Der dänische Botschafter in Kenia, Bo Jensen, wies die Darstellung zurück und versicherte, der Somalier habe lediglich Probleme mit seinen Reisedokumenten gehabt und sei deshalb festgehalten worden.
Der 28-Jährige war am Freitagabend in Westergaards Haus eingedrungen. Er bedrohte den 74-Jährigen Karikaturisten mit Axt und Messer und brüllte lauthals "Blut" und "Rache". Westergaard, der unter ständigem Polizeischutz steht, konnte in letzter Sekunde Alarm schlagen und sich gerade noch rechtzeitig mit seiner fünfjährigen Enkelin im Badezimmer einschließen.
Der Angreifer muss sich nun wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Einen Komplizen hatte er offenbar nicht. "Alles deutet darauf hin, dass er alleine handelte und vielleicht einem plötzlichen Impuls folgte", sagte der dänische Geheimdienstchef Jakob Scharf laut der Nachrichtenagentur Ritzau am Samstag.
Harte Strafe gefordert
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat eine harte Bestrafung des Angriffs gefordert. "Die Meinungsfreiheit muss gegen die Vertreter von Minderheitenmeinungen verteidigt werden, die mit Waffen versuchen, Terror und Schweigen zu verbreiten", erklärte die Vereinigung am Wochenende. "Einige Muslime haben die Bilder Westergaards möglicherweise schockiert, doch es gibt für solche Gewalt und Intoleranz keine Rechtfertigung."
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte im September 2005 Mohammed-Karikaturen von Westergaard gedruckt, die zu wütenden, weltweiten Protesten mit mehr als 100 Todesopfern führten. Unter anderem wurde der Prophet mit einer Bombe in seinem Turban abgebildet. Viele Muslime empfinden jegliche Abbildung des Religionsstifters als Beleidigung.
Nach jüngsten Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hatte die Tat des 28-jährigen Somaliers einen terroristischen Hintergrund. Auch wenn es so ausgesehen haben mag, als habe er allein gehandelt, habe der Attentäter Verbindungen zu den radikal-islamischen Schabab-Milizen und zur Führung des Terrornetzwerkes al-Qaida in Ostafrika gehabt. Geheimdienstchef Jakob Scharf stufte den Vorfall als "sehr schwerwiegend" ein.
Wie zur Bekräftigung veröffentlichte die Schabab-Miliz in Somalia eine Stellungnahme: Man begrüße den Anschlagsversuch auf Kurt Westergaard, sagte ein Sprecher in Mogadischu. Ein "somalischer Junge" habe "den Teufel angegriffen, der den Propheten Mohammed beleidigt hat". Al-Qaida-Chef Osama bin Laden hatte bereits 2008 angekündigt, Europa werde für die Karikatur bestraft werden.
Weitere Anschläge befürchtet
Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat sich der Angriff auf Westergaard folgendermaßen abgespielt:
Westergaard und seine Enkeltochter wurden noch in der Nacht an einen sicheren Ort gebracht. Beide waren bei der Attacke unverletzt geblieben, fühlten sich danach jedoch "sehr erschüttert", wie es der Karikaturist in einem ersten Bericht an seine Zeitung "Jyllands-Posten" formulierte. Es sei ein fürchterliches Erlebnis gewesen für seine Enkeltochter, aber sie habe es gut überstanden. Das Wichtigste sei gewesen, dass er den Reflex gehabt habe, sich sofort in Sicherheit zu bringen. "Es war sehr knapp", sagte Westergaard. "Wirklich knapp, aber wir haben es geschafft."
Nach dem versuchten Mordanschlag rechnet die Regierung in Kopenhagen mit weiteren Angriffen von Islamisten. "Die Terrordrohungen werden nicht aufhören, solange es das Netzwerk al-Qaida gibt", sagte Außenminister Per Stig Møller der Zeitung "Berlingske Tidende". Dänemark werde vermutlich noch lange mit der Terrorgefahr leben müssen.
Westergaards Sicherheitslage war heikel
Seit der Publikation der Mohammed-Karikaturen in der "Jyllands-Posten" 2005 erhielt der Zeichner mehrfach Todesdrohungen und lebte unter Polizeischutz. Westergaards Sicherheitslage war zweitweise so heikel, dass die Behörden zu besonderen Maßnahmen griffen: Auf der Geburtstagsfeier für seine Frau servierte als Kellner ein Sicherheitsbeamter den 50 Gästen das Essen, zwei Polizisten lauerten im Schuppen des Hauses. Im Februar 2008 machte der dänische Polizeigeheimdienst PET ein angebliches Mordkomplott gegen Westergaard öffentlich: Drei Männer in seiner Heimatstadt Århus, zwei tunesische Zuwanderer und ein Däne marokkanischer Herkunft, wurden festgenommen. Ein Dutzend dänischer Zeitungen druckte daraufhin aus Solidarität Westergaards Karikatur nach, jene Zeichnung, die Mohammed mit einer Bombe und brennender Zündschnur im Turban zeigt. Und wieder gab es weltweit Proteste, wurden Autos und dänische Flaggen angezündet.
Zwei Tage nach der Veröffentlichung der Geheimdienstinformationen beendete Westergaard sein Versteckspiel mit den ständig wechselnden Unterkünften. "Ich bin zu alt und zu starrköpfig, um mich noch zu beugen", sagte er im dänischen Fernsehen.
ase/AFP/dpa/Reuters
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Nun, etwa 200 Beiträge nach Broders neuestem Artikel "Lebenslänglich" zum Anschlag auf den Karikaturisten. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,672724,00.html Könnte mal ein Vertreter der Kampfbegriffe [...] mehr...
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