Von Ulrike Putz, Beirut
Gestern Krieg, heute Ruhe, morgen vermutlich wieder Krieg: Die zweistündige Führung, die ein israelischer Kibbuznik unlängst auf der israelischen Seite der Grenze zum Gaza-Streifen gab, lässt sich auf eine recht einfache Formel reduzieren. Vor einem Jahr sei es unmöglich gewesen, sich der Grenze überhaupt zu nähern, zum Schluss habe die Hamas fast stündlich Raketen auf israelisches Territorium abgefeuert, berichtet der Guide.
Dann kam der Gaza-Krieg, mit dem Israel ab dem 27. Dezember 2008 versuchte, die über den Gaza-Streifen herrschende Hamas auszuschalten. Nach dreiwöchigen Kämpfen, bei denen etwa 1300 Palästinenser und 13 Israelis starben, einigten sich die Gegner auf einen Waffenstillstand. Von vereinzelten Verstößen gegen das Abkommen abgesehen, herrscht seither Ruhe im Gaza-Streifen und den angrenzenden israelischen Gebieten. Noch.
Analysten sind sich weitgehend einig, dass es in näherer Zukunft zu erneuten Kämpfen zwischen den Islamisten der Hamas und Israel kommen wird. Obwohl beide Seiten sich als Sieger des Krieges darstellen, kann keiner der Kontrahenten ernsthaft behaupten, er habe sein Ziel für den Waffengang 2008 erreicht. Israel wollte
Die Hamas, die den Krieg durch massiven Raketenbeschuss über die Weihnachts-Tage im vergangenen Jahr heraufbeschwor, wollte
Doch trotz gegenteiliger Abmachungen hält Israel die Grenzen zum Gaza-Streifen immer noch weitgehend geschlossen. Damit setzt Jerusalem den einzigen greifbaren Erfolg aufs Spiel, den es nach dem Krieg vorweisen konnte: das Ende des Raketenbeschusses seines Territoriums. Sollte dem Gaza-Streifen noch länger die Luft zum Leben abgedrückt werden, wachse die Gefahr, dass die Hamas ihre Taktik bald ändere, warnen Beobachter in Gaza. Dann könnten wieder Kassam-Raketen fliegen - und das Leben der Kibbuzniks an der Grenze zum Gaza-Streifen wie vor dem Krieg unerträglich machen.
Die Tunnel sind zur Nabelschnur des Gaza-Streifens geworden
Die Hamas macht keinen Hehl daraus, dass sie sich auf eine erneute Schlacht mit Israel vorbereitet. Im September verkündete der im Exil lebende Hamas-Chef Khaled Meschal, die Hamas nutze die Atempause, um aufzurüsten. "Brüder in Palästina, trotz der Blockade und der geschlossenen Grenzen kaufen und produzieren wir Waffen, schmuggeln wir Waffen", sagte Meschal bei einem Besuch in Sudan.
Die große Frage ist, mit welcher Art von Waffen die Hamas in den vergangenen zwölf Monaten ihre Arsenale aufgestockt hat. Bislang war der Konflikt ein extremes Beispiel für einen asymmetrischen Krieg: Auf der einen Seite der jüdische Staat mit einen gut ausgebildeten und hochgerüsteten Streitkräften. Auf der anderen Seite eine Guerilla-Truppe, die allein mit Panzerfäusten, selbstgebauten Raketen und Sprengsätzen sowie Sturmgewehren in den Krieg zog.
Nach Angaben israelischer Militärs hat die Hamas jetzt nachgerüstet: Danach sollen die Islamisten heute im Besitz von Raketen sein, die 60 bis 80 Kilometer weit fliegen. Damit läge bei einer erneuten Eskalation auch Tel Aviv im Radius der Hamas-Raketen. "Unsere Feinde haben ihre Fähigkeiten bedeutend verbessert, Israel präzise und über einen langen Zeitraum unter Beschuss zu nehmen", berichtet Brigade-General Aviv Kochavi, Chef des Operationsstabs der israelischen Armee.
Die Herkunft der neuen Geschosse ist unklar. Israel geht davon aus, dass Iran, das die Hamas seit geraumer Zeit unterstützt, die Raketen entweder selbst geliefert oder zumindest ihren Einkauf auf dem internationalen Schwarzmarkt finanziert hat.
Die Waffen gelangen von Ägypten durch Tunnel in den Gaza-Streifen. Der Schmuggel unter der Grenze des Gaza-Streifens hindurch floriert. Etwa 150 von einst 3000 Schächten sollen die Bombardierungen während des Gaza-Krieges unbeschadet überstanden haben, Hunderte sollen seitdem neu gegraben worden sein. Durch die israelische Blockade sind die Tunnel zur Nabelschnur des Gaza-Streifens geworden. Durch sie wird der Küstenstreifen mit Lebensmitteln, Gebrauchsgütern versorgt - und eben mit Waffen.
Ein nächster Waffengang steht an
Für Kairo, das den Schmuggel unter seiner Grenze hindurch verhindern soll, ist die Doppelnutzung für friedliche und kriegerische Zwecke ein zentrales Problem. Um in der arabischen Welt nicht als Verräter dazustehen, der den Palästinensern im Gaza-Streifen lebensnotwendigen Nachschub vorenthält, zögerte Ägypten lange, dem unterirdischen Warenverkehr Einhalt zu gebieten.
Vergangenen Woche wurde bekannt, dass Ägypten nun damit begonnen hat, eine Stahlbarriere im Erdreich zu versenken. Die bis zu zehn Kilometer lange und bis 30 Meter tief reichende Konstruktion soll den Bau und Betrieb von Tunneln verhindern. Die Hamas, die befürchten muss, dass ihre Möglichkeit, ihre Waffenarsenale immer wieder aufzustocken, dadurch massiv beeinträchtigt wird, protestiert vehement gegen die ägyptische Maßnahme.
"Hamas sieht den andauernden Mauerbau als nicht gerechtfertigt an. Er wird dem palästinensischen Volk eine Katastrophe bescheren", sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Gaza-Streifen. Am Montag hatten 500 Hamas-Anhänger an der Grenze gegen die Stahlbarriere demonstriert. Vergangene Woche hatte ein Heckenschütze auf den Fahrer eines ägyptischen Bulldozers geschossen.
Die Gefahr, dass es pünktlich zum Jahrestag des Krieges zu einem erneuten Aufflammen der Gewalt kommen könnte, ist minimal: Beiden Seiten ist daran gelegen, den derzeit verhandelten Gefangenenaustausch, der vermutlich in den kommenden Wochen stattfinden wird, nicht zu gefährden. "Sowohl Hamas als auch Israel haben ein Interesse, den gegenwärtigen Zustand beizubehalten. Israel will ein wenig politische Stabilität, die Hamas muss sich für den nächsten Krieg rüsten", sagt David Hartwell, Nahost-Experte bei dem Londoner Think-Tank "Jane's". Trotzdem sei davon auszugehen, dass ein nächster Waffengang anstehe: "Beide Seiten erwarten einen Konflikt. Deshalb wird er kommen."
Mit Material von AFP
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Nethanjahu ist verantwortlich a) für den fortgsetzten Bau Bau illegaler Siedlungen in Ostjerusalem und der Westbank b) für fortgesetzte extralegale Tötungen c) für die fortgesetzte menschenverachtende Blockade des [...] mehr...
Mit der jetzigen politischen Führung um Netanjahu und dem rechts-konservativen Liebermann ist in der Tat ein neuer Waffengang im Gaza-Streifen möglich. Nach 2 vergeblichen und vom Spiegel zensierten Versuchen,gebe ich abermals [...] mehr...
Was meinen Sie mit Horrorfalschmeldungen? Die Regale sind ausreichend gefüllt, jedenfalls verhungert in Gaza keiner. Und warum sollte Israel Leuten spenden deren sehnlichster Wunsch es ist möglichst viele Israelis umzubringen? [...] mehr...
Teilnehmer "solarfighter" hat hier gar nichts einseitig dargestellt, sondern ganz simpel die Fakten genannt, ohne z.B. das Beharren der Palästinenser und Araber irgend wie zu bewerten. Es ist nun mal so: die [...] mehr...
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