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07.01.2010
 

Entführte Familie

Deutsche Geiseln laut Jemens Regierung am Leben

Die seit Monaten im Jemen entführte deutsche Familie aus Sachsen ist am Leben - das behauptet zumindest der stellvertretende jemenitische Ministerpräsident. Er nannte drei mögliche Aufenthaltsorte der Geiseln. Deutsche Sicherheitsbehörden beurteilen die Äußerungen skeptisch.

Sanaa - Der stellvertretende jemenitische Ministerpräsident Raschad al-Alimi hat auf einer Pressekonferenz erneut Hoffnungen geweckt, eine im Jemen entführte fünfköpfige Familie aus Sachsen und ein Brite seien noch am Leben.

In der Hauptstadt Sanaa sagte der ranghohe Politiker, nach Erkenntnissen seiner Regierung seien die vor sieben Monaten entführten Geiseln noch am Leben. "Ja, sie sind noch am Leben - zumindest nach den Informationen, die wir haben", so al-Alimi.

Es ist jedoch unklar, wie aktuell die genannten Informationen des Vize-Regierungschefs sind. Genauere Angaben machte er diesbezüglich nicht.

In Deutschland wurden die Äußerungen mit äußerster Skepsis aufgenommen. Das Auswärtige Amt wollte sich auf Anfrage nicht im Detail äußern. Man kümmere sich mit Nachdruck um die Befreiung der deutschen Geiseln, einem Ehepaar und deren drei Kinder, hieß es dort lediglich.

Aus deutschen Sicherheitskreisen verlautet jedoch, es gebe keine neuen Hinweise auf den Verbleib oder die Situation der Geiseln. Die Äußerungen aus dem Jemen könne man nicht verstehen, sagte ein ranghoher Ermittler SPIEGEL ONLINE.

Wer steckt hinter der Entführung?

Laut Vize-Ministerpräsident al-Alimi geht die jemenitische Regierung von drei möglichen Aufenthaltsorten der Geiseln aus: Entweder sollen sie sich in der Provinz Saada im Norden befinden, wo sie auch entführt worden waren, oder in der Provinz Maarib oder in der Provinz El Dschuf. Immer wieder hatte die Regierung auch nach der Entführung solche Meldungen verbreitet, die sich am Ende nicht bestätigt haben.

Nicht gesichert ist nach wie vor, wer genau hinter der Entführung steckt. Die jemenitische Regierung beschuldigt die Huthi-Rebellen, die Teile des Nordjemens kontrollieren, an der Verschleppung beteiligt zu sein. Angeblich, so deutet es al-Alimi an, sogar in Kooperation mit dem Terrornetzwerk al-Qaida.

Ob diese Anschuldigungen stimmen, gilt zumindest im deutschen Krisenstab als fraglich. Zu offenkundig ist das Interesse Sanaas, die aufständischen Huthis zu diskreditieren. Es wäre zudem das erste Mal, dass Huthis und al-Qaida gemeinsam operieren. Belege für die Behauptung blieb der Jemen stets schuldig.

Erst vor einigen Wochen hatte es große Schlagzeilen um ein angebliches Lebenszeichen der deutschen Geiseln gegeben, damals wurde über vermeintlich neue Videos der Deutschen berichtet.

Keine politischen Forderungen der Entführer

Die Hoffnungen aber zerstoben recht schnell, zumal die erwähnten Videos der deutschen Botschaft bereits im Herbst 2009 zugespielt worden waren. Danach haben die Diplomaten nichts Neues gehört. Nach SPIEGEL-Informationen zeigen die Bilder auch nicht die ganze Familie - sondern lediglich die Kinder Lydia, 5, Anna, 3, und Simon, 1.

Von den Eltern Johannes und Sabine H., beide 37, fehlt seit der Verschleppung in der nordjemenitischen Provinz Saada jede Spur.

Die Familie war am 12. Juni mit zwei deutschen Bibelschülerinnen, einem Briten und einer Südkoreanerin gekidnappt worden. Noch während des Überfalls setzten die Deutschen einen Hilferuf per Handy ab, berichtete damals eine lokale Zeitung. Drei Tage später wurden die verstümmelten Leichen der zwei deutschen Frauen sowie der Koreanerin entdeckt - sie waren erschossen worden.

Das Kidnapping gibt den in solchen Fällen recht erfahrenen Beamten aus dem Krisenstab noch immer viele Rätsel auf. Zu den ungeklärten Fragen zählt auch, dass die Kidnapper zwar Geld forderten, aber seither keinen weiteren Kontakt mehr gesucht haben. Politische Forderungen wurden bislang nicht gestellt. Das wiederum passt nicht zu der von den jemenitischen Behörden vermuteten Beteiligung von al-Qaida an der Entführung.

Der frühere Staatssekretär Jürgen Chrobog vermittelt in dem Fall als Sonderbeauftragter des Auswärtigen Amtes. Chrobog war vor vier Jahren zusammen mit seiner Familie selbst Entführungsopfer im Jemen. Sein letzter Besuch in dem Land im Dezember aber endete ohne jedes Ergebnis.

yas/mgb/hut

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