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06.01.2010
 

Einsatz in Afghanistan

Obama-Gesandter nimmt Deutschland in die Pflicht

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Mahnende Worte vom US-SonderbeauftragtenZur Großansicht
DDP

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Mahnende Worte vom US-Sonderbeauftragten

Die USA machen Druck: Barack Obamas Afghanistan-Beauftragter Richard Holbrooke stellt der Bundesregierung in einem Interview öffentlich die Frage, ob sie noch zum Ziel des Einsatzes steht. Verteidigungsminister Guttenberg will sich Forderungen nach mehr deutschen Soldaten nicht beugen.

Washington/Hamburg - Die USA stellen sich auf ein langes militärisches Engagement am Hindukusch ein: Nach Ansicht von Richard Holbrooke, dem US-Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan, ist auch im neunten Jahr des Krieges ein Ende nicht absehbar. "Er wird länger dauern als Vietnam; er wird sich als der längste der amerikanischen Geschichte entpuppen", sagte Holbrooke der "Zeit".

Mit Blick auf Forderungen in Deutschland nach einem Truppenabzug hob der Obama-Berater die Bedeutung eines erfolgreichen Kriegsabschlusses für die Bundesrepublik hervor. "Das ist genauso im deutschen Interesse wie in unserem", sagte Holbrooke: "Werden die Deutschen dieses gemeinsame Interesse auch würdigen?"

Tatsächlich zeichnet sich ein Konflikt zwischen den Verbündeten um die Verstärkung der Afghanistan-Truppen ab. Vor der für Ende Januar geplanten Afghanistan-Konferenz in London bremste der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Erwartung der Amerikaner. Er lasse sich bei den Truppenplanungen nicht von Wünschen der Amerikaner unter Druck setzen, betonte der Minister in der "Leipziger Volkszeitung".

"Ich bin niemand, der sich einem Gruppenzwang unterwirft. Zu meiner Meinungsbildung brauche ich auch keine Vorgabe aus den USA", sagte Guttenberg. Er fügte hinzu: "Die immer mal wieder genannte Zahl von 2500 zusätzlichen Soldaten ist nicht realistisch." SPIEGEL ONLINE berichtete bereits, dass die Amerikaner selbst 2500 Soldaten ins Bundeswehrgebiet schicken wollen.

Guttenberg betont "Konzentration auf zivile Maßnahmen"

Die Initiative Berlins für die Konferenz am 28. Januar beinhalte nicht nur Vorschläge zur zukünftigen Truppenstärke, sagte Guttenberg. "Unser Grundsatz lautet: Eine sichere Zukunft für Afghanistan ist nicht allein militärisch zu gewinnen." Entscheidend werde die Konzentration auf zivile Maßnahmen sein. "Der isolierte Ruf nach mehr Kampftruppen wird dem bisherigen deutschen Engagement nicht gerecht", sagte Guttenberg. "Natürlich kämpfen unsere Truppen auch. Aber wir stehen besonders für mehr und gute Ausbildung von Sicherheitskräften."

Für Irritationen hatte zuvor auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) gesorgt. Er hatte mit einem Boykott des Treffens gedroht, falls sich die Teilnehmer nicht vor allem auf den zivilen Aufbau des Landes konzentrieren sollten. "Wenn die Afghanistan-Konferenz in London eine reine Truppenstellerkonferenz wird, fahre ich nicht hin", hatte Westerwelle dem "Stern" gesagt. "Was wir brauchen, ist ein breiter politischer Ansatz und eine Gesamtstrategie."

Zur Vorbereitung der Afghanistan-Konferenz hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Informationen der "Rheinischen Post" einen Kabinettsausschuss unter ihrer Führung eingerichtet. Zu den Mitgliedern des Ausschusses, der am Montagnachmittag zum ersten Mal im Kanzleramt zusammengekommen sei, gehörten Außenminister Guido Westerwelle (FDP), Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP), Verteidigungsminister zu Guttenberg, Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU).

Holbrooke: Afghanistan schwieriger als Vietnam

Obama-Berater Holbrooke warnte davor, den Krieg am Hindukusch zu unterschätzen. Der Konflikt sei für die USA schwerer zu führen als der Vietnam-Krieg, obwohl die Taliban-Truppen nur auf 25.000 Mann geschätzt werden. "Dieser Krieg ist trotzdem schwieriger", sagte Holbrooke und erinnerte vor allem an Pakistan als Rückzugsland der Taliban. "Nordvietnam war der Feind, den konnten wir bombardieren. Pakistan aber ist unser Verbündeter", sagte der ehemalige Balkan-Experte der US-Regierung. Außerdem seien "in keinem anderen Krieg Amerikas" Terrain und Logistik eine solche Herausforderung gewesen.

Holbrooke machte klar, dass die USA nicht den Fehler der Sowjetunion wiederholen würden, die 1989 aus Afghanistan abzog und das Land den Taliban überließ. Ein US-Abzug führe "dem Terrorismus Tausende neuer Rekruten zu", denn die Führung der Taliban sei "eng mit al-Qaida verknüpft". Der Erfolg hänge vom Schutz der Zivilisten ab. "Unsere Truppen haben strikte Order, so etwas wie Kunduz zu vermeiden", sagte er in Anspielung auf den von einem deutschen Oberst angeforderten Luftangriff auf zwei Tanklaster, bei dem etliche Zivilisten umkamen.

Neuer Anschlag in Afghanistan

Am Mittwoch verübten Extremisten in Afghanistan erneut ein Attentat. Bei dem Anschlag im Osten Des Landes wurden mindestens zwei Kinder getötet und zahlreiche Personen verletzt, darunter neun Isaf-Soldaten, vier afghanische Polizisten und mehrere Zivilisten. Das Attentat in der Provinz Nangarhar sei mit einem am Straßenrand deponierten Sprengsatz verübt worden, teilten Provinzregierung und die Nato-geführte Isaf mit.

Der Leiter des Krankenhauses in der Provinzhauptstadt Dschalalabad sprach von drei Toten und 29 Verletzten. Die Nationalität der verletzten Isaf-Soldaten ist noch nicht bekannt. Bei den meisten in der Region stationierten ausländischen Soldaten handelt es sich um Amerikaner.

hen/Reuters/dpa/APD

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Die neuesten Beiträge:
20.01.2010 von Rums: Alle anderen sind doof.

Bei Ihrer überragenden Intelligenz dürfte es für Sie doch eine Kleinigkeit sein, uns in ein paar Sätzen eine zusammenfassende Zusammenfassung der "einfachsten Zuammenhänge" zu liefern. Vielen Dank im voraus. mehr...

20.01.2010 von Alter_Reservist:

Sehen Sie das nennt man *politische Mehrheit* mehr...

20.01.2010 von adama.:

Das widerspricht sich nicht. Während der Angriff auf die Tanklastzüge überwiegend als gerechtfertigt angesehen wird, wollen sie generell keine Luftangriffe denen sie selber zum Opfer fallen könnten. Die Einsatzregel der [...] mehr...

20.01.2010 von adama.:

Die Taliban sind sehr wohl mit Amokläufern vergleichbar und darum auch eine Gefahr die man ausschalten sollte. Ob die Tanklaster wirklich feststeckten oder am Ziel angekommen waren, nämlich in einem Lager der Taliban, ist eine [...] mehr...

20.01.2010 von nachthai:

Karriere - was soll das denn für ein Motiv für einen Soldaten im Einsatz sein? O Klein setzte die Mittel ein die er hatte - wenn Bomben nicht gewünscht sind muss man andere Mittel bereitstellen. Allerdings ist es Aufgabe [...] mehr...

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