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07.12.2009
 

Uno-Umweltgipfel

Nepper, Schlepper, Weltenretter

Von Christian Schwägerl

Industrie in Deutschland: Höchste Zeit für eine deutliche Reduktion der EmissionenZur Großansicht
ddp

Industrie in Deutschland: Höchste Zeit für eine deutliche Reduktion der Emissionen

Beim Uno-Gipfel in Kopenhagen beginnt das große Schachern um die Rettung des Weltklimas. Doch dem Spitzentreffen droht ein Desaster: Statt an die Zukunft der Menschheit zu denken, verfolgen viele Verhandler ihre eigene Agenda. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Akteure und ihre wahren Ziele vor.

Es ist ein Treffen der Superlative: Mehr als 15.000 Menschen aus aller Welt kommen ab dem 7. Dezember in Kopenhagen zum Uno-Klimagipfel zusammen. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben sich angekündigt, sowie mehr als 60 weitere Staats- und Regierungschefs. Ziel der Zusammenkunft ist es, einen Aktionsplan gegen die Erderwärmung zu erarbeiten, der 2013 in Kraft treten soll. Die Weltumweltkrise erfordert noch größere Anstrengungen als die Bewältigung der aktuellen Weltwirtschaftskrise.

Doch die Aufgabe ist gigantisch. Die Unterhändler von 192 Staaten müssen in Kopenhagen die unterschiedlichsten Interessen ausgleichen: Die Industriemacht USA trifft auf kleine Inselstaaten, die von Überschwemmungen bedroht sind. Erdölstaaten wie Russland und Saudi-Arabien, die letztlich von CO2-Emissionen leben, stehen unterentwickelten Ländern wie Bangladesch gegenüber. Entwicklungsländer, deren Bewohner von westlichem Wohlstand träumen, treffen auf die reichen Nationen, deren klimaschädlicher Lebensstil am Pranger steht.

Kompliziertere internationale Verhandlungen gibt es kaum. Auf der einen Seite stehen die Weltenretter, die tatsächlich die weltweiten Klimaprobleme lösen wollen. Auf der anderen Seite stehen die Nepper und Schlepper, die nur den eigenen Vorteil im Auge haben und auf keinen Fall ihre Positionen aufgeben wollen. Der Gipfel ist auch ein Kampf der Egoisten gegen die Idealisten.

Dass es höchste Zeit ist, den globalen Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen, ist inzwischen immerhin Konsens. 2007 schreckte der Weltklimarat (IPCC) die Weltöffentlichkeit mit dramatischen Warnungen auf, was passiere, wenn die Reduktion von CO2, Methan und anderen Treibhausgasen nicht gelänge. Schmelzende Polkappen, steigende Meeresspiegel, wachsende Wüsten und vertrocknende Regenwälder gehören zu den katastrophalen Szenarien.

Zwei Grad mehr könnten die Zivilisation ins Chaos stürzen

Als Obergrenze einer erträglichen Erderwärmung gilt ein durchschnittliches Plus von zwei Grad Celsius. Das klingt zunächst nicht nach einem ambitionierten Ziel, doch der Unterschied zur letzten Eiszeit, bei der weite Teile der Erde unter Eispanzern begraben waren, beträgt auch nur fünf Grad Celsius Durchschnittstemperatur. Mehr als zwei Grad Erwärmung, warnen Klimaforscher denn auch, könnten die Zivilisation ins Chaos stürzen und erhebliche ökologische und ökonomische Schäden verursachen.

Zur Obergrenze von zwei Grad haben sich viele Staaten bereits bekannt, auch die USA. Doch was bedeutet das konkret? Klimaforscher fordern, die Menschheit dürfe bis 2050 nur noch halb so viel CO2 verursachen wie 1990, die Industriestaaten sogar 90 Prozent weniger.

Beim Klimagipfel wird nun darum gefeilscht, wer welchen Beitrag wird leisten müssen, sowohl bei den Emissionen als auch bei der finanziellen Unterstützung für ärmere Länder. Dass China und die Entwicklungsländer in ihrem Aufholprozess nicht die Fehler der westlichen Industriestaaten wiederholen und ihren Wohlstand auf den Konsum fossiler Ressourcen gründen, ist eines der Hauptziele des Gipfels.

Typische Ouvertüre: Erst einmal die Erwartungen drosseln

Bei den Emissionszielen bleiben vor allem die USA bisher hinter dem zurück, was der Klimarat für nötig erachtet: bis 2020 25 bis 40 Prozent weniger als 1990. US-Präsident Barack Obama bietet derzeit nur ein Minus von vier Prozent an, Japan immerhin 25 Prozent, die EU bis zu 30 Prozent.

Schon vor dem Gipfel gab es zahlreiche Versuche, die Erwartungen zu drosseln. Ein völkerrechtlicher Vertrag werde nicht herauskommen, ließen US-Präsident Obama und wichtige asiatische Regierungschefs vor kurzem wissen. Doch alles andere als einen Beschluss mit verbindlichen Reduktionszielen und Finanzzusagen würde auch der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) als Misserfolg werten.

Wer wird wie entscheiden? Wo bilden sich möglicherweise Allianzen? SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Akteure des Klimagipfels und ihre wirklichen Positionen vor

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Die neuesten Beiträge:
16.12.2009 von rkinfo:

Biogas liegt bei ca. 5 Cent/kWh und nach Umwandlung zu Wasserstoff plus CO2-Abscheidung kommen wir auf die 10 Cent/kWh Brennstoffpreis. Im Mix mit Braunkohle und Umwandlung zu Wasserstoffe abzgl. CO2 dann eher 7-9 Cent/kWh. [...] mehr...

16.12.2009 von katzenjäger:

Auch hier gilt: Großkraftwerke (Kohle) fahren mit einem realen Wirkungsgrad von maximal 50 %. Sie bezahlen die Verluste freiwillig - und den Gewinnzuschlag der EVU noch dazu. Nur zu also. Ihre Schuld, wenn Sie daran nichts [...] mehr...

16.12.2009 von Johanna.1.15:

Na ja, real bei <60% Wirkungsgrad. Dafür mit elend hohen Kosten. Auch hier gilt: wenn Sie es bezahlen wollen, nur zu! mehr...

16.12.2009 von Johanna.1.15:

Dann liegt der reine Brennstoffpreis bei 30 Cent/kWh, plus Fixkosten natürlich. Das scheint mir arg weit entfernt von Ihren "3-5 Cent/kWh". mehr...

16.12.2009 von katzenjäger:

Das ist die typische Nebelkerze der Energieversorgungsunternehmen, die vernebelt, daß ein Großkraftwerk mit einem energetischen Wirkungsgrad von maximal 45 % arbeitet. Von Rentabilität müssen Sie mir nichts erzählen. Lesen Sie - [...] mehr...

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Weltklimaverhandlungen

Wichtige Punkte

Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

Worum geht es?

Wer sind die wichtigsten Akteure?

Wie ist der Stand in Europa?

Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?

Was, wenn die Verhandlungen scheitern?

Wer wie viel CO2 reduzieren will

EU

Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.

Russland

USA

Japan

Brasilien

China

Indien

Australien


Der lange Weg zum Klimaschutz

1988

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.

1992

1994

1997

2005

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