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06.01.2010
 

CIA-Attentäter

US-Terrorjäger setzten große Hoffnung in Qaida-Doppelagenten

Schwere Zeiten für die US-Geheimdienste: Der Attentäter, der in Afghanistan sieben Agenten tötete, war eine wichtige Quelle für die Amerikaner. Die CIA wollte mit seiner Hilfe führende Qaida-Kader aufspüren - und wurde in der Hoffnung auf Erfolg ungewöhnlich leichtsinnig.

Hamburg - Sieben Mitarbeiter starben, mehrere wurden schwer verletzt - das Selbstmordattentat in der afghanischen Stadt Khost hat die CIA schwer getroffen. Wie dramatisch der Rückschlag für den US-Geheimdienst wirklich war, machen neue Details deutlich, die "New York Times", "Washington Post" und die Nachrichtenagentur AP veröffentlichten.

Besonders bitter für die US-Agenten: Der mutmaßliche Attentäter Human Khalil Abu-Mulal al-Balawi galt als eine ihrer größten Hoffnungen bei der Jagd auf hochrangige Qaida-Kader. "Er war einer der aussichtsreichsten Kontakte", zitiert die "New York Times" einen namentlich nicht genannten Geheimdienstmitarbeiter.

Den Berichten zufolge hatte Balawi zuvor mehrfach Hinweise auf Qaida-Mitglieder geliefert und so Drohnenangriffe der USA ermöglicht. Auf diese Weise habe er sich Glaubwürdigkeit erarbeitet, heißt es.

Doch all das war nur strategische Tarnung, denn in Wahrheit arbeitete der 32-Jährige als Doppelagent für al-Qaida: Er hatte den jordanischen Geheimdienst, der ihn einst anwarb, und die CIA fast ein Jahr lang an der Nase herumgeführt.

Die angebliche Aussicht, über Balawi an den Führungszirkel al-Qaidas heranzukommen - insbesondere an Vizechef Aiman al-Sawahiri - ließ die Amerikaner offenbar unvorsichtig werden: Den Berichten zufolge wurde der Attentäter bei seiner Ankunft in der US-Basis gar nicht oder zumindest nicht angemessen kontrolliert.

Ungewöhnlich leichtsinnig erscheint zudem, dass so viele Personen bei dem Treffen anwesend waren. Laut eines früheren Geheimdienstmitarbeiters würden derartige Gespräche in der Regel von nicht mehr als zwei Agenten geführt. Doch al-Balawi stand in einer Gruppe von mehr als 13 Personen, als er sich in die Luft sprengte. Der "Washington Post" zufolge sind auch zwei Mitarbeiter der privaten Söldnertruppe "Xe" (früher "Blackwater") unter den Todesopfern.

"Jeder wollte zum Team gehören, das Sawahiri schnappt"

Laut "New York Times" ist dieser Andrang durch die Hoffnung auf einen Fahndungserfolg in der seit Jahren vergeblichen Suche nach Sawahiri begründet. "Das ist höchste Priorität bei der CIA. Jeder wollte zu dem Team gehören, das Sawahiri schnappt", zitiert das Blatt einen früheren langjährigen CIA-Mitarbeiter.

Demnach ist sogar der stellvertretende Chef der CIA in Afghanistan nach Khost gereist, um den Informanten zu sprechen. Hochrangige Offizielle im Weißen Haus waren über das anstehende Treffen informiert.

Den Vorwurf, die CIA sei übermäßig optimistisch und leichtsinnig gewesen, weist ein US-Geheimdienstmitarbeiter in der "Washington Post" zurück. "Man muss auch zwielichtige Gestalten nutzen, um terroristische Gruppen zu infiltrieren. Ein Heiliger bringt dich nicht hinein."

Zwielichtig war Balawi tatsächlich: Seine Biografie hätte in jedem Fall Zweifel an der Loyalität zum US-nahen jordanischen Geheimdienst nahelegen müssen. Er sei zwar "brillant und wohlgesittet" gewesen, erinnert sich ein früherer Schulkamerad im Gespräch mit AP. Allerdings sei Balawi nicht sehr gesellig gewesen - und habe schon früh öffentlich über seinen Willen gesprochen, im heiligen Krieg zu sterben. Die Mutter des Attentäters widersprach diesen Äußerungen und sagte der Nachrichtenagentur AFP, ihr Sohn habe keine extremistischen Ansichten vertreten.

Doch der jordanische Geheimdienst war offenbar anderer Meinung und nahm Balawi, der als Arzt in Jordanien arbeitete, Anfang des vergangenen Jahres fest. Drei Tage war er laut AP in Haft. In dieser Zeit, so dachten die Agenten, hätten sie den 32-Jährigen auf ihre Seite gezogen. Er ging nach Afghanistan und sollte fortan als Informant dienen. Tatsächlich, so räumte ein Geheimdienstexperte dem Bericht zufolge nun ein, habe Balawi in seiner Loyalität zu al-Qaida wohl nie geschwankt.

Schwere Zeiten für US-Geheimdienste

Für die CIA kommen die Enthüllungen zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Die amerikanischen Geheimdienste stehen momentan ohnehin stark in der Kritik. Am Dienstag war ein Bericht veröffentlicht worden, der die Nachrichtendienste in Afghanistan schwer angreift: Sie seien "ahnungslos und unfähig", heißt es in der Einschätzung eines hochrangigen US-Militärs.

Zuvor hatte bereits der misslungene Anschlag auf den Northwest-Airlines-Flug 253 nach Detroit ein schlechtes Licht auf die Geheimdienste geworfen. Präsident Barack Obama sagte nach einem Gipfeltreffen am Dienstag, das System habe "auf desaströse Weise" versagt.

hut

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
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07.01.2010 von roseguard: "winning hearts and minds"

Die USA versuchen mit dieser Strategie einzelne Menschen aber auch ganze Bevölkerungsgruppen auf ihre Seite zu ziehen - mit wenig Erfolg. Denn nur einmal war diese Strategie wirklich (und nachhaltig) erfolgreich: in Deutschland. [...] mehr...

07.01.2010 von friedrichii: na ja

Na ja, es ist Karnevalzeit und die Narren haben Hochkonjunktur mehr...

06.01.2010 von roflem: CIA unfähig?

Ich kenne kaum eine story wo der CIA fähig war....ich kenne nur stories von Unfähigkeit und Pleiten. Besonders nett fand ich die Meldung bei dem Treff waren auch 2 Blackwater Söldner anwesend. Und das alles nur weil sie gierig auf [...] mehr...

06.01.2010 von soauchnicht: Erstes Ziel

soll Sawahiri sein. Da gab's doch schon mal einen, wie hieß er doch gleich: Bin Laden oder so? Hat den jemand in letzter Zeit gesehen? mehr...

06.01.2010 von 1lauto: nemetico sieht das etwas anders als der Spiegel

http://nemetico.twoday.net/stories/komische-zeiten-mit-spiegel-online/ Wer hat jetzt Recht? oder liegt die Wahrheit wieder in der Mitte? mehr...

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