Aus Taipeh berichtet Jürgen Kremb
Der Japaner Ohmae weiß nur zu gut, wovon er spricht. Denn längst haben chinesische Investoren die Kronjuwelen der taiwanischen Wirtschaft ins Visier genommen. So kaufte ausgerechnet Master Kong aus Peking, ein Produzent von Instantnudeln, im Sommer knapp 20 Prozent des Wolkenkratzers "101" im Zentrum von Taipeh auf.
Das Geschäft erregte nicht nur deswegen so viel Aufmerksamkeit, weil "101" noch immer das höchste Gebäude der Welt ist und der Preis von 113,5 Millionen Dollar offenbar stark über dem tatsächlichen Wert des Anteils lag. Es kam auch der Verdacht auf, dass der Käufer lediglich ein Strohmann für einen großen chinesischen Staatskonzern sein könnte. Denn die Besitzer von Master Kong sind drei Brüder aus Taiwan, die erst in den neunziger Jahren in China reich geworden sind und seitdem ihren Firmensitz aufs "Festland" verlegt haben.
Taiwans Intellektuelle sind alarmiert
Noch viel lauter schrillten die Alarmglocken bei Taiwans Intellektuellen, als der Lebensmittelproduzent Cai Yuanming den Hauptanteil an der "China Times" erwarb, eine der vier auflagenstärksten Tageszeitungen der Insel. Denn von dem Taiwaner Cai wusste man bis dahin nur, dass er mit seinen Reiskeksen Wang-Wang in China steinreich geworden war und seine Inselheimat nur noch selten und dann im Privatjet aus China kommend besucht.
Jetzt berichtete das Magazin "Tianxia" in Taipeh, dass chinesische Behörden als Belohnung für den Kauf Cai mit weiterer "Vorzugsbehandlung" bei seinen Geschäften in China belohnen wollen. "All das lässt bei uns natürlich die Urangst aufkommen, dass hier bald Chinas fünfte Kolonne am Werk ist", sagt Antonio Chiang, der wohl prominenteste Journalist Taiwans und ehemalige Sicherheitsberater des früheren Präsidenten Cheng Shui-bian.
Eine Angst, die sicher nicht unbegründet ist. Denn schon zahlenmäßig stehen die 23 Millionen Taiwaner gegenüber den 1,3 Milliarden Chinesen auf verlorenem Posten. Allein in der ersten Jahreshälfte 2009 kamen 268.304 heiratswillige "Festlandsbräute" nach Taiwan, 6000 mehr als im gesamten Vorjahr.
Dabei steht der wahre Ansturm erst bevor. Im kommenden Jahr sollen nicht nur Studenten vom Festland in Taiwan studierten dürfen, erstmals können dann auch Einzelreisende aus China die Insel besuchen. Bisher waren nur Gruppenreisen erlaubt.
Tsu Tzengping, Pressesprecher unter Präsident Chen Shuibian, glaubt deshalb, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Ma Ying-jeou und Chinas Staatschef Hu Jintao direkte Gespräche aufnehmen. Zwar achtet Peking noch mit Argusaugen darüber, dass Taiwans Staatsführung international isoliert bleibt. Etwa beim Singapurer Treffen der 21 Pazifik-Anrainerstaaten Apec Mitte November: Da durfte Taiwan wie üblich nur einen Minister als höchsten Regierungsvertreter zum Treffen der Staatschefs entsenden.
Doch als Ma im Juli zum Vorsitzenden der Regierungspartei Kuomintang (KMT) gewählte wurde, gratulierte Hu Jintao als Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) per Fax aus Peking. Telefoniert haben die Herren aber noch nicht miteinander, denn de jure ist der chinesische Bürgerkrieg noch nicht mit einem Friedensvertrag beendet worden.
Noch immer hat China tausend Raketen auf Taiwan gerichtet
Den werde er auch nicht verhandeln, solange China in seinen Südprovinzen gut tausend Mittelstreckenraketen auf Taiwan gerichtet habe, lässt Ma bei jeder Gelegenheit wissen. Meinungsumfragen bestätigen ihn in dieser Haltung. Denn noch immer betrachten 45 Prozent der Taiwaner China als "unfreundliche Nation", mit der man besser nichts zu tun hat.
Peking aber kümmert sich nicht um die öffentliche Meinung in Taiwan, das zeigte eine Konferenz Mitte November in Taipeh. Erstmals waren da Generäle der Volksbefreiungsarmee (VBA) und chinesische Diplomaten beim feindlichen Bruder zu Gast. Wie es hieß, um über Hu Jintaos Vision von der "friedlichen Wiedervereinung Chinas" zu debattieren.
Wie die allerdings aussehen kann, ließ der pensionierte VBA-Generalleutnant Li Jijun durchblicken. "Unsere Raketen sind dafür da, um euch von der Unabhängigkeit abzuhalten", ließ er ein erstauntes Publikum wissen. Und dann schob er nach. "Eine friedlichen Wiedervereinigung ist schließlich besser, als wenn wir 500.000 Soldaten rüberschicken müssen."
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hallo frankfurter_75 Die KMT hat im Westen von Taiwan Verluste hinnehmen müssen, dennoch kompensiert wurde. Im Osten mit YILan war es eine deutliche Niederlage und Hualien eine Schlappe einstecken müssen, die dennoch erst [...] mehr...
Ich hatte den Fall am Rande mitbekommen aber nicht so sehr aktiv verfolgt. Mir tat die Frau irgendwie leid (nicht lachen, ist ernstgemeint) - sie schwafelt genauso unbedarft wie die meisten Chinesen, die ich kennenlernen durfte. [...] mehr...
Herr frankfurter_75 haben Sie letztes Jahr den Fall nicht verfolgt?! Der Fall hat durchaus etwas mit dem zu tun, was z.b. Herr taiwanreporter.de uns mitgeteilt hat. Und deckt sich ebenfalls mit ihrer Aussage. Zur Zeit bewegt [...] mehr...
sollte #53 heissen. mehr...
jetzt bin ich überrascht. Was hat diese Geschichte mit dem Thema zu tun? Oder wollten Sie den Taiwanreporter darin bestärken, dass manchmal in der Presse krudes Zeug steht? Zum Thema Wahlen in Taiwan verweise ich auf #54. [...] mehr...
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