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04.01.2010
 

Jemens Kampf gegen Islamisten

"Wir brauchen mehr Hilfe gegen die religiösen Verbrecher"

Foto: dpa

Der Jemen gilt als neue Brutstätte des islamistischen Terrors. Die USA tragen daran eine Mitschuld, behauptet Generalmajor Jahja Abdullah. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der 52-Jährige über extremistische Prediger, geschmuggelte Waffen und den Kampf gegen al-Qaida.

SPIEGEL ONLINE: Kämpfe gegen Qaida-Milizionäre im Norden und nun auch im Süden des Landes. Verbindungen des nigerianischen Attentäters, der den Northwest-Airlines-Flug 253 auf dem Weg nach Detroit in die Luft jagen wollte. Herr Generalmajor - wird der Jemen zum Sammelplatz islamistischer Terroristen?

Jahja Abdullah: Sicher nicht, dazu werden wir es nicht kommen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Was wissen Sie mittlerweile über die gefährlichen Kontakte des Nigerianers?

Abdullah: Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren. Natürlich gehen wir akribisch allen Spuren nach. Lassen wir es heute dabei bewenden. Aber Amerika hat auch Mitschuld an der Qaida-Gefahr. Washington hat doch die islamischen Kampfverbände aufgebaut, die während des Kalten Krieges die Sowjets in Afghanistan in die Knie zwingen sollten. Dann kamen die Taliban, al-Qaida und ähnliche islamisch verbrämte Gruppen, die heute gegen Amerika und gegen die zivilisierte Welt kämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Nun gibt es sie nun einmal, auch in Ihrer Heimat: Der militärische Schlagabtausch im Norden greift bereits auf Saudi-Arabien über, die Grenze ist offenbar kein Hindernis für die Militanten.

Abdullah: Im Norden sind wir weit vorangekommen.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht im zermürbenden Krieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen, aber der offenbar äußerst schlagkräftigen Terrorgruppe des Osama Bin Laden konnten Sie offenbar nicht das Rückgrat brechen.

Abdullah: Wir sollten nichts durcheinanderbringen. Die Huthi-Rebellen sind fast am Ende. Zum einen war unsere Armee sehr erfolgreich, zum anderen vertreibt die Bevölkerung die Huthis aus ihren Städten und Dörfern.

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Jemen: Kampf gegen al-Qaida

SPIEGEL ONLINE: Aber al-Qaida ist durchaus präsent, und eben nicht nur im Norden, sondern auch in Abyan im einst marxistischen Südjemen. Sie soll sogar starken Zulauf bekommen.

Abdullah: Im Norden haben sich die Qaida-Verschwörer die Kämpfe zwischen Armee und den Huthis zunutze gemacht und ergreifen selbst die Initiative. Doch sie kämpfen gegen ein Meer jemenitischer Bürger, die sie hassen. Die meisten der Militanten sind keine Jemeniten. Wir haben einige gefasst, die aus Somalia, anderen afrikanischen Ländern und selbst aus arabischen Bruderländern kamen, etwa Algerien und Libanon, wo ihnen der Boden zu heiß wurde. Al-Qaida geht es gewaltig an den Kragen. Aber diese sich fälschlicherweise "Islamverteidiger" nennenden Banditen werden von außerhalb unserer Grenzen unterstützt - mit Waffen, Geld und Propaganda.

SPIEGEL ONLINE: Spielen Sie auf Iran an? Teheran distanziert sich von al-Qaida und verwahrt sich gegen derartige Anschuldigungen.

Abdullah: Wir haben jedenfalls Schiffe in jemenitischen Hoheitsgewässern aufgebracht, deren iranische Besatzungen Waffenladungen an Bord führten. Die iranischen Medien haben eindeutig für die Rebellen Partei ergriffen und die Huthis so dargestellt, als ob sie einen eigenen Staat hätten. Waren und Helfershelfer an Land zu schmuggeln ist jetzt aber nicht mehr so einfach, weil die saudi-arabische Kriegsmarine unsere Flotte in der Sicherung unserer Rotmeerküste unterstützt.

SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich die Qaida-Aktivitäten im Süden, dem Territorium der einstigen Sozialistischen Volksrepublik?

Abdullah: Sicher kommen nicht wenige Militante aus dem nicht mehr kontrollierbaren Somalia, wo Qaida-Angehörige wahrscheinlich ohne große Probleme untertauchen. Und dann kommen sie schon mal übers Meer in den Jemen. Armut, Perspektivlosigkeit, ein verzerrtes Islambild, der Zerfall des Irak in ein konfessionell blutig gespaltenes Gebilde - alles Faktoren, die das Fortleben und die Gefahr der gewaltbereiten Islamisten erklären.

SPIEGEL ONLINE: Und wie will der Jemen verhindern, dass sich immer mehr Terroristen bei Ihnen festsetzen?

Abdullah: Unser Volk, alle Parteien und Konfessionen, auch die Opposition haben al-Qaida den Kampf angesagt. Keinen Jemeniten lässt es kalt, wenn Extremisten, wie kürzlich geschehen, eine Mädchenschule in Sanaa angreifen und dabei Schülerinnen schwer verletzt werden.

SPIEGEL ONLINE: Reicht dieser Kampf aus, um gut getarnte Zellen auszuheben und ein Erstarken der Islamisten zu verhindern?

Abdullah: Wir haben reichlich Erfahrung gesammelt und arbeiten mit unseren Nachbarn zusammen, zum Beispiel Saudi-Arabien, wo sich die Regierung seit Jahren um die Ausmerzung der Qaida-Bande bemüht. Zudem setzen wir auf modernste technische Kommunikationsmittel und auf - übrigens sehr erfolgreiche - Aufklärungskampagnen.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt im Jemen Prediger, die sich sehr gewagte Koran-Interpretationen erlauben. Kritikern zufolge haben sie schon manch jungen Mann in die Hände der Extremisten getrieben. Nicht selten fällt der Name des "rotbärtigen Scheichs" Abdul Madschid al-Sandani und seiner islamischen Universität.

Abdullah: Lassen wir Namen aus dem Spiel. Aber eins ist klar: Unser Staat wird niemandem erlauben, die Religion zu missbrauchen.

SPIEGEL ONLINE: Was soll die Welt, was sollen die Amerikaner tun? Viele Muslime fordern, dass sie aus dem Irak und Afghanistan abziehen sollen.

Abdullah: Natürlich war die Zerschlagung des irakischen Zentralstaats ein grandioser Fehler. Aber sich jetzt aus Afghanistan zurückziehen - das wäre eine Katastrophe für die ganze Welt. Denn dort wird al-Qaida weiterhin versuchen, aktiv zu bleiben. Die Berichte der Nachrichtenagenturen bestätigen das jeden Tag. Wir im Jemen brauchen mehr Unterstützung in der Bekämpfung der militanten Ultras, auf allen Ebenen. Wer dem Jemen hilft, hilft dem Abwehrkampf der ganzen Welt gegen die Verbrecher im religiösen Gewand.

Das Interview führte Volkhard Windfuhr in Sanaa

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insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.01.2010 von aubrac: Verschwörungsquark

Diese unsäglichen Verschwörungstheorien sind doch lachhaft. In allen Ländern,in denen der Islam Staatsreligion ist, herrschen Armut, Bildungslosigkeit, Unterdrückung, Diktatur. Ausnahme sind die Länder, die über Erdölvorkommen [...] mehr...

05.01.2010 von iRusse: ganz einfach

..das scheint ein gestelltes Interview zu sein, um die Öffentlichkeit bei Laune zu halten und die enge Zusammenarbeit der USA und Jemen, sowie deren Übereinstimmung in der strategischen Zielausrichtung zu propagieren. Die [...] mehr...

04.01.2010 von ErekoseSK: Islam

Ich höre immer nur Islam. Wenn Sie sich mit dem Islam richtig beschäftigen, dann würden sie wissen, dass der Islam von Grund aus eine friedliche Religion ist. Sie sollten mal darüber nach denken welche Menschen über was für [...] mehr...

04.01.2010 von MaxGrabowski: Speichellecker!

---Zitat--- Wer dem Jemen hilft, hilft dem Abwehrkampf der ganzen Welt gegen die Verbrecher im religiösen Gewand. ---Zitatende--- Und wer gegen die USA kämpft, hilft dem Abwehrkampf gegen die Verbrecher des [...] mehr...

04.01.2010 von Gwylim: ...immer diese Titel

Wer ist den "DER Islam" ? Sind es nicht eher einige Gruppierungen, mit bestimmten Individuen, die bestimmte Ideologien und Ziele verfolgen? Da es keinen zentralistischen Islam gibt, kann es auch nicht "den [...] mehr...

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Zur Person

Jahja Abdullah, 52, Generalmajor und Mitglied des Generalstabes im Jemen, gilt als präsidentennah. Er stammt aus Dhali im einst marxistischen Süden des Landes und studierte in der ehemaligen Sowjetunion (Lemberg, heute Ukraine). Im Kampf gegen den Terror bereist er ständig die Krisenzonen und Kampfgebiete im Jemen.

Mehr dazu im SPIEGEL

Illustration Guy Billout für den SPIEGEL

Heft 01/2010:
Die Schöpfung im Labor

Forscher auf der Suche nach der Formel des Lebens

Inhaltsverzeichnis

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In der Antike war das Gebiet des heutigen Staates unter dem Namen "Arabia felix", das glückliche Arabien, bekannt. Hier nahm einst die "Weihrauchstraße" zum Mittelmeer ihren Anfang. Doch heute ist der Jemen am südwestlichen Zipfel der Arabischen Halbinsel eines der ärmsten Länder der Welt und das ärmste Land im Nahen Osten.

Nord- und Südjemen, die unterschiedliche politische und gesellschaftliche Wege zurückgelegt hatten, fanden 1990 zur staatlichen Einheit. Die Hauptstadt ist Sanaa. Mit knapp 528.000 Quadratkilometern ist das Land deutlich größer als Deutschland mit 357.000 Quadratkilometern. Wüstenregionen prägen die Landschaft.

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Gefahr für Touristen im Jemen

Juni 2009 - Geiselnahme einer deutschen Familie

Eine fünfköpfige Familie aus Sachsen wird zusammen mit Begleitern verschleppt. Zwei Deutsche und eine Koreanerin wurden bereits am ersten Tag erschossen. Zwei Kinder der sächsischen Familie wurden im Mai 2010 freigelassen.

April 2009 - Niederländischer Ingenieur entführt

März 2009 - Anschlag auf Touristen aus Südkorea

Januar 2009 - Deutscher Ingenieur enführt

Dezember 2008 - Deutsche Entwicklungshelferin entführt

September 2008 - 16 Tote bei Anschlag auf US-Botschaft

April 2008 - Anschlag auf Ausländer-Wohnviertel

März 2008 - Toter bei Anschlag auf US-Botschaft

Januar 2008 - Anschlag auf belgische Touristen

Juli 2007 - Anschlag auf spanische Touristen

Dezember 2005 - Jürgen Chrobog entführt




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