Santiago de Chile - Bei der Präsidentenwahl in Chile hat am Sonntag nach Angaben der nationalen Wahlkommission keiner der Kandidaten die für einen Sieg notwendige absolute Mehrheit erzielt. Der konservative Kandidat Sebastián Piñera kam nach den ersten offiziellen Teilergebnissen auf 44,67 Prozent der Stimmen. Für den Regierungskandidat Eduardo Frei stimmten demnach 32,08 Prozent. Die beiden müssten demnach in einer Stichwahl am 17. Januar gegeneinander antreten. Kommentatoren betonten, dass Piñeras Ergebnis besser als erwartet ausgefallen sei und er damit eine gute Basis für einen Sieg in der Stichwahl habe.
Setzt sich dann der konservative Piñera durch, wäre das eine politische Zäsur. Erstmals seit dem Ende der Pinochet-Diktatur würde die Rechte das Amt des Präsidenten erobern. Der Milliardär Piñera verspricht einen stärkeren Kampf gegen Korruption, will aber die Wirtschaftspolitik der bisherigen Präsidentin Michelle Bachelet fortführen, die laut Verfassung nicht noch einmal antreten darf.
Piñera gilt als politisches Chamäleon, auf Wahlkampfveranstaltungen sagt der 60-Jährige, er wolle ein guter Präsident werden für alle Chilenen, für die Mittelschichten, für die Hausfrauen, für die Benachteiligten. Er ist offenbar bemüht, alte Gräben nicht wieder aufreißen zu lassen. Doch Bürgerrechtler und politische Gegner warnen, dass die konservativen Parteien die Verbrechen der Diktatur verharmlosten. In die Parteien von Piñeras Koalition strömten einst die Regimetreuen.
Auf Platz drei mit 17,78 Prozent landete nach ersten Angaben der unabhängige Kandidat Marco Enríquez Ominami. Jorge Arrate, Kandidat der Linken, erhielt 5,45 Prozent gesehen. Die Angaben beruhten auf Auszählung von 12,64 Prozent aller Stimmen.
otr/dpa
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