Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Washington überdenkt derzeit seine Beziehung zu Peking. Im ersten Amtsjahr bemühte sich die Regierung Obama um einen Kuschelkurs. Der Präsident verweigerte dem spirituellen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, demonstrativ einen Termin, um China zu besänftigen. Dem Friedensnobelpreisträger unterstellt Peking weiterhin, eine eigenstaatliche Stellung Tibets anzustreben, das China 1950 besetzte. Obamas Top-Berater hielten außerdem in den ersten zwölf Monaten mehr Treffen mit ihren chinesischen Kollegen ab als jede US-Regierung zuvor.
Als Chinas Präsident Hu Jintao nach Washington reiste, umwarb Obamas Kabinett geschlossen die chinesische Delegation. Das Motto lautete: "Die USA können China nicht mehr einfach Vorschriften machen. Dafür hat sich die Kräfteverteilung zu sehr verschoben", sagt Andrew Small, China-Experte vom German Marshall Fund in Brüssel, zu SPIEGEL ONLINE.
Ob Nordkorea, Iran oder der Klimawandel, überall sollte China ein wichtiger Partner werden. Ganz zu schweigen davon, dass Peking weiter US-Staatsanleihen kaufen muss, um Amerikas wachsendes Haushaltsdefizit zu finanzieren. Papiere im Wert von über einer Billion Dollar hat China mittlerweile angehäuft. Doch angesichts der anhaltenden Dollarschwäche sieht sich das Land zunehmend nach anderen Anlagen um - oder wirbt gar für eine globale Abkehr von der US-Währung. Außenministerin Hillary Clinton bat daher vor ihrer Reise nach Peking die Chinesen inständig, treuer Abnehmer der US-Anleihen zu bleiben. Menschenrechte hingegen sprach Clinton kaum an.
Peking bestellte den US-Botschafter zum Rapport
Ähnlich zurückhaltend gab sich Obama auf seiner China-Reise im November. Er ließ sogar zu, dass die chinesische Regierung bei einer Bürgersprechstunde in Shanghai treue kommunistische Studenten als Fragesteller auswählte - die den US-Besucher prompt mit Kritik überhäuften.
Nun aber droht ein härterer Kurs. "Große Probleme mit einem großen China", titelt das einflussreiche US-Fachblatt "Foreign Policy". Washington wird Waffensysteme im Wert von 6,4 Milliarden Dollar an Taiwan verkaufen - das Peking nach wie vor als abtrünnige Provinz ansieht. Die chinesische Regierung setzte prompt die militärische Zusammenarbeit mit den USA aus und bestellte den amerikanischen Botschafter in Peking zum Rapport ein. Dennoch soll auch der Dalai Lama noch in diesem Monat einen Termin bei Obama erhalten.
Außerdem muss Peking in kniffligen Fragen, die beide Weltmächte bislang eher allgemein diskutierten, bald Farbe bekennen - etwa, ob es schärfere Sanktionen gegen Irans Nuklearprogramm mit trägt. Es stehe eine "rauere" Phase in den Beziehungen bevor, sagt Kenneth Lieberthal, Chinaexperte bei der Brookings Institution in Washington.
"Triumphgeheul" der Chinesen wurmt die Amerikaner
Die Handelsstreitigkeiten nehmen ebenfalls zu. Erst erhob die Regierung Obama vorigen September Strafzölle auf importierte Reifen aus China. Die Chinesen wiederum verhinderten, dass Coca-Cola einen chinesischen Safthersteller kauft. Präsident Obama klagte gerade ungewohnt offen, die Chinesen müssten endlich ihre Währung aufwerten, um sich nicht weiter Exportvorteile zu verschaffen.
Die wachsende Kluft zwischen China und den USA bei der Bewältigung der Weltfinanzkrise verschärft die Spannungen. Zwar mehren sich auch in Peking Stimmen, die Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Wirtschaftsbooms dort äußern. Doch US-Regierungsvertreter sprechen hinter vorgehaltener Hand von einem neuen "Triumphgeheul" der Chinesen - gespeist von der Überzeugung, dass sie die globale Wirtschaftskrise viel schneller bewältigt haben als die Amerikaner. Diese Einstellung habe sich auch im aggressiven Verhalten der chinesischen Delegation während der Weltklimakonferenz in Kopenhagen offenbart. Dort schickten die Chinesen zu wichtigen Verhandlungen nachrangige Diplomaten und düpierten so die Amerikaner.
Ähnliches wiederholte sich bei den Uno-Verhandlungen zu Irans Nuklearprogramm. Auch auf einen Routinebericht des Pentagon, der Fragen zu Chinas militärischen Ambitionen aufwarf, reagierten die Machthaber in Peking betont verärgert. Ihren Kuschelkurs mit Diktaturen wie Burma oder Sudan setzen sie ohnehin fort - und verweigerten gleichzeitig Debatten über angebliche chinesische Hackerangriffe auf die Internetsuchmaschine Google.
Daher fragen Asienexperten in Washington immer lauter, ob China ein verantwortungsvoller Akteur auf der Weltbühne sein will. Doch Peking kann sich auf Fakten stützen. "Wir tun oft, als ob China und die USA vor denselben Herausforderungen stehen. Aber das ist gar nicht der Fall", sagt Xu Xiaonian, Ökonom an der China Europe International Business School. Die Zeitung "People's Daily" prahlt, die Weltfinanzkrise habe die Schwächen des Westens offenbart.
Der US-Mittelstand braucht ausländische Investoren dringend
David Gordon von der Eurasia Group in New York sieht Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA gar als größte geopolitische Herausforderung des kommenden Jahres. "So lange wir zehn Prozent Wachstum in China und zehn Prozent Arbeitslosigkeit in den USA kurz vor den Kongresswahlen haben, wird das die Beziehungen zwischen China und USA negativ beeinflussen", sagt Gordon in einem Interview mit Bloomberg News.
Das erinnert viele Experten an die achtziger Jahre, als in den USA die Angst vor dem Aufkauf ihres Landes durch das aufstrebende Japan umging. Damals widmeten sich Bücher und sogar Hollywood-Filme der "gelben Gefahr". Auf dem Capitol Hill, dem Sitz des amerikanischen Parlaments, war Japan-Schelte schwer in Mode.
Das war bis vor einigen Jahren in puncto China ähnlich. Chinesische Firmen, die in den USA expandieren wollten, wurden bisweilen offen der Spionage verdächtigt.
Nun protestieren zwar immer noch Politiker wie New Yorks Senator Charles Schumer gegen staatliches Konjunktur-Fördergeld für eine Windfarm in Texas, deren Turbinen vor allem aus China kommen. "Dieses Geld soll Jobs in Amerika schaffen", protestiert Schumer. Doch derlei Töne sind eher die Ausnahme geworden - woran ein härterer China-Kurs der Regierung Obama wenig ändern dürfte. Vor allem der US-Mittelstand ist angesichts der Finanzklemme daheim auf ausländische Investitionen und neue Absatzmärkte dringend angewiesen.
"Die Chinesen haben aus den Fehlern der Japaner gelernt"
Das begreifen auch US-Abgeordnete. Der Demokrat Earl Blumenauer, Vertreter Oregons im Repräsentantenhaus, sagt der "Washington Post": "China ist Oregons größter Absatzmarkt. Man kann es einfach nicht ignorieren." In 85 Prozent der US-Kongressbezirke, hat der US-China Business Council ausgerechnet, sind die Exporte nach China gestiegen.
Außerdem agieren die Chinesen vorsichtiger als einst die Japaner. Sie schotten etwa ihren eigenen Markt nicht für amerikanische Investoren und Händler ab. Tim Adams, Chef der Washingtoner Beratungsfirma Lindsey Group, sagt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Die Chinesen haben aus den Fehlern der Japaner gelernt, sie riskieren etwa in den USA keine Investitionen, die öffentlichen Aufruhr erzeugen würden - wie einst der Erwerb des Rockefeller Center in New York durch die Japaner." Zudem gibt China viel Geld aus, um sich US-Parlamentarier gewogen zu halten. Die Lobby-Ausgaben des Landes sind explodiert, China hat sich eine neue 200 Millionen Dollar teure Botschaft in Washington gegönnt.
"Mit Chinas Aufstieg steigt auch sein Einfluss auf dem Capitol Hill", schlussfolgert die "Washington Post". Ein Beispiel: Das US-Repräsentantenhaus debattierte vor kurzem eine Resolution zum Gedenken an den 2560. Geburtstag des chinesischen Philosophen Konfuzius - sie wurde einstimmig verabschiedet.
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Habe ich Sie gerade richtig verstanden, dass die Indianer in Amerika nicht massakriert wurden, sondern einfach so verstorben sind....weil sie krank wurden?? Das ist starker Tobak, Mister. mehr...
Indien ist im Moment die wohl am meisten ueberschaetzte Nation der Welt. Sie ist in ihrer Reproduktionsrate einsame Spitze, aber offensichtlich unfaehig, sich gezielt zu organisieren. Zuviel Kastenbarrieren, religioese [...] mehr...
China wird sich nicht mit den USA einlassen, um die Welt nach deren Gusto zu manipulieren. Die USA werden sich schon allein aus Alleinallmachtsgedanken und Weltrettertraeumen nicht so weit strecken, um mit derjenigen Macht zu [...] mehr...
Da wollten die Nord Koreaner doch tatsächlich die FIFA austricksen und einen Stürmer als Torwart nominieren. Wenn das geklappt hätte, ja dann hätte Brasilien kaum eine Chance gehabt. lol mehr...
Also; Die Nord Koreaner konnten sich nur eine Herberge leisten in der alle Spieler zusammen in einem Raum wohnten und schliefen..... Als es dann ins Halbfinale gab es einige Sposoren und Gelder und man konnte sich luxurioese [...] mehr...
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