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28.11.2009
 

Britischer Irak-Einsatz

"Blair hat seiner Reputation geschadet"

Ex-Premier Blair: "Kein Dummkopf"Zur Großansicht
DPA

Ex-Premier Blair: "Kein Dummkopf"

Wie führte der ehemalige britische Premierminister Tony Blair sein Land in den Irak-Krieg? Das soll die "Chilcot-Kommission" untersuchen. Die Labour-Abgeordnete Diane Abbott, 56, sagt im SPIEGEL-Interview: Blair könnte noch im Amt sein - wenn er nicht blind Bush gefolgt wäre.

SPIEGEL: Mrs. Abbott, muss Blair fürchten, von dieser Untersuchungskommission vorgeführt zu werden?

Abbott: Die Regierung von Blairs Nachfolger Gordon Brown hat sich alle Mühe gegeben, dass die Kommission zahnlos bleibt. Sie kann niemanden unter Eid befragen. Sie hat keinen juristischen Sachverstand. Sie hat nicht einmal volle Akteneinsicht. Alle Kommissionsmitglieder sind von Brown handverlesen worden, und manche von ihnen haben den Krieg damals ausdrücklich begrüßt.

SPIEGEL: Ist die Kommission also wertlos?

Abbott: Nein. Den Regierungsabsichten zum Trotz fördert sie durchaus neue Erkenntnisse zu Tage. Zum Beispiel wissen wir jetzt von Christopher Meyer, dem damaligen britischen Botschafter in Washington, dass der Prozess der UN-Waffeninspektionen unter Hans Blix immer eine reine Farce war. Die militärische Einmarschplanung war da bereits abgeschlossen. Bush und Blair ging es nur noch darum, dafür einen Vorwand zu konstruieren. Blair hatte Bush im April 2002 auf dessen Farm in Crawford getroffen, und offenbar hat er sich da festgelegt, zu Bush zu stehen, egal was da kommt.

SPIEGEL: Was war der Grund dafür?

Abbott: Blair ist kein Dummkopf. Aber er liebt die Macht und ist leicht geblendet von ihr. Er wollte einfach Schulter an Schulter stehen mit dem Führer der freien Welt. Das genoss er, obwohl er wusste, dass der Kriegsvorwand für den Krieg, nämlich die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen, bestenfalls schwach war.

SPIEGEL: Warum hat das britische Parlament ihn nicht aufgehalten?

Abbott: Ich habe damals gegen den Krieg gestimmt. Aber viele Labour-Abgeordnete tendieren einfach dazu zu tun, was man ihnen sagt.

SPIEGEL: Was, wenn Blair Bush die Gefolgschaft verweigert hätte?

Abbott: Dann wäre er wahrscheinlich immer noch Premierminister. Und Großbritannien hätte einen besseren Stand in der Welt. So aber hat er seiner eigenen Reputation dauerhaften und bleibenden Schaden zugefügt.

Das Interview führte Marco Evers

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