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10.12.2009
 

Bloggender Talib

Die Schöne und der Terrorist

Von Yassin Musharbash und Volkhard Windfuhr

Bloggerin Farrall, Taliban-Berater Masri: Digitaler Austausch zwischen Iran und AustralienZur Großansicht

Bloggerin Farrall, Taliban-Berater Masri: Digitaler Austausch zwischen Iran und Australien

2. Teil: Warum ein US-Abzug für al-Qaida ein Problem wäre

Überdies wäre ein Abzug der US-Truppen aus dem Land für Osama Bin Ladens Netzwerk eher ein Problem, denn den meisten Taliban und Afghanen seien die Terroristen der Qaida nicht willkommen. Ersteren gelte Bin Laden als Verderber des Taliban-Staates, weil er die US-Armee auf den Plan gerufen habe, letzterer aus dem selben Grund als der Mann, der den Krieg wieder nach Afghanistan holte.

Es könnte schwer sein für Mullah Omar, den Taliban-Chef, Osama Bin Laden auszuweisen, wenn die Amerikaner weg seien. Aber Hausarrest sei eine Möglichkeit, die Gastfreundschaft würde jedenfalls ans Bedingungen geknüpft.

Masri: Es gibt keinen Vermittler

Die ideologische Kluft zwischen Taliban und al-Qaida ist in Expertenkreisen schon länger ein Thema - aber es gibt bislang keine derartige Stimme mit vergleichbarem Gewicht aus einem der beiden Lager. Im Gegenteil, nach außen betonen die beiden Gruppen ihre Allianz, auch wenn sie die ideologischen Haarrisse natürlich in der Propaganda spiegeln: Die Taliban betonten kürzlich, sie seien keine Gefahr für das Ausland, al-Qaida will nach wie vor international zuschlagen.

Masris Ausführungen sind potentiell umso interessanter, als für die USA in Afghanistan das "end game" seine Schatten vorauswirft: In welchem Zustand soll und kann Afghanistan dereinst zurück gelassen werden - und wären Verhandlungen mit den Taliban hilfreich?

Auch danach fragte Farrall Masri und erhielt Antwort. Seiner Ansicht nach schränke das Bündnis mit Bin Laden die Taliban ein, es limitiere ihre politischen Optionen. Selbst früher freundlich gesinnte Staaten wie die Arabischen Emirate oder Saudi-Arabien pflegten keine Beziehungen mehr, die Taliban betrieben eine äußerst schwache Außenpolitik. Eine graduelle Trennung von al-Qaida, so der Dschihad-Stratege, könne helfen. Allerdings hält Masri förmliche Verhandlungen dann doch für unvorstellbar. Diese hätten stets den Ruch von Kapitulationen. Es gäbe zudem keine neutralen Vermittler mehr. Er hält dies für eine Spätfolge des Diktums von George W. Bush: Entweder ihr seid für oder gegen uns.

Ein Kämpfer der ersten Generation

Abu al-Walid al-Masri ist eine ernstzunehmende Stimme. Er fungiert nicht nur als inoffizieller Taliban-Ratgeber, sondern veröffentlicht auch in ihrem offiziellen Magazin "al-Sumud", was bedeutet, dass die Taliban-Führung ihn nach wie vor als Teil der Bewegung betrachtet.

Der Ägypter ist eine lebende Legende des Dschihadismus. In Alexandria als Ingenieur ausgebildet, arbeitet er in Kuwait bei Mercedes Benz, kämpfte ab 1978 an der Seite der Palästinenser im Südlibanon. Doch da waren ihm zu wenig Gläubige und zu viele Nationalisten. Schon ab 1979 kämpfte er dann gegen die sowjetischen Invasoren in Afghanistan. Als arabischer Freiwilliger der ersten Stunde war er eng und gut bekannt mit den anderen Größen seiner Generation: Dem damaligen Vordenker Abdullah Azzam, dem kommenden Osama Bin Laden, dem Taliban-Oberhaupt Mullah Omar, aber auch lokalen Führern wie Dschalaluddin Hakkani.

Er stach als Intellektueller heraus, der auch Mao und Sun Tzu gelesen hatte. Bald galt er als brillanter Stratege. Eines aber war er nie: förmliches Qaida-Mitglied. Im Gegenteil, mit Osama Bin Laden verband ihn offenbar eine Hassliebe, mehrfach machte er sich über den Saudi lustig, einmal erklärt er, Bin Laden gehöre vor ein Militärgericht. Die Anschläge vom 11. September 2001 kritisierte er von Beginn an. Masri fungierte in dieser Zeit, das war damals noch möglich, übrigens parallel als Reporter für al-Dschasira. Viele Details über frühen Streit zwischen Taliban und al-Qaida stammen von ihm.

Die Iraner lassen ihn schreiben - warum?

Doch es gibt auch Schönheitsfehler in der Korrespondenz. So befindet sich Masri seit 2002 oder 2003 mutmaßlich in Iran, wohin er geflohen war - und damit fernab des Schlachtfelds. Aus dem Umfeld seiner Familie verlautete 2007, dass er dort mit einigen Angehörigen festgehalten werde. Ob er für irgendjemanden außer sich selbst spricht, ist ungewiss.

Das zweite Problem ist die Authentizität des Autors. Vieles spricht zwar dafür: Die Sprache, die Themen, die Bezugname auf das eigene Erlebte. Aber letzte Sicherheit kann man bei einer digitalen Korrespondenz kaum haben.

Zudem bleibt offen, warum die Iraner Masri gestatten, sich öffentlich zu äußern.

Unterdessen hat nicht nur Farall, sondern auch Masri hat seine Antworten online gestellt. Zwar behält Farall sich - als Forscherin - vor, dass niemand die Briefe Masris vor ihr selbst auswertet. Doch die "Taliban Letters" sind in der Welt, spätestes seit der "New Yorker"-Journalist Steve Coll jüngst darüber bloggte.

Für Analysten der Nachrichtendienste sind die Texte ohnehin ein Fest, für Historiker und Terrorexperten ebenso. Dass al-Qaida auf die Kritik Abu al-Walids eingeht, ist unwahrscheinlich. Aber Osama Bin Laden wird es gewiss nicht freuen, dass die Debatte über die Kluft zu den Taliban nun neue Nahrung erhalten hat.

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13.12.2009 von A&O:

...aber das Ganze ist doch ein schönes Beispiel dafür wie islamistsiche Terroristen ein wahrlich friedliches Volk , nämlich die Thais versuchen zu verdrängen. Was sich im Süden Tahilands abspielt kann und darf nicht entschuldigt [...] mehr...

13.12.2009 von Nachtschwester Ingeborg:

Nein, weil es nicht warscheinlich ist. ---Zitatende--- Tja, da beißt sich dann Ihre Katze in den Schwanz. Denn "wahrscheinlich" ist nicht die Frage bei realen Ereignissen. Und Al Qaida ist real, ihre Terroranschläge [...] mehr...

13.12.2009 von Khaled:

Aha also sind die Malaysier also vielfach Chaffeure in Thailand? Na ja interessante Feststellung.....was genau hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Eine eigene Mafia und die halten ganze Dörfer in Schach, wer jetzt die Chaffeure [...] mehr...

13.12.2009 von Montanabear: Internationaler Terrorismus

Ich habe fünf Jahre in Thailand gelebt und bin auch viel herumgereist, mit Thai Freunden. Malaysische Männer kamen und drohten Thais, die Chauffeure für wichtige Ausländer waren. Sie übernahmen diese Jobs und nicht wenige der [...] mehr...

13.12.2009 von Khaled:

Was für eine Logik hätte man den Irak nich angegriffen, dort gab es keine Al Kaida Leute, dann hätten die woanders zugeschlagen. Übrigens die habwen in anderen Ländern zugeschlagen, Algerien zB obwohl man in den Irak [...] mehr...

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