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07.01.2010
 

Fall Abdulmutallab

"LA Times" berichtet über Terrorverdacht während des Flugs

Angeklagter Abdulmutallab: Erkenntnisse während des FlugesZur Großansicht
REUTERS/ US Marshals Service

Angeklagter Abdulmutallab: Erkenntnisse während des Fluges

Die "Los Angeles Times" berichtet, dass US-Grenzbeamte von den Terrorverbindungen des mutmaßlichen Attentäters erfuhren, als dieser noch im Flugzeug saß. Sie wollten den Nigerianer demzufolge nach der Landung überprüfen - das Weiße Haus dementiert die Darstellung jedoch.

Los Angeles - Der wegen eines Anschlagsversuchs auf ein US-Passagierflugzeug angeklagte Umar Farouk Abdulmutallab war nach einem Bericht der "Los Angeles Times" bereits in der Luft auf dem Weg nach Detroit, als die US-Sicherheitsbehörden von den angeblichen Terrorverbindungen des Nigerianers erfahren haben sollen. Das schreibt die Zeitung unter Berufung auf ranghohe US-Sicherheitsleute.

Die Grenzschützer hätten daraufhin beschlossen, den 23-Jährigen nach seiner Landung zu vernehmen. Dies zeige, dass die Grenzbeamten von Abdulmutallabs Verbindungen zu Extremisten trotz der vermeintlichen Versäumnisse der US-Geheimdienste erfahren haben, schreibt die "Los Angeles Times". "Die Leute in Detroit waren darauf vorbereitet, den mutmaßlichen Attentäter zu überprüfen", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Strafvollzugs dem Bericht zufolge. Wäre die Nachricht früher bekanntgeworden, hätte Abdulmutallab bereits am Flughafen von Amsterdam untersucht werden können, so die Zeitung. Ein Regierungsbeamter erklärte jedoch, dass auch die neue Information nicht zu einer weiteren Prüfung des mutmaßlichen Attentäters vor dessen Abflug geführt hätte.

Das Weiße Haus dementierte jetzt den Bericht inzwischen. Es habe - wie bereits bekannt - verschiedene Informationen über Umar Farouk Abdulmutallab an verschiedenen Stellen des US-Sicherheitsnetzes gegeben, die aber nicht zusammengebracht worden seien, zitieren übereinstimmend die US-Sender CNN und CBS einen Regierungsmitarbeiter. "Es gab aber keine neue Information, als das Flugzeug in der Luft war."

US-Präsident Barack Obama hatte die Geheimdienste am Dienstag scharf kritisiert, weil sie vor dem Anschlagsversuch bekannte Informationen über den verhinderten Attentäter nicht zusammengeführt hätten. Der 23-jährige Abdulmutallab war seit Ende November in einer US-Datenbank mit rund 550.000 Terrorverdächtigen registriert gewesen, nachdem sein Vater die US-Botschaft in Nigeria vor seinem Sohn gewarnt hatte.

Abdulmutallab soll Kontakt zu amerikanischem Prediger gehabt haben

Am Mittwoch wurde Anklage gegen Umar Farouk Abdulmutallab erhoben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Nigerianer versuchten Mord und die Nutzung einer Massenvernichtungswaffe vor. Er hatte versucht, an Bord des Flugzeugs mit fast 300 Insassen einen Sprengsatz zu zünden.

US-Präsident Obama will die Öffentlichkeit an diesem Donnerstagabend umfassend über die Ermittlungsergebnisse zu der Beinahe-Katastrophe informieren. Das Weiße Haus kündigte die Veröffentlichung eines Berichts mit allen bisherigen Erkenntnissen über den versuchten Anschlag vom ersten Weihnachtstag an. In einer Rede wollte Obama die Öffentlichkeit zudem über die bislang identifizierten Sicherheitslücken informieren. Erwartet wurden auch neue Vorschläge des Präsidenten zur Verbesserung der Terrorabwehr.

Unterdessen wurde ein weiteres brisantes Detail zu Abdulmutallabs Vergangenheit bekannt: Der Nigerianer soll während seines Aufenthalts im Jemen Kontakt zu einem radikal-islamischen Prediger aus den USA gehabt haben. Die jemenitischen Sicherheitsbehörden teilten am Donnerstag mit, der 23-jährige Afrikaner habe sich mit dem Kleriker Anwar al-Awlaki getroffen. Der amerikanische Staatsbürger wird auch mit dem Amoklauf eines Militärpsychiaters auf einem Armeestützpunkt in Texas in Verbindung gebracht. Er soll bei einem Luftangriff auf Qaida-Extremisten im vergangenen Monat ums Leben gekommen sein.

Jemenitischen Angaben zufolge wurde Abdulmuttalab in London von al-Qaida rekrutiert. Das erklärte ein ranghoher jemenitischer Regierungsmitarbeiter.

Jemen lehnt Militärhilfe der USA strikt ab

Der Jemen steht seit dem an Weihnachten nur knapp vereitelten Anschlag verstärkt im Fokus der Terrorfahnder. Der Qaida-Zweig in dem verarmten arabischen Land hatte sich zum Attentatsversuch bekannt und mit weiteren Anschlägen gedroht.

Ein direktes militärisches Engagement der USA bei der Bekämpfung des Terrornetzwerks al-Qaida lehnt der Jemen jedoch ab. "Ich glaube nicht, dass wir das akzeptieren werden", sagte der jemenitische Außenminister Abubakr al-Kirbi dem Nachrichtensender CNN auf die Frage, ob das Land eine direkte Intervention der USA zulassen würde. "Ich glaube, dass die USA von Afghanistan, dem Irak und anderen Orten gelernt haben, dass man sich durch eine direkte Intervention selbst eine Niederlage beifügen kann."

Sein Land benötige im Kampf gegen al-Qaida von den USA und anderen Verbündeten aber technisches Know-how, Ausrüstung und Geheimdienstinformationen. Die jemenitischen Sicherheitskräfte müssten den Kampf gegen al-Qaida allein aufnehmen, sagte der Minister weiter. Der Jemen geht nach eigenen Angaben seit mehreren Tagen mit Tausenden Soldaten in drei Provinzen gegen al-Qaida vor.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel hatte in einer früheren Version die Überschrift "US-Grenzer erfuhren vor Landung von Verdächtigem". Nach dem Dementi des Weißen Hauses wurde die Darstellung korrigiert. Wir bitten, die Irritation zu entschuldigen.

anr/APD/Reuters

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