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04.01.2010
 

Afghanistan-Einsatz in Kunduz

USA schicken 2500 Soldaten ins Bundeswehrgebiet

Von Matthias Gebauer

US-Soldaten in Afghanistan: Jagd auf die TalibanZur Großansicht
AFP

US-Soldaten in Afghanistan: Jagd auf die Taliban

Deutschland diskutiert noch über die Afghanistan-Mission, die USA dagegen handeln: 2500 Soldaten will General McChrystal nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ins Bundeswehrgebiet nach Nordafghanistan schicken - die Offensive setzt die Regierung Merkel unter Druck.

Berlin/Kabul - Es waren symbolische Besuche, die Stanley McChrystal in den Tagen um den Jahreswechsel absolvierte. Per Helikopter reiste der US-General, Chef aller Nato-Soldaten in Afghanistan, durchs Land. Ganz besonders dort, wo die Lage ernst ist, bedankte er sich bei den Truppen für ihren Einsatz.

In diesem Jahr führte die Reise nicht nur in bekannte Unruheregionen im Osten und Süden. Einen ganzen Tag war der Vier-Sterne-General auch in Kunduz in Nordafghanistan zu Gast, dem einst ruhigen und heute brandgefährlichen Standort der Bundeswehr. Der Besuch machte noch mal klar, dass McChrystal die Lage dort genau im Blick hat.

Die Sorge um Kunduz spiegelt sich in McChrystals Befehlen. So wird die US-Armee nach Informationen von SPIEGEL ONLINE möglichst schnell rund 2500 US-Soldaten in Nordafghanistan stationieren:

  • Allein 1000 Trainer für die afghanische Polizei und die Nationalarmee Ana werden noch bis zum Sommer 2010 an den zweitgrößten Standort der Bundeswehr in Kunduz entsandt.
  • Außerdem sollen bis zu 1500 Soldaten der Airborne-Division in den Norden gehen, um das US-Lager zu sichern und gemeinsam mit afghanischen Einheiten gegen die Taliban vorzugehen.

Das Büro von McChrystal im Hauptquartier der Schutztruppe Isaf bestätigte SPIEGEL ONLINE die Planungen. Demnach sollen die zusätzlichen Truppen neben der Ausbildung von Polizei und Armee auch für mehr Sicherheit rund um Kunduz und im Rest des Regionalkommandos sorgen.

Für die Ausbildung der Soldaten und Polizisten hat die US-Armee in den vergangenen Monaten ein riesiges Camp am Flughafen in Kunduz errichtet, in dem gleichzeitig 4000 afghanische Soldaten trainiert werden sollen. Deutschen Schätzungen nach ist das Feldlager viermal so groß wie die unweit gelegene deutsche Basis.

Deutsche Soldaten in Kunduz bald in der Minderheit?

Die massive US-Offensive, noch vor der Afghanistan-Konferenz in London Ende Januar beschlossen und in Gang gebracht, setzt die Bundeswehr und die deutsche Politik unter Druck. Schon bei seinem Antrittsbesuch vor drei Wochen sagte der neue deutsche Regionalkommandeur, Brigadegeneral Frank Leidenberger, dass die Deutschen unter den westlichen Soldaten in Kunduz bald in der Minderheit sein könnten.

Deutschland hat seit mehreren Jahren die Verantwortung für das Regionalkommando Nord. Die Bundeswehr unterhält zwei große Feldlager in Masar-i-Scharif und Kunduz, ein kleineres Lager existiert noch in Faizabad. In Kunduz sind bisher etwa 1100 Soldaten präsent, rund 4300 Soldaten sind derzeit insgesamt in Afghanistan stationiert. Das Mandat des Bundestags erlaubt den Einsatz von 4500 Soldaten. Mehrere kleine Nationen wie Norwegen, Schweden und Ungarn haben ebenfalls Truppen im Norden Afghanistans.

Die deutschen Bemühungen, afghanische Sicherheitskräfte auszubilden, wirken eher klein im Vergleich zum US-Ansatz für 2010 und die kommenden Jahre. Zurzeit trainiert die Bundeswehr die afghanische Armee mit mehreren Ausbilderteams - die USA hingegen wollen möglichst bald Kampfeinheiten in Ana-Einheiten integrieren und sie gleich in Einsätzen ausbilden.

Die US-Präsenz wird die deutsche Mission in Kunduz in jedem Fall erheblich beeinflussen. Die Bundeswehr erwartet, dass die US-Truppen neben der Ausbildung auch härter gegen Taliban und eingesickerte al-Qaida-Mitglieder vorgehen werden.

US-Eliteeinheiten schon länger auf Taliban-Jagd im Bundeswehrgebiet

Nach mehrfachen Anschlägen auf die neue Nato-Versorgungsroute durch den Norden gilt das Gebiet mehr denn je als strategisch wichtig. Isaf-Chef McChrystal hat dies mehrfach deutlich geäußert und ein robustes Vorgehen gegen die Taliban gefordert. Er war 2009 mehrfach für strategische Gespräche nach Kunduz gereist.

Die zusätzlichen Soldaten könnten nun die Pläne für eine härtere Bekämpfung der Taliban umsetzen. Schon jetzt sind in Kunduz stationierte US-Spezialeinheiten der geheim agierenden Task Force 373 fast jede Nacht aktiv. Sie nehmen Verdächtige fest und eliminierten schon mehrfach gesuchte Taliban-Anführer.

Mindestens einmal kamen dabei auch Zivilisten ums Leben. So starb ein unbescholtener Hirte, der durch einen Fehler ins Visier geraten war. Erst am Wochenende töteten die Elitekämpfer gemeinsam mit Afghanen 19 Taliban - die US-Einheiten waren zuvor in einen Hinterhalt geraten. Unter den Opfern sollen vier regionale Kommandeure sein.

Die Special Forces der US-Armee agieren in Afghanistan ebenfalls unter McChrystals Hoheit. Wie sie sich die Jagd auf die Taliban vorstellen, führten sie im November vor. Damals wurden bei einer mehrtägigen gemeinsamen Operation mit afghanischen Einheiten bis zu 133 Taliban-Kämpfer getötet.

Die Deutschen hatten eine Teilnahme an dem Einsatz abgelehnt - zu sehr sah die Sache nach einer gezielten Tötungsaktion aus. Trotz vieler Berichte über tote Zivilisten gab es keine offizielle Untersuchung der Nato. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) lobte die US-Aktivitäten jedoch im Nachhinein.

Spielen die Deutschen in Kunduz bald nur noch eine Nebenrolle?

Auch die sich abzeichnende US-Truppenaufstockung für Kunduz wird in Guttenbergs Ministerium bisher positiv bewertet, weil sie der Sicherheit des deutschen Camps und der Soldaten diene. Hinter den Kulissen bemüht sich die Bundeswehr seit Wochen um eine bessere Kommunikation mit den US-Truppen, um in Zukunft schneller und detaillierter über deren Einsätze im deutschen Gebiet informiert zu werden. Bei der Aktion im November bekam die Bundeswehr nur spärlich Informationen.

Die Entscheidung der US-Armee dürfte die deutsche Debatte über Truppenaufstockungen neu befeuern. Zwar hatte sich die Regierung intern schon auf eine Ausweitung des Mandats um bis zu 2000 Soldaten eingestellt - nun aber hat sich Außenminister Guido Westerwelle (FDP) weitgehend darauf festgelegt, dass er diesen Schritt nicht mitgehen will.

Die Entsendung von 2500 US-Soldaten ins deutsche Einsatzgebiet stellt die Politik plötzlich vor die neue Frage, ob sie den USA die Lage im Norden überlassen will. Die Offiziere der Bundeswehr dort sorgen sich jedenfalls jetzt schon, ob man bald in Kunduz nur noch die Nebenrolle spielen wird.

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Die neuesten Beiträge:
12.04.2010 von ANDIEFUZZICH: Mobat war besser

In Bezug auf das Ausländer raus sind sie sich durchaus einiger, als die bundesrepuplikanische Gesellschaft. Beim Nachlesen ihrer Postings beschleicht mich obendrein der Verdacht, dass sie selber möglicherweise gar nicht vor Ort [...] mehr...

12.04.2010 von nachthai:

Nach dem deutschen Versagen im Norden, einen solchen Beitrag abzudrücken ist deutlich mehr als Realitätsignorant! mehr...

12.04.2010 von archelys: Das Verbrechen ist aus der Sicht der Verbrecher nicht unsinnig

Sie benutzen den Begriff "Unsinn" hier im Sinne unvernünftigen Handelns. Aus der Sicht der Afghanistan-Krieger ist er nicht unsinnig, man verrät uns allerdings den Eigensinn nicht, der ihm zugrunde liegt, weil wir ihn [...] mehr...

12.04.2010 von triztan: ..., darunter auch Kinder und Frauen.

Es gab XX Tote, darunter auch Kinder und Frauen. Ein vermeintlicher Standardsatz. Doch was will er uns sagen? Sind (a) keine Männer gestorben? Oder ist es (b) halb so schlimm, wenn Männer sterben?? In Zeiten der [...] mehr...

12.04.2010 von viceman: "wir" kämpfen nicht für ein

"freies afghanistan" - sie auch nicht! wenn sie was vom aktuellen krieg sehen wollen, dann empfehle ich: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,688532,00.html das ist die freiheit , der frieden ( o.ä. dummschwätz ) [...] mehr...

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