Teheran - Wegen Teilnahme an den regierungskritischen Protesten nach der Präsidentschaftswahl in Iran ist ein Wirtschaftsexperte zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Said Lailas sei außerdem der Besitz "sensibler Dokumente" zur Last gelegt worden, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Fars am Mittwoch Lailas' Anwalt Mahmud Alisadeh Tabatabai.
Eine Freilassung des Wirtschaftsfachmanns gegen Zahlung einer Kaution lehnte das Gericht demnach ab. Der reformorientierte Lailas ist ein vehementer Kritiker von Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad. Gegen dessen umstrittene Wiederwahl im Juni hatten zahlreiche Menschen protestiert. Mindestens 4000 Demonstranten wurden festgenommen, fünf von ihnen wurden zum Tode verurteilt.
Das iranische Revolutionsgericht verurteilte laut Fars außerdem den Schwager von Oppositionsführer Hossein Mussawi zu einer einjährigen Haftstrafe. Schapur Kasemi war ebenfalls wegen der Teilnahme an Protestkundgebungen festgenommen worden. Beide Verurteilte haben 20 Tage Zeit, um in Berufung zu gehen.
Im Zusammenhang mit den Protesten gegen das Teheraner Regime meldet Fars außerdem einen rätselhaften Todesfall. Ein junger iranischer Arzt, der im Gefängnis mutmaßliche Folteropfer behandelt hat, ist nach Behördenangaben an einem vergifteten Salat gestorben. Der Tod von Ramin Purandardschani am 10. November gehe auf die Überdosierung eines Blutdrucksenkers in seinem Essen zurück, erklärte die Staatsanwaltschaft. Unklar sei noch, ob sich der 26-Jährige damit das Leben genommen hat oder vergiftet wurde. Die Opposition befürchtet, der Mediziner sei wegen seines Wissens einem politisch motivierten Mord zum Opfer gefallen.
ffr/AFP/AP
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