• Drucken
  • Senden
  • Feedback
30.12.2009
 

Atomstreit

Washington will Irans Regime gezielt bestrafen

Im Atomstreit mit Iran verstärkt die US-Regierung ihren Druck. Laut einem Bericht der "Washington Post" erwägt das Weiße Haus, bestimmte Mitglieder des Regimes mit Sanktionen zu belegen. So soll Teheran an den Verhandlungstisch gezwungen werden.

Washington - Angesichts der starren Haltung Irans im Streit über sein Atomprogramm erwägen die USA einem Zeitungsbericht zufolge gezielte Sanktionen gegen Mitglieder der Regierung in Teheran. Wie die "Washington Post" am Mittwoch unter Berufung auf ranghohe Regierungsvertreter berichtete, könnten vor allem die iranischen Revolutionsgarden ins Visier geraten.

Insidern zufolge werden Reise- und sonstige Beschränkungen für "Einzelpersonen und Institutionen mit engen Verbindungen zur Führung der Islamischen Republik und zu den Revolutionswächtern" erwogen.

Dem Bericht zufolge sollen die Sanktionen, mit denen sich offenbar der Uno-Sicherheitsrat beschäftigen soll, Teheran zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bewegen. Die US-Regierung hatte Iran eine Frist bis Jahresende gesetzt, um wieder in Verhandlungen mit dem Westen über das umstrittene Atomprogramm zu treten.

Sanktionen gegen die Ölindustrie, wie sie von immer mehr US-Kongressabgeordneten gefordert werden, dürften der Zeitung zufolge sowohl im Uno-Sicherheitsrat als auch bei den Europäern hingegen auf Skepsis stoßen. "Es geht nicht darum, den Iran wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Es geht darum, das Atomwaffenprogramm zu stoppen", sagte ein westlicher Diplomat. Sanktionen gegen die gesamte iranische Wirtschaft würden lediglich die iranische Paranoia gegenüber dem Westen befeuern, fügte er hinzu.

Blutige Proteste in Teheran

"Wir waren nie sonderlich begeistert von der Idee, die ganze Welt dazu zu bringen, ihre wirtschaftlichen Beziehungen mit Iran abzubrechen", sagte ein anderer Regierungsvertreter der Zeitung. Sanktionen seien keine Alternative zu einem wahren Engagement in dem Konflikt, sagte ein anderer, "unsere Absicht ist es, die Tür offenzuhalten".

Die Ankündigung dürfte den Ton zwischen Teheran und Washington im Atomstreit und nach der blutigen Niederschlagung der jüngsten Oppositionsproteste weiter verschärfen. Nach den Ausschreitungen am Wochenende hatte US-Präsident Barack Obama von seinem Weihnachtsurlaubsort auf Hawaii aus das Verhalten der iranischen Regierung scharf verurteilt.

Laut "Washington Post" stehen die angedachten Sanktionen aber nicht im Zusammenhang mit den Protesten. Es sei Zufall, dass das Ende der von Washington gesetzten Frist im Atomstreit und die Proteste zeitlich zusammenfielen.

500 Menschen festgenommen

Bei neuen Demonstrationen in Teheran waren in den vergangenen Tagen nach Angaben der Opposition mindestens acht Menschen getötet worden, darunter ein Neffe des Oppositionsführers Hossein Mussawi. Offiziellen Angaben zufolge wurden etwa 500 Menschen wurden festgenommen. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte den USA und Israel vorgeworfen, den Protest gegen die Regierung inszeniert zu haben.

Drei Tage nach der blutigen Zerschlagung der Proteste strahlte der US-Nachrichtensender CNN am Mittwoch ein Video aus, das die Brutalität der Polizei zeigen soll. Auf dem verwackelten Video ist zu sehen, wie ein grünweißer Pick-up-Wagen der Polizei in eine Menge hinrast und unter dem Schreien der Menschen einen Demonstranten überfährt.

Die Bilder, die im Internet verbreitet wurden, sollen am Sonntag aufgenommen worden sein. Der Sender verwies darauf, dass die Echtheit der Aufnahmen nicht zu überprüfen sei.

amz/AFP/Reuters/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 717 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.01.2010 von Hallo Pinoccio:

Meinen Sie wirklich, dass eine iranische Bombe kein Problem mehr wäre, gäbe es eine andere Regierung? SAgen wir unter Moussawi oder wem auch immer? Ich schätze, unter welcher Regierung auch immer - eine iranische Bombe könnte [...] mehr...

12.01.2010 von Hallo Pinoccio:

Kein Land, kein Volk hat so eine Führung verdient. Ich glaube, dass vielen, die bislang eher unpolitisch waren in jüngster Zeit mehr oder weniger gewaltsam die Augen geöffnet wurden. Man kennt das ja, solange es einem selbst [...] mehr...

12.01.2010 von sayada.b.:

Ja, klar! "Wären selbst die Chinesen..." heißt ja auch nicht, daß sie es sind - nicht wahr?! ;-) Klar denken die nur an sich, anders sind die Russen da wohl ebenfalls nicht einzuschätzen, leider! Aber so lange [...] mehr...

12.01.2010 von sayada.b.:

Ja, schrieb ich was anderes? "Wären selbst die Chinesen..." heißt ja nicht, daß sie es sind - nicht wahr;-) Klar denken die nur an sich, anders sind die Russen da wohl ebenfalls nicht einzuschätzen, leider! Aber so [...] mehr...

12.01.2010 von sayada.b.:

Ja, schrieb ich was anderes??? "Wären selbst die Chinesen..." heißt ja nicht, daß sie es sind - nicht wahr;-) Klar denken die nur an sich, anders sind die Russen da wohl ebenfalls nicht einzuschätzen, leider! Aber [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Iranisches Atomprogramm

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Irans Atomprogramm

Streit

AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen

Geschichte

Sanktionen

Nahost

Personen

Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung

Republik Iran

Land

REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

Politik

Leute

Wirtschaft

Menschenrechte


Chronik

Aufstieg von Mohammed Resa

AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.

Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution

Phase der Islamisierung

Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad





TOP



TOP