• Drucken
  • Senden
  • Feedback
07.12.2009
 

Gipfel in Kopenhagen

Klimapolitiker warnen vor Kompromissen

Mann vor Weltkugel-Installation in Kopenhagen: "Unterstützung der Menschen in aller Welt"Zur Großansicht
Getty Images

Mann vor Weltkugel-Installation in Kopenhagen: "Unterstützung der Menschen in aller Welt"

Zwei Wochen zur Rettung der Welt: Regierungsvertreter aus 192 Staaten verhandeln ab heute in Kopenhagen darüber, wie der Klimakollaps zu verhindern ist. Experten unter den Politikern warnen vor einem Minimalkonsens - er wäre das Schlimmste, eine enorme Belastung für kommende Generationen.

Kopenhagen - Hoffen auf den Durchbruch: Kurz vor dem Beginn des wichtigen Uno-Klimagipfels in Kopenhagen hat der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) die Konferenzteilnehmer zu entschiedenem Handeln aufgefordert. "Klimawandel ist keine Gefahr der fernen Zukunft, Klimawandel passiert bereits jetzt", sagte der ehemalige Chef des Uno-Umweltprogramms der "Passauer Neuen Presse". "Wenn wir nicht wirklich handeln, werden wir alle verlieren. Wir können uns ein Scheitern des Gipfels nicht erlauben."

Wegen der drastischen Unterschiede der an dem Gipfel teilnehmenden Ländern erwarte er "schwierige Verhandlungen". "Aber ich glaube, dass wir die Unterstützung der Menschen in aller Welt haben", sagte Töpfer der Zeitung. Töpfer gab sich außerdem überzeugt, dass das Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad in Kopenhagen grundsätzlich anerkannt werde. Die Frage werde eher sein, "ob jetzt schon alle Maßnahmen rechtsverbindlich beschlossen werden", die das Erreichen dieses Zieles gewährleisteten. Vor diesem Hintergrund forderte er die Bundesregierung zum Handeln auf. Noch sei "nicht zu sehen, wie wir unser Ziel von fast 40 Prozent weniger CO2-Emissionen im Jahr 2020 gegenüber 1990 auch wirklich realisieren können", sagte Töpfer der Zeitung.

In Kopenhagen beraten ab diesem Montag Delegationen aus 192 Staaten über ein Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls. Zum Schluss der Verhandlungen wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs anreisen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama.

"Minimalkompromiss wäre großer Rückschlag"

Der Chef des Uno-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner, forderte einen Erfolg des Weltklimagipfels in Kopenhagen. "Ein Minimalkompromiss wäre ein großer Rückschlag für die Klimapolitik und vor allem eine enorme Hypothek für die kommende Generation", sagte Steiner der Nachrichtenagentur ddp.

Wenn die internationale Gemeinschaft noch einmal zehn Jahre verlieren würde, wären die Kosten für den Klimaschutz um ein Vielfaches höher. Gleichzeitig würde damit die Chance vergeben, gemeinsam Klimapolitik zu betreiben. "Wir haben durch Klimawandel und globale Erwärmung erstmals ein Phänomen, wo alle Länder einen Beitrag leisten müssen", sagte Steiner. Kein Staat könne Erfolg haben ohne die Beteiligung der anderen.

"Es ist heute ein Konsens, dass wir dieses Phänomen haben, dass der Mensch ein Kernverursacher dieser Entwicklung ist", sagte Steiner. Wenn nur die Hälfte dessen eintreffen würde, was der Klimarat vorausgesagt habe, sei dies bereits dramatisch. Gleichzeitig appellierte Steiner an die Verantwortung für kommende Generationen. "Die nächste Generation hat vielleicht gar nicht mehr die Wahl, die wir heute haben", sagte der Leiter des Uno-Umweltprogramms.

Steiner nahm insbesondere die Staats- und Regierungschefs in die Pflicht: Wenn der Gipfel scheitern sollte, sei dies die Verantwortung derjenigen, die die Verhandlungen führen. "Und das sind letztlich die gewählten Regierungsoberhäupter", sagte Steiner. Er sprach sich für ein Abkommen aus, das konkrete Zahlen, Ziele und Zeitvorgaben enthalte. "Wenn uns das gelingt, ist Kopenhagen ein Erfolg und auch die Voraussetzung dafür, dass wir die Ziele, die wir vom Weltklimarat vorgegeben bekommen haben, auch erreichen können", sagte Steiner.

Er räumte ein, dass derzeit noch eine Lücke klaffe zwischen den Angeboten der Industriestaaten zur Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase und den Empfehlungen des Weltklimarats. Ein Deal sei aber möglich.


Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verbreitete Optimismus. "Wir werden ein historisches Übereinkommen erreichen, das die globale Erwärmung bremst", sagte der Südkoreaner der dänischen Zeitung "Berlingske Tidende". Der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, erwartet ein "starkes Ergebnis als Wendepunkt für die Klimaentwicklung". De Boer sagte: "Die Stunde der Entscheidung ist gekommen."

Als konkrete Ziele für das bis zum 18. Dezember dauernde Treffen nannte er "schnelle und effektive Wege" zur Finanzierung klimafreundlicher Technologien sowie "ehrgeizige Ziele" bei der Verminderung von CO2-Emissionen und die Bereitstellung langfristiger Finanzen. Außerdem müsse die Kopenhagener Konferenz die "Vision einer Zukunft mit niedrigen Schadstoffausstößen" bringen.

Greenpeace lobt Merkel

Das Weiße Haus in Washington erklärte zu den neuen Reiseplänen Obamas, es gebe Fortschritte hin zu einem Abkommen, "das alle Themen umfasst, die derzeit verhandelt werden". Obama habe in den vergangenen Tagen mit mehreren europäischen Spitzenpolitikern telefoniert, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Der US-Präsident gründe seine Zuversicht unter anderem auf China und Indien, die erstmals konkrete Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgase genannt haben.

Der Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser lobte ausdrücklich Bundeskanzlerin Merkel für ihre Rolle bei der Zusage des US-Präsidenten: "Ihr persönliches Engagement gegenüber Obama hat sich ausgezahlt." Nun seien alle Chefs der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß an Bord. Die USA und China haben weltweit die höchsten CO2-Emissionen, sind aber nur zu wesentlich geringeren Verminderungen bereit als die EU.

als/ap/AFP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1467 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.12.2009 von rkinfo:

Biogas liegt bei ca. 5 Cent/kWh und nach Umwandlung zu Wasserstoff plus CO2-Abscheidung kommen wir auf die 10 Cent/kWh Brennstoffpreis. Im Mix mit Braunkohle und Umwandlung zu Wasserstoffe abzgl. CO2 dann eher 7-9 Cent/kWh. [...] mehr...

16.12.2009 von katzenjäger:

Auch hier gilt: Großkraftwerke (Kohle) fahren mit einem realen Wirkungsgrad von maximal 50 %. Sie bezahlen die Verluste freiwillig - und den Gewinnzuschlag der EVU noch dazu. Nur zu also. Ihre Schuld, wenn Sie daran nichts [...] mehr...

16.12.2009 von Johanna.1.15:

Na ja, real bei <60% Wirkungsgrad. Dafür mit elend hohen Kosten. Auch hier gilt: wenn Sie es bezahlen wollen, nur zu! mehr...

16.12.2009 von Johanna.1.15:

Dann liegt der reine Brennstoffpreis bei 30 Cent/kWh, plus Fixkosten natürlich. Das scheint mir arg weit entfernt von Ihren "3-5 Cent/kWh". mehr...

16.12.2009 von katzenjäger:

Das ist die typische Nebelkerze der Energieversorgungsunternehmen, die vernebelt, daß ein Großkraftwerk mit einem energetischen Wirkungsgrad von maximal 45 % arbeitet. Von Rentabilität müssen Sie mir nichts erzählen. Lesen Sie - [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Weltklimaverhandlungen

Wichtige Punkte

Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

Worum geht es?

Wer sind die wichtigsten Akteure?

Wie ist der Stand in Europa?

Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?

Was, wenn die Verhandlungen scheitern?







TOP



TOP