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08.01.2010
 

Geiselnahme im Irak

Britische Armee wollte Moore-Verschleppung nach Iran verhindern

Wurde der IT-Experte Peter Moore aus dem Irak nach Iran verschleppt? Bislang sagt das Außenministerium in London, dafür gebe es keine Beweise. Doch einem Pressebericht zufolge hat die britische Armee vor zweieinhalb Jahren versucht, die Entführung über die Grenze zu verhindern.


London - Es sollte eine Blitzaktion werden: Britische Truppen wollten den entführten IT-Experten Peter Moore und seine vier Bodyguards Ende Mai 2007 an der irakisch-iranischen Grenze befreien. Doch die Operation misslang. Das berichtet die Zeitung "Guardian" am Freitag.

Moore war zweieinhalb Jahre in Gefangenschaft. Erst im Dezember 2009 wurde er von seinen Peinigern freigelassen. Der Computerspezialist war laut "Guardian" Ziel der Entführer, weil seine Arbeit aufgedeckt habe, dass große Summen der internationalen Irak-Hilfe Milizen zugeflossen seien, die von Iran unterstützt wurden.

Als Polizisten verkleidete Kidnapper hatten Moore zusammen mit vier britischen Sicherheitskräften aus dem Finanzministerium in Bagdad entführt. Drei seiner vier Bodyguards wurden von den Entführern getötet, die Leichen wurden im vergangenen Jahr den britischen Behörden übergeben. Auch die Leiche des vierten getöteten Mannes soll nach Großbritannien überstellt werden.

Welche Rolle spielte Iran

Über die Umstände von Moores Geiselhaft und die seiner Personenschützer gibt es auch nach seiner Freilassung weiter viele Unklarheiten - besonders die Rolle Irans in der Affäre ist unklar.

Moore wurde zwar im Irak festgehalten. Die "Times" hatte aber im Dezember berichtet, dass die britische Botschaft in Bagdad kurze Zeit nach dem Kidnapping Hinweise darauf erhalten habe, wonach die Geiseln nach Iran verschleppt worden sein sollen. Der frühere US-Kommandeur im Irak, General David Petraeus, hatte der BBC gesagt, er sei sich "zu 90 Prozent" sicher, dass die Geiseln wenigstens zeitweise in Iran gewesen seien. Petraeus berief sich dabei auf Geheimdienstinformationen.

Das Außenministerium in London wollte den aktuellen "Guardian"-Bericht nicht kommentieren und sagte lediglich, es gebe keinen Hinweis auf eine Verbindung zu Iran. "Wir haben keine Beweise, dass die britischen Geiseln in Iran festgehalten wurden oder dass Iran direkt involviert war", sagte eine Sprecherin der Agentur AFP. Ähnlich hatte sich das Ministerium bereits zu entsprechenden Presseberichten im Dezember geäußert.

Moore selbst hatte laut Bericht der Tageszeitung "Times" vom Ende Dezember 2009 den britischen Behörden zwei Orte im Irak genannt, an denen er festgehalten worden sei. Seine Begleiter habe er zuletzt vor 18 Monaten gesehen. Die Äußerungen Moores würde die Sichtweise des britischen Außenministeriums stützen, wonach es keine Hinweise gebe, dass Iran in die Geiselnahme des 36-Jährigen Computerspezialisten involviert gewesen sei, hieß es in der "Times".

Mit seinem aktuellen Bericht über die Truppenverlegung an die iranische Grenze kurz nach der Entführung 2007 stützt der "Guardian" nun die Petraeus-These. Britische Soldaten seien an die irakisch-iranische Grenze nördlich von Basra verlegt worden, um die Entführer abzufangen. Die Operation sei gestartet worden, nachdem man Geheimdienstinformationen erhalten habe. Unklar bleibe, ob die britische Einheit zu spät kam oder zu einem anderen Grenzübergang entlang der Grenze gefahren sei.

Britische Offiziere, die an der Aktion teilnahmen, hatten laut "Guardian" mit einem Journalisten Monate nach der Geiselnahme über die Operation gesprochen. Die Behörden wollten dem Blatt zufolge jedoch keine Details nennen, weil es sich um eine "extrem sensible" Angelegenheit handele.

Die Spur soll zu einer Ziegelei in Iran geführt haben

Ein nicht genanntes Mitglied der Revolutionären Garden Irans hatte bereits zuvor im "Guardian" behauptet, Moore und die Bodyguards seien innerhalb eines Tages nach ihrer Entführung in Lager in Iran gebracht worden. Die für externe Aktionen der Revolutionären Garden zuständige Einheit, die Kuds-Brigade, habe die Operation durchgeführt.

Laut Recherchen von "Guardian Films" hat der irakische Geheimdienst die Spur der Entführer und ihrer Opfer verfolgt - bis zu einer Ziegelei in der iranischen Stadt Mehran, die die Kuds-Brigade angeblich als Basis für ihre Operationen im Irak nutzten. Dort hätten die Geiseln in ein anderes Auto umsteigen müssen, das daraufhin weggefahren sei.

Zur Zeit der Entführung lieferten sich britische Truppen Kämpfe mit schiitischen Milizen im Osten des Irak - also an der Grenze zu Iran. Die Briten vermuteten damals, die Milizionären hätten Waffen und Sprengstoff aus dem Nachbarland erhalten und seien dort trainiert worden. Die Briten hätten sogar eine eigene Kampftruppe gegründet, um den Nachschubweg der Aufständischen über die Grenze abzuschneiden, berichtet der "Guardian". Geheimdienste hätten geschätzt, dass die von Iran unterstützten Milizen im Sommer 2007 für die Hälfte der Attacken auf die von den USA geführten multinationalen Truppe verantwortlich waren.

Im Juni 2007 habe das Verteidigungsministerium in London mitgeteilt, dass ein iranischer Plan, britische Soldaten in Basra zu entführen, vereitelt worden sei. Zu dieser Zeit waren rund 5500 britische Soldaten im Irak stationiert.

kgp/AFP

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