Mittwoch, 10. Februar 2010

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26.11.2009
 

Philippinnen

Mutmaßlicher Drahtzieher des Massakers wegen Mordes angeklagt

Nach dem Massaker an 57 Zivilisten auf den Philippinen hat sich der Hauptverdächtige, Andal Ampatuan Junior, den Ermittlern gestellt. Der Lokalpolitiker bestreitet jedoch die Vorwürfe. Präsidentin Arroyo gerät nun wegen ihrer engen Verbindungen zum Ampatuan-Clan unter Druck.

Manila - Der Hauptverdächtige des blutigen Überfalls am Montag hat sich drei Tage nach der Tat freiwillig gestellt. Andal Ampatuan Junior, Bürgermeister der Stadt Datu Unsay in der Südprovinz Maguindanao, begab sich in Begleitung von Familienmitgliedern in die Obhut eines Präsidentenberaters. Er wird nun wegen Mordes angeklagt, teilte die zuständige Ermittlungsbehörde mit. Ampatuan Junior werde für die weiteren Ermittlungen nach Manila ausgeflogen.

Der Sohn des gleichnamigen Provinzgouverneurs soll am Montag den blutigen Überfall auf den Autokonvoi eines politischen Rivalen befohlen haben. Er soll mit Polizeichefs und Dutzenden Polizisten zusammengearbeitet haben. Hundert Bewaffnete verschleppten die Insassen. Mindestens 57 Menschen wurden teilweise schwer misshandelt, anschließend umgebracht und in der Nähe des Ortes Ampatuan in Gruben geworfen. Andal Ampatuan Junior weist bislang alle Vorwürfe zurück. Auf die Frage von Reportern, ob er die Tötungen angeführt habe, sagte er: "Daran ist nichts Wahres." Es war seine erste öffentliche Äußerung seit dem Massaker. Ein Onkel, selbst Staatssekretär im Energieministerium, zitierte den Lokalpolitiker mit den Worten: "Ich habe nichts Falsches getan." Bei einem Familienrat am Mittwoch habe Ampatuan Junior seine Unschuld beteuert und geweint.

Fehde zwischen zwei politischen Clans

Hintergrund des Überfalls ist eine Fehde zweier verfeindeter, politisch aktiver Familien-Clans, dem Ampatuan-Clan und dem Mangudadatu-Clan. Bisherigen Ermittlungen zufolge sollen die etwa hundert bewaffneten Angreifer Anhänger des Clans des amtierenden Gouverneurs Andal Ampatuan Senior sein. Dieser wollte den Vizebürgermeister von Buluan, Esmael Mangudadatu, daran hindern, seine Kandidatur für die Gouverneurswahl im Mai 2010 einzureichen. Der Mangudadatu-Clan war zu diesem Zweck in Begleitung von Journalisten zu einem Wahlbüro unterwegs. Ampatuan Senior strebt für seinen Sohn die Nachfolge als Provinzgouverneur an.

Die Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo steht unter großem Druck, da Vater und Sohn Ampatuan ihrer Koalition angehören. Der mächtige Ampatuan-Clan, der im Süden der Philippinen zahlreiche politische Ämter besetzt, ist einer der engsten Verbündeten der Staatschefin. In einer Erklärung vom Mittwoch sprach Arroyo von einem "Akt äußerster Unmenschlichkeit". Die Justiz werde die Verantwortlichen jagen, bis sie gefasst seien.

"Die volle Macht des Gesetzes wird gegen die angewendet, die für das Verbrechen verantwortlich sind", sagte Arroyo. Seit Dienstag hatten Regierungsvertreter mit der mächtigen Familie Ampatuan verhandelt. Arroyos Berater Eduardo Ermita forderte die Verdächtigen auf, sich zu stellen und mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Innenminister Ronaldo Puno wies Kritik zurück, dass die Regierung den Verdächtigten besonders schonend behandle.

Einem Polizeisprecher zufolge wurden die Opfer aus nächster Nähe erschossen, einige von ihnen mit auf dem Rücken gefesselten Armen. Unter den Toten sind auch Mangudadatus Ehefrau sowie ihre schwangere Schwester und Tante. Die Täter hätten seiner Frau die Augen ausgestochen, in die Brüste und in den Mund geschossen und einen Fuß abgetrennt, sagte Mangudadatu. "Ich kann nicht beschreiben, wie sie sie zugerichtet haben", sagte der Oppositionspolitiker. Ampatuan Jr. und seine Helfer seien "Monster". Unter den Toten waren außerdem mehrere Journalisten. Wie viele Medienvertreter unter den Opfern sind, dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Mal ist von 18, mal von 27 die Rede. Das Massaker vom Montag zählt zu den blutigsten Attacken auf Journalisten überhaupt.

Auch gegen Polizisten wird ermittelt

Die Polizei nahm zudem 20 weitere Verdächtige fest. Zuvor hatte der Polizeichef des Landes, Jesus Verzosa, gesagt, "mehrere" Milizionäre des Ampatuan-Clans seien festgenommen worden. Wegen Komplizenschaft werde auch gegen zahlreiche Polizisten aus der Region ermittelt, sagte Puno.

Sicherheitkräfte patrouillierten in der Region, in der der Ausnahmezustand ausgerufen worden war. Ein Armeesprecher sagte dem Fernsehsender ABS-CBN, die meisten mutmaßlichen Täter seien in die Berge geflohen.

lgr/AFP/dpa/Reuters/AP

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