Teheran - Tausende Iraner strömen in die Theologenhochburg Ghom im Süden des Landes. Denn dort ist Großajatollah Hossein Ali Montaseri aufgebahrt. Der Geistliche, einer der schärfsten Kritiker des Regimes in Teheran, war in der Nacht zu Sonntag im Alter von 87 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben und soll am Montag bestattet werden.
In der Hauptstadt beklagten iranische Oppositionelle auf den Straßen den Tod Montaseris, wie reformorientierte Internetseiten berichteten. "Man wird sich an ihn als einen Mann erinnern, der sein politisches Leben seinen Prinzipien geopfert hat", sagte Iran-Experte Baqer Moin. Er sei eine Inspiration für andere Oppositionelle gewesen.
Die Beerdigung des Reformers könnte ein Sammelpunkt für die moderate Opposition werden. Dies könnte die Behörden beunruhigen. Bereits am Sonntag war die Bereitschaftspolizei einer reformorientierten Internetseite zufolge in Ghom überall präsent. Die Spannungen in Iran haben zuletzt, sechs Monate nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen, wieder zugenommen.
In den iranischen Medien fand die Nachricht vom Tod Montaseris nur wenig Berücksichtigung. In offiziellen Berichten wurde auch Montaseris Titel Großajatollah nicht erwähnt.
Montaseri gehörte unter Theologen zu den heftigsten Kritikern an der umstrittenen Wahl im Juni und dem rigiden Umgang mit Demonstranten. So hatte er zu einer dreitägigen Trauer zu Ehren der getöteten Demonstranten aufgerufen und der Führung um den erzkonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad vorgeworfen, mit ihrer unnachgiebigen Haltung gegen die Gebote der Religion zu verstoßen. Das religiöse Regime des Landes bezeichnete er als Diktatur.
Montaseri zählte zu den Anführern der Islamischen Revolution von 1979, die den mit dem Westen verbündeten Schah stürzte. Er war ein Unterstützer des Revolutionsführers Ajatollah Chomeini, bevor er sich von ihm distanzierte und in Ungnade fiel. Der einflussreiche Theologe stand fünf Jahre unter Hausarrest. Nicht er, sondern Ajatollah Ali Chamenei wurde 1989 zum obersten Führer Irans ernannt.
als/Reuters/dpa
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