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29.02.2000
 

Memoiren veröffentlicht

Eichmann will nur ein Rädchen gewesen sein

Israel hat die Memoiren des 1962 hingerichteten Nazi-Verbrechers Adolf Eichmann veröffentlicht - trotz Bedenken, das Schriftstück könnte von Neonazis missbraucht werden. Eichmann behauptet in seinen Aufzeichnungen, nur als Befehlsempfänger gehandelt zu haben.

Adolf Eichmann
AP

Adolf Eichmann

Jerusalem - Das israelische Staatsarchiv veröffentlichte die Tagebücher am Dienstagmorgen, nachdem ein Exemplar der 1300 Seiten umfassenden Memoiren bereits an die amerikanische Wissenschaftlerin Deborah Lipstadt gesandt wurde. Disketten mit dem Text wurden kostenlos verteilt. In dem Manuskript, dem er den Titel "Götzen" gab, bezeichnet Eichmann den Holocaust als größtes Verbrechen in der Menschheitsgeschichte, beschreibt sich selbst aber als kleines Rädchen im Getriebe der Todesmaschine und als Befehlsempfänger.

Lipstadt müsse sich gegen die Klage eines Holocaust-Revisionisten verteidigen, hatte das Justizministerium erklärt. Gemeint war damit die Verleumdungsklage des britischen Schriftstellers David Irving gegen Lipstadt. Irving wirft ihr vor, sie habe in einem Buch behauptet, er leugne den Holocaust. Irving bestreitet die Morde an den Juden nach eigenen Angaben nicht, bezweifelt aber die Zahl der Toten.

Ursprünglich hatte Israel eine wissenschaftliche Ausgabe mit Kommentaren und Erläuterungen zu den im Gefängnis geschriebenen Memoiren geplant. Historiker hatten aber eine unkommentierte Ausgabe gefordert. Kritiker befürchten, die Aufzeichnungen Eichmanns, in der dieser sich als mittlerer Beamter darstellt, der lediglich Befehle ausgeführt habe, könnten von Neonazis missbraucht werden, die den Völkermord an den Juden leugnen. Nach Erkenntnissen von Historikern spielte Eichmann allerdings eine Schlüsselrolle beim Völkermord an sechs Millionen europäischen Juden.

Holocaust-Experten in Israel messen dem Dokument keinen historischen Wert zu, da Eichmann die Ereignisse verzerrt dargestellt habe, um seine eigene Rolle herunterzuspielen. Der Leiter des Holocaust-Forschungszentrums der Gedenkstätte Jad Vaschem, Jehuda Bauer, erklärte, Eichmann habe seine israelischen Richter mit den Memoiren milder stimmen wollen. In einem fünf Jahre vor Prozessbeginn gegebenen Interview habe Eichmann, damals noch als freier Mann, bedauert, nicht härter gegen die Juden vorgegangen zu sein. Die Gründung des Staates Israel habe er damals als Katastrophe bezeichnet. In den nun veröffentlichten Memoiren schreibt Eichmann, er sei nie Antisemit gewesen. Er sei wie viele andere in eine ausweglose Situation geraten. Die damaligen Ereignisse beurteile er auf Grund des zeitlichen Abstandes nun anders.

Der SS-Obersturmbannführer war im Reichssicherheitshauptamt im Zweiten Weltkrieg für den Transport von Juden aus den besetzten Gebieten in die Vernichtungslager zuständig. Nach Kriegsende floh er aus einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager und tauchte in Argentinien unter. 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst Mossad aus Buenos Aires entführt und ein Jahr später in Israel vor Gericht gestellt. Nach seiner Verurteilung zum Tode wurde er am 31. Mai 1962 hingerichtet.

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