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16.12.2009
 

Gipfel in Kopenhagen

Europäer stellen Klimaversprechen in Frage

Klimaprotest in Kopenhagen: Die Polizei erwartet neue AusschreitungenZur Großansicht
REUTERS

Klimaprotest in Kopenhagen: Die Polizei erwartet neue Ausschreitungen

Beim Klimagipfel in Kopenhagen droht ein dramatischer Rückschritt. Eigentlich wollte die Europäische Union ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 30 Prozent senken - doch laut "FTD" haben EU-Unterhändler bereits eine Rückzugsposition vorbereitet. Grund ist offenbar die starre Haltung Chinas und der USA.

Kopenhagen/Berlin - Wie du mir, so ich dir: Die zögerliche Haltung Chinas und der USA veranlasst nun offenbar auch die Europäische Union, ihre Klimaversprechen zu kassieren. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" stellen die EU-Unterhändler beim Gipfel in Kopenhagen ihre wichtigste Zusage in Frage.

Bisher drängten die Europäer darauf, den Klimaschutz deutlich voranzutreiben. So stellten sie in Aussicht, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 30 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Doch nun könnten es nur 26 Prozent sein, sagte ein EU-Unterhändler der Zeitung. Denkbar sei auch, das 30-Prozent-Ziel erst 2025 zu erreichen. Dem Blatt zufolge haben die Europäer diese Alternativ-Szenarien vorbereitet, um bei den abschließenden Gesprächen eine Rückzugsposition zu haben.

Umweltschützer hatten zunächst große Hoffnungen auf die EU gesetzt, als diese angekündigt hatte, das ursprüngliche Reduktionsziel von 20 Prozent auf 30 Prozent zu erhöhen. Allerdings hatten die Europäer diese Zielvorgabe von Anfang an daran geknüpft, dass auch die USA, China und andere Schwellen- und Industrieländer vergleichbare Verpflichtungen eingehen. Derartige Zusagen sind aber nicht in Sicht.

Auch an anderer Stelle droht dem Kopenhagener Gipfel ein Rückschlag. Nach Einschätzung von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon könnte ein Abkommen verabschiedet werden, das keine langfristigen Hilfszusagen für ärmere Länder enthält. "Wir können nächstes Jahr anfangen, darüber zu diskutieren", sagte Ban in einem Interview mit der britischen "Financial Times". Er betonte zwar die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung. Allerdings rechne er in Kopenhagen nicht mit einer genauen Zahl zur langfristigen finanziellen Hilfe für Entwicklungsländer.

Bans Forderung: Wenn keine Einigung möglich sei, müsse zumindest eine erste Absprache über die Finanzierung getroffen werden.

Deutschland will 20 Millionen Euro an China zahlen

Immerhin will das deutsche Entwicklungshilfeministerium nach Informationen der "Bild"-Zeitung 20 Millionen Euro für Klimaschutzmaßnahmen in China bereitstellen. Das Ministerium habe einen entsprechenden Antrag an den Haushaltsausschuss gestellt, der am Mittwoch eingebracht werden solle. Laut "Bild" sollen die Mittel jeweils zur Hälfte für ein "CO2-Minderungsprogramm" sowie für "Energieeffizienz in großtechnischen Anlagen" in China verwendet werden.

In dem vertraulichen Antrag heißt es demnach: "Wir leisten mit unserer Zusammenarbeit einen Beitrag dazu, die Entwicklung des Energieverbrauches und der Treibhausgasemissionen mit ihren negativen Konsequenzen für Klima, Umwelt, Ressourcenverbrauch zu begrenzen."

Die Zusage kommt überraschend. Denn Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) hatte kurz nach seinem Amtsantritt erklärt, künftig keine Entwicklungshilfe für China mehr bereitstellen zu wollen.

Industrie warnt vor europäischem Alleingang

Druck übt unterdessen die deutsche Industrie aus. Angesichts der stockenden Gespräche in Kopenhagen warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Bundesregierung vor einseitigen Zugeständnissen beim Klimaschutz. Ein neues globales Abkommen müsse alle Verursacher von CO2-Emissionen und alle Industriesektoren gleichermaßen in die Pflicht nehmen, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer, Werner Schnappauf, dem "Handelsblatt". Wirksamer Klimaschutz sei nur möglich, wenn alle großen Volkswirtschaften an einem Strang zögen. Anderenfalls könnten Unternehmen in Deutschland ernsthaft in Gefahr geraten.

Der Industrieverband erwartet Probleme, wenn sich Deutschland und die Europäische Union zu strengen Klimaschutzzielen verpflichten, die USA und China aber nur schwache Zusagen machen. Das Angebot der USA beinhaltet im Moment lediglich Kohlendioxid-Reduktionen von 17 Prozent bis 2020 gegenüber 2005. Gemessen am Jahr 1990, das die Europäer als Maßstab anlegen, entspricht dies Reduktionen von weniger als vier Prozent.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte die EU vor Alleingängen. Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", eine einseitige Verpflichtung auf die Reduktion des klimaschädlichen Kohlendioxid um 30 Prozent bis 2020 würde erhebliche Zusatzkosten bedeuten. Dies würde die Wettbewerbsposition international tätiger Unternehmen massiv schwächen.

"Erderwärmung ist global, deshalb macht letztlich nur eine Verpflichtung aller wichtigen Emittenten weltweit auf verbindliche Klimaschutzziele Sinn", sagte Wansleben. Schon die bisher angepeilte 20-Prozent-Reduktion bei Treibhausgasemissionen sei ambitioniert.

1500 Personen festgenommen

In Kopenhagen hatten am Dienstag die Umweltminister mit ihren eigentlichen Verhandlungen begonnen. Sie bereiten die Grundlage für die Staats- und Regierungschefs vor, die am Freitag den Durchbruch für ein globales Klimaabkommen schaffen sollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt auf eine Einigung, um die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen.

Über Videokonferenzen und in Telefongesprächen begannen die Staats- und Regierungschefs bereits am Dienstag, sich abzustimmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel konferierte mit US-Präsident Barack Obama, dem französischen Staatschef Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister Gordon Brown per Videoschaltung.

Obama ließ anschließend Optimismus verbreiten. "Der Präsident ist überzeugt, dass wir in den kommenden Tagen eine sinnvolle Vereinbarung über unser Vorgehen erreichen können", sagte sein Sprecher Robert Gibbs. Die USA würden sich darum bemühen, dass das Abkommen transparent und glaubwürdig gestaltet werde. "Der Präsident hat die Bemühungen der USA im Kampf gegen den Klimawandel überprüft und seine Zusage erneuert, in Kopenhagen Fortschritte zu machen."

Die dänische Polizei bereitet sich unterdessen auf eine neue Machtprobe mit Demonstranten vor. Tausende Aktivisten wollen an diesem Mittwoch die Barrikaden vor dem Kongresszentrum stürmen. In den vergangenen Tagen war die Polizei mit äußerster Härte gegen die Protestierer vorgegangen und hatte über 1500 Personen festgenommen, darunter mehr als 300 Deutsche.

wal/Reuters/ddp/dpa/AFP

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insgesamt 4346 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.12.2009 von cluster15: jetzt mal Tacheles

Tja, was man Sie was schlimmer wird, Wortklauben oder Datenklauben..... Keine Ahnung was Sie meinen, der lineare Trend zeigt einen Anstieg von etwas mehr als 0.4 Grad Celsius Warum 1940 oder 1970? Von 1930-1970 ist [...] mehr...

21.12.2009 von cluster15: A posteriori

Kausalketten im Nachhinein konstruieren zu können, heißt nicht in jedem Fall, dass die Ereignisse tatsächlich in der Abfolge als solche im Vorhinein geplant waren (schönes Beispiel wäre das Minenfeld der Evolution). Ich hatte [...] mehr...

21.12.2009 von snoopdog: Beamtenspeech.

... und falls das Klima sich nicht reglementskonform entwickeln will, dann ist fristgemäß bis spätestens 31.12.09... Beamtenspeech pur ... hoffentlich kriegen Sie Ihre Kaffeepause eben so zuverlässig geregelt mehr...

20.12.2009 von denkmal!:

[QUOTE=Blackjack51;4733832][QUOTE=denkmal!;4733314]Also ich bin meinen chinesischen Solarzellen absolut zufrieden. Sie überteffen sogar die angegebenen Werte. ---Zitat--- Hast du die Panels messen lassen? Das können nur wenige [...] mehr...

20.12.2009 von de.nada: Hatte was zu erledigen. ;)

Ich weiß nicht wie ehrlich "Die Welt" ist. Ich weiß nicht mal ob die Welt weiß was PR ist und was nicht. (hoffentlich erscheint nur dieses) mehr...

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Weltklimaverhandlungen

Wichtige Punkte

Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

Worum geht es?

Wer sind die wichtigsten Akteure?

Wie ist der Stand in Europa?

Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?

Was, wenn die Verhandlungen scheitern?


Wer wie viel CO2 reduzieren will

EU

Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.

Russland

USA

Japan

Brasilien

China

Indien

Australien

Der lange Weg zum Klimaschutz

1988

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.

1992

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1997

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