Hamburg - Die deutsche Besatzung ist bis heute ein heikles Thema in den Niederlanden. Das bekam jetzt auch Thomas Läufer, der deutsche Botschafter in Den Haag, zu spüren. In einem Interview, das für die niederländische Fernsehserie "De oorlog" ("Der Krieg") aufgezeichnet wurde, sagte der Diplomat in der vergangenen Woche, er würde gern an der Gedenkfeier für die Toten des Zweiten Weltkriegs am 4. Mai teilnehmen - wenn er denn eingeladen würde.
Doch die Bemerkung Läufers löste eine heftige Diskussion unter den Niederländern aus: Darf ein deutscher Botschafter zum Nationalen Kriegstrauertrag eingeladen werden, wenn den Opfern von Deutschen gedacht wird? In den knapp fünf Jahren nach dem deutschen Einmarsch am 10. Mai 1940 kamen über 200.000 Niederländer - größtenteils Juden - durch die Besatzer aus dem Nachbarland ums Leben. Der Widerstand gegen die verhassten Nazis war zwar groß, es gab aber auch etliche Mitläufer und Kollaborateure, die als "fouter" (falsche) Niederländer beschimpft wurden.
Deutsche Zeitungen registrierten die Aufregung bei den Nachbarn kaum, nur wenige Blätter wie die "Rheinische Post" griffen das Thema auf. Doch in den niederländischen Medien wurde eifrig gestritten. "Trauern - zusammen mit den Deutschen? Das geht nicht. Wo ist der Respekt gegenüber den Trauernden", sagte zum Beispiel Raphael Evers, prominenter niederländischer Rabbi, in der Zeitung "Volkskrant". Ehemalige Widerstandskämpfer äußerten sich ähnlich.
"Mit keinem Nachbarland verbindet uns so viel"
Ganz anders argumentierte der Historiker Herman von der Dunk: "Deutschland zeigte sich in den vergangenen 65 Jahren als eine der am meisten gefestigten Demokratien in Europa", schrieb er im "NRC Handelsblad". "In anderen Ländern wurden schon vor 20 Jahren deutsche Gäste eingeladen - zur gemeinsamen Trauer und Versöhnung."
Auch Frans Timmermans, Europaminister der Niederlande, schaltete sich ein. "Mit keinem Nachbarland (von Flandern einmal abgesehen) verbindet uns in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht so viel wie mit Deutschland", schrieb er in einem Meinungsbeitrag für die Zeitung "Trouw". "Viel mehr jedenfalls als mit England, an dem sich die niederländische Elite so gern orientiert." Auf den "von den Nazis hinterlassenen Trümmern und unter straffer Führung der Besatzungsmächte wagten sich die Westdeutschen vor genau 60 Jahren an ein Experiment, das ein beispielloser Erfolg werden sollte", lobt Timmermans die Entwicklung Deutschlands.
Zur Teilnahme Läufers an der Gedenkfeier wird es dennoch nicht kommen. Das "Nationaal Comite 4 en 5 mei", das den Kriegstrauertag organisiert, stellte klar: Der deutsche Botschafter werde keine Einladung bekommen. "Die Feier muss einen nationalen Charakter behalten", erklärte Direktorin Nine Nooter nach Angaben der "Rheinischen Post". "Deshalb werden allgemein keine ausländischen Gäste eingeladen." Die aktuelle Diskussion über die Anfrage des Botschafters beruhe "letztlich auf einem Missverständnis".
Das Auswärtige Amt in Berlin wollte den Vorgang auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.
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Es wäre manchmal besser, wenn man die Hände hinter den Kulissen ausstreckte. Nur um zu verhindern, dass nachher eine oder beide Seiten lädiert oder blamiert in der Öffentlichkeit dastehen. mehr...
Wenn man bedenkt, dass der autobahnbauende Tyrann und seine Schergen noch recht nett zu den Käserollern und Tulpenliebhabern waren, so fragt man sich ob der spanische Gesandte überhaupt auf die Straße gehen kann, wegen dem [...] mehr...
der holländer. wenn die das so entscheiden, dann ist es halt so. die zeit heilt doch nicht alle wunden und millionenfacher mord hängt einem lange an..... mehr...
soweit ich weiss sind die Hollaender extrem sauer auf die deutschen weil die luftwaffe nach der Kapitulation trotzdem noch Rotterdamm zerbombte und dabei zehntausende Tote machte, sozusagen als Genugtuung weil die kleinen [...] mehr...
Das ist wieder einmal ein glasklares Beispiel,daß die ganze EU nur ein Kartenhaus ist.Wenn es darauf ankommt,bricht der ganze Laden zusammen. mehr...
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