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01.12.2009
 

EU-Reform

Vertrag von Lissabon tritt in Kraft

Es war ein langer Weg, nun ist der Vertrag von Lissabon in Kraft. Die Europäische Union will damit demokratischer und transparenter werden. Das Reformwerk macht Bürgerinitiativen möglich - und den Austritt von Mitgliedstaaten.

Hamburg - Seit Mitternacht des 1. Dezember gilt der neue Reformvertrag der Europäischen Union. Der sogenannte Lissabon-Vertrag hat wichtige Punkte der gescheiterten EU-Verfassung und bildet die Basis für eine EU, die künftig besser und demokratischer funktionieren soll. Zur feierlichen Zeremonie in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon haben sich zahlreiche EU-Spitzenvertreter angemeldet, darunter der amtierende Ratspräsident und schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek.

Von der Unterzeichnung vor zwei Jahren bis zur endgültigen Ratifizierung in allen 27 EU-Mitgliedern gab es viel Streit innerhalb der Gemeinschaft. Aber auch in den Ländern selbst gab es harte politische Auseinandersetzungen. In Irland mussten beispielsweise zwei Volksabstimmungen her, bis die Bürger Ja sagten. Als Letzter gab Vaclav Klaus, der europakritische Präsident Tschechiens, Anfang November seinen hartnäckigen Widerstand gegen den Vertrag auf.

Die Reform schafft erstmals einen Präsidenten des Europäischen Rates. Der Belgier Herman Van Rompuy wird künftig die EU-Gipfeltreffen leiten und versuchen, in schwierigen Fragen für Übereinstimmung zu sorgen. Der Präsident vertritt die EU auf Ebene der Staats- und Regierungschefs auf der internationalen Bühne.

Aber die EU bekommt auch eine Art Außenminister, auch wenn der offiziell "Hoher Vertreter der Union für Außenbeziehungen und Sicherheitspolitik" heißt. Die neue "Außenministerin" Catherine Ashton leitet den EU-Außenministerrat, ist aber auch Vizepräsidentin der EU-Kommission.

Es gibt weitere wichtige Änderungen. Das Europaparlament bekommt mehr Zuständigkeiten. Es entscheidet künftig in praktisch allen Fragen der Gesetzgebung mit. Das Parlament entscheidet gemeinsam mit dem Ministerrat über die Ausgaben.

Nationale Parlamente können Gesetzgebungsverfahren der EU aufhalten. In vielen Ländern gibt es immer wieder heftige Debatten darüber, ob etwas unbedingt auf europäischer Ebene geregelt werden muss. Ein Drittel der nationalen Parlamente kann eine Überprüfung eines Gesetzesvorhabens erzwingen.

Künftig gibt es eine Europäische Bürgerinitiative. Eine Million Bürger aus "einer erheblichen Anzahl von Mitgliedstaaten" kann verlangen, dass die EU-Kommission zu einem Thema eine Regelung vorschlägt. Einzelheiten müssen noch festgelegt werden - vor allem, was "eine erhebliche Anzahl" ist. Und erstmals wird es möglich sein, dass ein Mitgliedstaat der EU austreten kann.

ffr/dpa/ddp

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Vertrag von Lissabon

EU-Ratspräsident

EC
Um mehr Kontinuität in die Arbeit der EU zu bringen, wird die Europäische Union künftig einen ständigen Ratspräsidenten haben. Er soll zweieinhalb Jahre den Europäischen Rat leiten. Zusätzlich gibt es weiterhin eine alle sechs Monate unter den Staaten rotierende Präsidentschaft.

Hoher Repräsentant für die Außenpolitik

EU-Kommissare

EU-Parlament

Kompetenzen

Mehrheitsentscheidungen

Stimmrechte

Verfügungsklauseln

Bürgerrechte

Vorrang des EU-Rechts

Beitritt und Austritt

Der EU-Ratspräsident

Der belgische Christdemokrat Herman Van Rompuy wurde am 31. Oktober 1947 in Brüssel geboren. Nach seinem Studium der Philosophie (Bachelor 1968) und der Betriebswirtschaftslehre (Master 1971) begann er seine berufliche Laufbahn 1972 als Attaché für Inneres bei der Belgischen Nationalbank und arbeitete später als politischer Spitzenberater.

Seine politische Laufbahn startete Van Rompuy in der Jugendorganisation der Christlichen Volkspartei, wo er ab Mitte der achtziger Jahre zur Parteispitze gehörte. 1993 wurde er stellvertretender Premierminister und Finanzminister und trug maßgeblich zum Euro-Beitritt seines Landes bei.

1995 wurde er Mitglied der Abgeordnetenkammer, der er bis Dezember 2008 angehörte. Nach dem Rückzug seines Parteifreundes Yves Leterme als Regierungschef Ende 2008 übernahm der flämische Politiker das Amt.

Van Rompuy ist katholisch, verheiratet und hat vier Kinder.

Die neue EU-Außenbeauftragte

Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin Catherine Ashton und derzeitige EU-Handelskommissarin wurde am 20. März 1956 in Upholland in der britischen Grafschaft Lancashire geboren. Nach dem Studium an der Universität London arbeitete sie 1977 bis 1979 bei einer Kampagne für nukleare Abrüstung und entwickelte später im Projekt "Business in the Community" Wirtschaftsstrategien für Gemeinden und kleine Firmen.

1989 bis 1998 wirkte sie als Politikberaterin. 1999 wurde Ashton in den Adelsstand erhoben und auf Lebenszeit zum Mitglied des britischen Oberhauses ernannt. 2001 bis 2004 war sie parlamentarische Staatssekretärin im Bildungsressort, danach wechselte sie ins Justizressort.

2007 holte sie der neugewählte Premier Gordon Brown in sein Kabinett, wo sie zur Annahme des EU-Reformvertrages maßgeblich beitrug. Im Oktober 2008 rückte sie als erste Frau auf den Posten des EU-Handelskommissars.

Ashton ist verheiratet und hat mit ihrem Mann Peter Kellner zwei Kinder sowie drei Stiefkinder.





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