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30.12.2009
 

Reaktion auf Terrorbedrohung

US-Militär späht Angriffsziele im Jemen aus

Der Jemen rückt ins Zentrum des Anti-Terror-Kampfes. Laut einem CNN-Bericht kundschaftet das US-Militär gemeinsam mit jemenitischen Behörden Stellungen von al-Qaida aus, um sie zu bombardieren. Internetpostings enthüllen immer mehr Details über den verhinderten Attentäter von Detroit.


Washington - Sollte US-Präsident Barack Obama einen Angriff auf Stellungen des Terrornetzwerks al-Qaida im Jemen erteilen, will das Pentagon nicht unvorbereitet sein. Das US-Militär prüft einem Bericht des US-Senders CNN zufolge in Zusammenarbeit mit jemenitischen Behörden mögliche Angriffsziele in dem Land. Man wolle Optionen vorlegen können, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Regierungsbeamte.

Die Terrorgruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel hatte sich zu dem vereitelten Angriff auf ein US-Passagierflugzeug am Weihnachtstag bekannt und angegeben, den Attentäter im Jemen mit dem Sprengstoff ausgerüstet und instruiert zu haben.

Dem CNN-Bericht zufolge sucht das US-Militär im Jemen nun nach Zielen, die in Verbindung mit den Terrorplänen auf das Passagierflugzeug stehen. Es existiere ein Geheimabkommen, dass es den USA im Ernstfall erlaube, Cruise Missiles, Kampfjets oder unbemannte Drohnen gegen bestimmte Ziele im Jemen einzusetzen. Die amerikanische Regierung vermute Hunderte Qaida-Kämpfer in dem arabischen Land.

Offiziell erwäge die US-Regierung zwar keine Luftschläge im Jemen, heißt es in dem CNN-Bericht weiter. Intern sei es jedoch klar, dass das jemenitische Militär den Kampf gegen die al-Qaida-Zellen im eigenen Land nicht alleine führen könne. Am Dienstag hatte der Außenminister des Jemen, Abu Bakr al-Kirbi, um internationale Hilfe bei der Ausbildung und der Ausrüstung von Anti-Terror-Einheiten gebeten.

Jemenitische Sicherheitskräfte und mutmaßliche Qaida-Kämpfer lieferten sich am Mittwoch im Westen des Jemen Gefechte. Die Sicherheitskräfte wollten Qaida-Anhänger in der Region Deir Dschaber nördlich der Stadt Badschil festnehmen, wie ein jemenitischer Verantwortlicher sagte, der nicht genannt werden wollte. Bei den Kämpfen seien mehrere Extremisten verletzt worden. Zu möglichen Festnahmen wurden keine Angaben gemacht.

CIA war vorgewarnt

Die "New York Times" berichtete, dass die US-Regierung bereits vor Weihnachten über Hinweise aus dem Jemen verfügte, die in Zusammenhang mit der vereitelten Attacke auf ein Flugzeug der Northwest Airlines stehen. Der Nachrichtensender CNN berichtete zudem, dass der Vater des nigerianischen Attentäters Umar Farouk Abdulmutallab bereits vor Wochen den US-Geheimdienst CIA vor der Radikalisierung seines Sohnes gewarnt hatte.

US-Präsident Obama hatte am Dienstag in einer Audiobotschaft von seinem Urlaubsort auf Hawaii "potentiell katastrophale" Sicherheitsmängel bei dem vereitelten Flugzeuganschlag von Detroit eingeräumt. Die Sicherheitsbehörden hätten klare Warnungen übersehen, sagte der Präsident.

Die britischen Zeitungen "Guardian" und "Times" berichten, dass Abdulmutallab schon lange vor seinem versuchten Anschlag vom "Heiligen Krieg" phantasierte. Beiträge für ein islamisches Internetforum zeigten, wie er sich von einem einsamen jugendlichen Fußballfan in einen fanatischen Extremisten wandelte. Wired.com berichtet von 310 Einträgen, die Abdulmutallab unter dem Nickname "Farouk1986" im Islam-Forum Gawaher.com hinterlassen haben soll. Dschihadismus-Experte Evan Kohlmann hat alle Foreneinträge zu einem Download zusammengefasst (ZIP-Archiv, 1,7 MB).

Die sind vor allem das Zeugnis eines verzweifelten Mannes, der seine "extreme Einsamkeit" beklagte, sich selbst als schüchtern und ruhig bezeichnete. "Selbst im Internet fühl ich mich nicht wohl, wenn ich einen Eintrag online stelle, da das etwas über mich aussagt," schrieb Abdulmutallab im Mai 2005. "Manchmal sind Menschen so gemein."


In früheren Einträgen erschien Abdulmutallab noch als recht normaler Jugendlicher, der Fußball liebt und die Mannschaft von Liverpool unterstützt. Auch damals beklagte er aber schon seine Einsamkeit: "Ich befinde mich in einer Situation, in der ich keinen Freund habe. Ich kann mit niemandem sprechen, mich mit niemandem beraten, keiner unterstützt mich, und ich bin deprimiert und einsam. Ich weiß nicht, was ich machen soll", schrieb er demnach, als er noch in Togo zur Schule ging.

Nachdem er sein Maschinenbau-Studium in London begann, wurden die Ansichten des heute 23-Jährigen offensichtlich radikaler: "Lasst uns unsere Ehre und Religion retten, lasst uns auf Fußball verzichten und Sportarten treiben, die dem Islam förderlich sind." Abdulmutallab ließ sich über seine Phantasiewelt aus: "Ich stell mir vor, wie der große Dschihad stattfindet, wie die Muslime - groß ist Allah - siegen und die Welt beherrschen werden und wieder einmal das größte Reich errichten!!!"

Zudem kritisierte er das Hören von Musik und warf seinen Eltern vor, Fleisch zu essen, das nicht von Muslimen geschlachtet wurde. In anderen Interneteinträgen schrieb er über den Kampf mit seinen sexuellen Wünschen. "Wenn ich einsam bin, erwacht der natürliche sexuelle Trieb, und ich ringe darum, ihn zu kontrollieren."

Der "Daily Telegraph" berichtet, dass Abdulmutallab während seines Studiums in London zwischen 2005 und 2008 Kontakt zu einem muslimischen Extremisten hatte, der unter Beobachtung des britischen Geheimdienstes stand. Der Nigerianer selbst sei aber nicht beobachtet worden. Bislang waren die Behörden davon ausgegangen, dass der Geheimdienst erst auf Abdulmutallab aufmerksam geworden war, als ihm wegen falscher Angaben ein neuerliches Studentenvisum für Großbritannien verweigert worden war.

Wie die "Times" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, könnte der Nigerianer während seines Studiums vom Terrornetzwerk al-Qaida angeworben worden sein.

amz/hen/Reuters/dpa/AFP

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In der Antike war das Gebiet des heutigen Staates unter dem Namen "Arabia felix", das glückliche Arabien, bekannt. Hier nahm einst die "Weihrauchstraße" zum Mittelmeer ihren Anfang. Doch heute ist der Jemen am südwestlichen Zipfel der Arabischen Halbinsel eines der ärmsten Länder der Welt und das ärmste Land im Nahen Osten.

Nord- und Südjemen, die unterschiedliche politische und gesellschaftliche Wege zurückgelegt hatten, fanden 1990 zur staatlichen Einheit. Die Hauptstadt ist Sanaa. Mit knapp 528.000 Quadratkilometern ist das Land deutlich größer als Deutschland mit 357.000 Quadratkilometern. Wüstenregionen prägen die Landschaft.

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