mit wem dann?

Aller Kritik zum Trotz hat Obama an seiner Linie festgehalten. Der Westen müsse "Leuten die Hand reichen, die wir als Fundamentalisten einschätzen", lautet seine Lehre aus dem Irak, die er jetzt in Afghanistan anwendet. Der US-Sonderbotschafter für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, bestätigte am Dienstag in Washington, dass Saudi-Arabien einen Dialog mit Vertretern der afghanischen Taliban initiiert habe. Washington werde jede saudische Initiative in diese Richtung unterstützen, erklärte Holbrooke. SPIEGEL ONLINE erfuhr aus US-Diplomatenkreisen, dass auch pakistanische Bemühungen unterstützt werden, mit den Taliban zu reden, um sie in eine künftige Machtstruktur Afghanistans einzubinden.

Die pakistanische Zeitung "Dawn" zitierte US-Außenministerin Hillary Clinton mit den Worten, die USA seien auch offen für Gespräche zwischen der afghanischen Regierung von Hamid Karzai und "Elementen der Taliban". Es sei bekannt, dass Karzai König Abdullah gebeten habe, hier eine stärkere Rolle zu spielen, erklärte nun auch Holbrooke. "Ich war in Riad, ich habe selbst mit den Saudis, mit König Abdullah darüber gesprochen", sagte er. Die USA hätten eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber den saudischen Bemühungen, Kontakte zu den Taliban herzustellen.

Den Taliban die Herrschaft über einige Provinzen angeboten?

Die Zeitung "al-Watan" aus Saudi-Arabien berichtete, dass der US-Botschafter in Afghanistan, Karl Eikenberry, sogar persönlich in Kabul mit dem früheren Taliban-Außenminister Ahmed Mutawakil gesprochen habe. Der erfahrene Ex-US-General und der Enddreißiger hätten sich darüber ausgetauscht, welche Wege aus dem Krieg möglich seien, heißt es in dem Bericht.

Demnach hat Eikenberry angeboten, Washington werde die Herrschaft der Taliban in einigen afghanischen Provinzen - einschließlich den beiden großen Südprovinzen Kandahar und Helmand - anerkennen, wenn die Taliban im Gegenzug ihre Angriffe auf US-Truppen und Kasernen einstellen. Mutawakil werde nun dieses US-Angebot an Taliban-Chef Mullah Omar weiterleiten, der darüber entscheiden müsse. US-Kreise wollten den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Mutawakil führt derzeit angeblich Gespräche mit allen westlichen Ländern. Mullah Omar hat seinen Standpunkt bereits deutlich gemacht: Er erklärte, man werde den "bewaffneten Aufstand" fortsetzen und keinen Verhandlungen zustimmen, mit denen die Präsenz der ausländischen Truppen in Afghanistan verlängert werde.

Mehrere pakistanische Zeitungen berichteten jedoch, dass es derzeit mehrere vertrauliche Verhandlungen zwischen saudischen, pakistanischen, aber auch britischen Vertretern mit Taliban-Vertretern aus der mittleren Ebene gebe. Die Araber und die Pakistaner verhandelten auch im Auftrag der USA. Die Zeitungen "Daily Times" und "Dawn" schreiben, Mullah Omar habe seinen "Schattenaußenminister" Agha Motasam beauftragt, für die Taliban zu sprechen.

"Man weiß nie so genau, ob jemand mit al-Qaida zu tun hat"

Ein US-Diplomat sagte SPIEGEL ONLINE, das größte Problem bestehe darin, dass man durch die Gespräche auf keinen Fall jene Taliban amnestieren wolle, die in Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida stünden. "Man weiß nie so genau, inwieweit jemand auch mit al-Qaida zu tun hat", sagte er. Ähnlich hatte sich auch Holbrooke im SPIEGEL geäußert: So habe Clinton schon im Juli klargestellt, "dass die Mehrheit der Taliban die extremen Ansichten von Mullah Omar gar nicht unterstützt. Für diese Mehrheit gibt es Spielraum genug, sich der afghanischen Gesellschaft und der afghanischen Politik wieder anzuschließen, sofern sie al-Qaida abschwören und sich friedlich reintegrieren. Das ist ein wichtiger Teil unserer Politik". Auch Karzai betonte kürzlich, die afghanische Haltung sei es, nur mit jenen Taliban zu reden, die al-Qaida und dem Terrorismus abgeschworen hätten.

Die Annäherung an die Taliban ist verknüpft mit der Hoffnung, dass der inzwischen acht Jahre andauernde erfolglose Krieg in Afghanistan nun durch Kompromisse gelöst werden kann. Saudi-Arabien, seit Jahren finanzieller - und größtenteils auch ideologischer wie religiöser - Unterstützer der Taliban, bemüht sich schon seit Monaten um eine Einbindung der Radikalen in eine künftige afghanische Regierung. So lud im vergangenen Herbst König Abdullah Vertreter der Regierung in Kabul und Abgesandte der Taliban nach Mekka zu Sondierungsgesprächen. Auch damals saß Ahmed Mutawakil mit am Tisch.

Am Ende stand fest: Kabul verlangt von den Taliban ein Ende der Gewalt, und die Taliban fordern einen kompletten Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan. Damals stand ein solcher Abzug nicht zur Debatte. Ein Jahr und viele militärische Misserfolge später passt der Wunsch ganz gut in die Exit-Strategie des Westens.

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Die neuesten Beiträge:
12.04.2010 von ANDIEFUZZICH: Mobat war besser

In Bezug auf das Ausländer raus sind sie sich durchaus einiger, als die bundesrepuplikanische Gesellschaft. Beim Nachlesen ihrer Postings beschleicht mich obendrein der Verdacht, dass sie selber möglicherweise gar nicht vor Ort [...] mehr...

12.04.2010 von nachthai:

Nach dem deutschen Versagen im Norden, einen solchen Beitrag abzudrücken ist deutlich mehr als Realitätsignorant! mehr...

12.04.2010 von archelys: Das Verbrechen ist aus der Sicht der Verbrecher nicht unsinnig

Sie benutzen den Begriff "Unsinn" hier im Sinne unvernünftigen Handelns. Aus der Sicht der Afghanistan-Krieger ist er nicht unsinnig, man verrät uns allerdings den Eigensinn nicht, der ihm zugrunde liegt, weil wir ihn [...] mehr...

12.04.2010 von triztan: ..., darunter auch Kinder und Frauen.

Es gab XX Tote, darunter auch Kinder und Frauen. Ein vermeintlicher Standardsatz. Doch was will er uns sagen? Sind (a) keine Männer gestorben? Oder ist es (b) halb so schlimm, wenn Männer sterben?? In Zeiten der [...] mehr...

12.04.2010 von viceman: "wir" kämpfen nicht für ein

"freies afghanistan" - sie auch nicht! wenn sie was vom aktuellen krieg sehen wollen, dann empfehle ich: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,688532,00.html das ist die freiheit , der frieden ( o.ä. dummschwätz ) [...] mehr...

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