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29.12.2009
 

Anschläge von al-Qaida

Jemen ruft Westen zur Hilfe

Qaida-Kämpfer im Jemen: "Wir müssen gegen Terrorismus zusammenarbeiten"Zur Großansicht

Qaida-Kämpfer im Jemen: "Wir müssen gegen Terrorismus zusammenarbeiten"

Bis zu 300 Qaida-Kämpfer sollen sich im Jemen aufhalten. Um die Extremisten effektiver bekämpfen zu können, fordert die Regierung jetzt mehr Unterstützung von westlichen Ländern. Weitere Anschläge könnten durch den Austausch von Geheimdienstinformationen verhindert werden.

Sanaa - Gewalt zwischen Stämmen, Bombenanschläge, Entführungen, Militäraktionen: Teile des Jemen gelten als gefährliches Terrain. Laut westlichen Geheimdiensten sickern Terroristen des Netzwerks al-Qaida aus Saudi-Arabien in das Nachbarland ein. Bis zu 300 Qaida-Kämpfer haben nach Einschätzung des Außenministers Abu Bakr al-Kirbi bereits Unterschlupf im Jemen gefunden. Auch Anführer der Organisation sollen sich dort aufhalten.

"Wir sind uns dieser Gefahr bewusst", sagte al-Kirbi an diesem Dienstag dem BBC-Hörfunk. Die Extremisten planten möglicherweise weitere Attentate, ähnlich dem vereitelten Anschlag auf ein US-Verkehrsflugzeug am ersten Weihnachtsfeiertag. Genaue Angaben über die Qaida-Kämpfer in seinem Land könne er aber nicht machen. "Es können Hunderte sein, 200, 300. Belastbare Zahlen habe ich nicht", sagte der Minister.

Immer wieder haben Kämpfer der al-Qaida im Jemen zu Attacken auf westliche Flugzeuge aufgerufen. Die USA unterstützen die Zentralregierung in Sanaa bereits massiv - was den Hass der Dschihadisten nur anfeuert. Mutmaßliche Qaida-Lager im Jemen wurden in den vergangenen Wochen mit Cruise-Missiles-Raketen beschossen.

Nun ist die Rolle von al-Qaida im Jemen stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. Nach dem Beinahe-Anschlag auf die Maschine der Fluggesellschaft Northwest Airlines hat sich die Terrororganisation im Internet dazu bekannt. Den Attentäter Umar Faruk Abdulmutallab erklärten die Extremisten zum Helden. Nach eigener Aussage bereitete sich Abdulmutallab im Jemen auf den Angriff vor.

Die jemenitischen Sicherheitsorgane hatten laut eigenen Angaben von den mutmaßlichen Terrorkontakten des Mannes keine Kenntnis. "Der Jemen hat über diese Person keine Informationen erhalten, und sie stand auch auf keiner der Terrorlisten, die den jemenitischen Behörden übermittelt wurden", sagte der jemenitische Informationsminister Hassan al-Lausi am Dienstag in Sanaa. Die USA hätten vor dem Nigerianer warnen und darüber aufklären sollen, dass dieser auf einer Liste verdächtiger Personen gestanden habe. Dies habe Washington versäumt.

Jemen fordert "fairen Austausch von Informationen"

Der Außenminister Jemens forderte in der BBC einen fairen Austausch von Geheimdienstinformationen. Sein Land benötige internationale Hilfe bei der Ausbildung und der Ausrüstung von Anti-Terror-Einheiten. Bislang sei die Unterstützung unzureichend.

Gerade die USA, Großbritannien und die Europäische Union könnten sehr viel dazu beitragen, dass Militante im Jemen bekämpft würden. "Wir müssen gegen Terrorismus zusammenarbeiten, um das Problem unter Kontrolle zu kriegen", sagte er. Es gebe viele weitere Menschen, die wie Abdulmutallab bereit seien, Anschläge zu verüben.

Von der Londoner Luxuswohnung zu al-Qaida

Laut jemenitischen Behörden hatte Abdulmutallab ein Visum für das Land erhalten, nachdem bereits eine Reihe anderer Staaten ihm den Aufenthalt erlaubt hatten. Hätte er auf einer der US-Terrorlisten gestanden, "hätte er nicht ins Land einreisen können". 2005 bis 2008 lebte Abdulmutallab in einer Luxuswohnung in London und studierte am renommierten University College Maschinenbau. Außerdem stellte ihm die amerikanische Botschaft in Großbritannien ein Visum für die USA aus.

Im Jemen hielt sich Abdulmutallab von Anfang August bis Anfang Dezember 2009 auf, um Arabisch zu lernen. Zum gleichen Zweck soll er im Jahr 2005 schon einmal in der Hauptstadt Sanaa gewesen sein. Diesmal allerdings ging es um mehr als nur einen Sprachkurs, wie Abdulmutallab selbst in den ersten Verhören behauptete: Angeblich nahm er Kontakt zu Qaida-Leuten auf und bastelte den Sprengsatz, mit dem er das Flugzeug in die Luft jagen wollte. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge hätte eine Explosion des Sprengstoffes Nitropenta (PETN) verheerende Folgen haben und ein Loch in das Flugzeug reißen können, meldete die Zeitung unter Berufung auf Ermittlerkreise.

kgp/AFP/Reuters

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