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03.01.2010
 

Mordversuch an dänischem Zeichner

Attentäter soll Anschlag auf Clinton geplant haben

Hätte der Angriff auf den dänischen Karikaturisten verhindert werden können? Laut der Zeitung "Politiken" wurde der Attentäter bereits vor Monaten in Kenia vorübergehend festgenommen - weil er mit Anschlagsplänen gegen US-Außenministerin Clinton in Verbindung gebracht wurde.


Kopenhagen - Der Somalier, der den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard angegriffen hat, ist vor einigen Monaten bereits in Kenia festgenommen worden. Der Zeitung "Politiken" zufolge war der Grund ein schrecklicher Verdacht: Der Mann soll mit Anschlagsplänen gegen US-Außenministerin Hillary Clinton in Verbindung gebracht worden sein. Aus Mangel an Beweisen sei er im September jedoch wieder freigekommen, meldet das Blatt unter Berufung auf nicht genannte Quellen.

Der dänische Botschafter in Kenia, Bo Jensen, wies die Darstellung zurück und versicherte, der Somalier habe lediglich Probleme mit seinen Reisedokumenten gehabt und sei deshalb festgehalten worden.

Der 28-Jährige war am Freitagabend in Westergaards Haus eingedrungen. Er bedrohte den 74-Jährigen Karikaturisten mit Axt und Messer und brüllte lauthals "Blut" und "Rache". Westergaard, der unter ständigem Polizeischutz steht, konnte in letzter Sekunde Alarm schlagen und sich gerade noch rechtzeitig mit seiner fünfjährigen Enkelin im Badezimmer einschließen.

Der Angreifer muss sich nun wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Einen Komplizen hatte er offenbar nicht. "Alles deutet darauf hin, dass er alleine handelte und vielleicht einem plötzlichen Impuls folgte", sagte der dänische Geheimdienstchef Jakob Scharf laut der Nachrichtenagentur Ritzau am Samstag.

Harte Strafe gefordert

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat eine harte Bestrafung des Angriffs gefordert. "Die Meinungsfreiheit muss gegen die Vertreter von Minderheitenmeinungen verteidigt werden, die mit Waffen versuchen, Terror und Schweigen zu verbreiten", erklärte die Vereinigung am Wochenende. "Einige Muslime haben die Bilder Westergaards möglicherweise schockiert, doch es gibt für solche Gewalt und Intoleranz keine Rechtfertigung."

Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte im September 2005 Mohammed-Karikaturen von Westergaard gedruckt, die zu wütenden, weltweiten Protesten mit mehr als 100 Todesopfern führten. Unter anderem wurde der Prophet mit einer Bombe in seinem Turban abgebildet. Viele Muslime empfinden jegliche Abbildung des Religionsstifters als Beleidigung.

Nach jüngsten Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hatte die Tat des 28-jährigen Somaliers einen terroristischen Hintergrund. Auch wenn es so ausgesehen haben mag, als habe er allein gehandelt, habe der Attentäter Verbindungen zu den radikal-islamischen Schabab-Milizen und zur Führung des Terrornetzwerkes al-Qaida in Ostafrika gehabt. Geheimdienstchef Jakob Scharf stufte den Vorfall als "sehr schwerwiegend" ein.

Wie zur Bekräftigung veröffentlichte die Schabab-Miliz in Somalia eine Stellungnahme: Man begrüße den Anschlagsversuch auf Kurt Westergaard, sagte ein Sprecher in Mogadischu. Ein "somalischer Junge" habe "den Teufel angegriffen, der den Propheten Mohammed beleidigt hat". Al-Qaida-Chef Osama bin Laden hatte bereits 2008 angekündigt, Europa werde für die Karikatur bestraft werden.

Weitere Anschläge befürchtet

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat sich der Angriff auf Westergaard folgendermaßen abgespielt:

  • Am Freitagabend gegen 22 Uhr war der Täter in das Haus des 74-jährigen Westergaard in der Nähe von Århus eingedrungen, indem er eine Glasscheibe der Haustür zerschlug.
  • Doch dem Zeichner und seiner fünfjährigen Enkeltochter gelang es, vor dem Angreifer in das zum Sicherheitsraum ausgebaute Badezimmer zu flüchten und von dort die Polizei zu verständigen.
  • Der Eindringling habe vergeblich versucht, mit Gewalt in diesen Raum vorzudringen und die Tür zum Bad einzuschlagen. Dabei habe er in gebrochenem Dänisch "Rache" und "Blut" geschrien.
  • Mehrere Polizeieinheiten rasten zum Tatort, wo sie nur wenige Minuten später eintrafen.
  • Die Beamten stellten den Angreifer, er warf seine Axt auf die Beamten und ging mit dem Messer auf sie los.
  • Die Polizisten eröffneten das Feuer und setzten den Somalier außer Gefecht. Er wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich durch Schüsse in die rechte Hand und den linken Oberschenkel verletzt.

Westergaard und seine Enkeltochter wurden noch in der Nacht an einen sicheren Ort gebracht. Beide waren bei der Attacke unverletzt geblieben, fühlten sich danach jedoch "sehr erschüttert", wie es der Karikaturist in einem ersten Bericht an seine Zeitung "Jyllands-Posten" formulierte. Es sei ein fürchterliches Erlebnis gewesen für seine Enkeltochter, aber sie habe es gut überstanden. Das Wichtigste sei gewesen, dass er den Reflex gehabt habe, sich sofort in Sicherheit zu bringen. "Es war sehr knapp", sagte Westergaard. "Wirklich knapp, aber wir haben es geschafft."

Nach dem versuchten Mordanschlag rechnet die Regierung in Kopenhagen mit weiteren Angriffen von Islamisten. "Die Terrordrohungen werden nicht aufhören, solange es das Netzwerk al-Qaida gibt", sagte Außenminister Per Stig Møller der Zeitung "Berlingske Tidende". Dänemark werde vermutlich noch lange mit der Terrorgefahr leben müssen.

Westergaards Sicherheitslage war heikel

Seit der Publikation der Mohammed-Karikaturen in der "Jyllands-Posten" 2005 erhielt der Zeichner mehrfach Todesdrohungen und lebte unter Polizeischutz. Westergaards Sicherheitslage war zweitweise so heikel, dass die Behörden zu besonderen Maßnahmen griffen: Auf der Geburtstagsfeier für seine Frau servierte als Kellner ein Sicherheitsbeamter den 50 Gästen das Essen, zwei Polizisten lauerten im Schuppen des Hauses. Im Februar 2008 machte der dänische Polizeigeheimdienst PET ein angebliches Mordkomplott gegen Westergaard öffentlich: Drei Männer in seiner Heimatstadt Århus, zwei tunesische Zuwanderer und ein Däne marokkanischer Herkunft, wurden festgenommen. Ein Dutzend dänischer Zeitungen druckte daraufhin aus Solidarität Westergaards Karikatur nach, jene Zeichnung, die Mohammed mit einer Bombe und brennender Zündschnur im Turban zeigt. Und wieder gab es weltweit Proteste, wurden Autos und dänische Flaggen angezündet.

Zwei Tage nach der Veröffentlichung der Geheimdienstinformationen beendete Westergaard sein Versteckspiel mit den ständig wechselnden Unterkünften. "Ich bin zu alt und zu starrköpfig, um mich noch zu beugen", sagte er im dänischen Fernsehen.

ase/AFP/dpa/Reuters

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20.01.2010 von Cedric Noles: Broder

Nun, etwa 200 Beiträge nach Broders neuestem Artikel "Lebenslänglich" zum Anschlag auf den Karikaturisten. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,672724,00.html Könnte mal ein Vertreter der Kampfbegriffe [...] mehr...

20.01.2010 von cusovier: Ich würde gerne die Sharia-Beistände in GB diskutieren

Hallo, hat da jemand genauere Informationen bzw., was halten Sie davon? Ich war erstaunt, das es das in Europa gibt. mehr...

20.01.2010 von raznatov: hallo

Shayla hat einfach einen ungeheuren Hass gegen Muslime. Alle Muslime werden dabei über einen Kamm gescheert. Versuchen sie erst gar nicht ein Gespräch mit ihr anzufangen. mehr...

19.01.2010 von Geistesakrobat: Dschabir, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:

Wieso simplifizieren wir nicht diese Diskussion, indem wir Fakten auf den Tisch legen? Die Diskussion hier im Raume ist mir zu ideologisch vorbelastet. Es geht doch unter anderem um die Frage, weshalb eine Person durch eine [...] mehr...

19.01.2010 von fritzschultz7ink:

Im deutschen Grundgesetz steht nichts von self fulfilling prophecies. Da steht nur zu Ihrem Bedauern (ebenso wie im StGB), daß Mord verboten ist. Was sind Sie für ein Typ? Ich bin dagegen, daß Mord als hinnehmbare pittoreske [...] mehr...

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Chronologie des Karikaturenstreits

30. September 2005

Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht zwölf Karikaturen zum Islam. Einige von ihnen bringen die Religion und ihren Propheten mit dem modernen Terrorismus und mit Selbstmordanschlägen in Verbindung. So zeigt eine von Kurt Westergaard angefertigte Zeichnung Mohammed mit einer Bombe in Form eines Turbans auf dem Kopf. Die muslimische Welt reagiert empört sowohl auf die Verbindung ihrer Religion mit dem Terrorismus als auch auf die Verbildlichung Mohammeds, die für viele Muslime eine Beleidigung des Propheten darstellt.

Oktober bis November 2005

Januar 2006

Februar 2006

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