ThemaEU-KommissionRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
14.01.2010
 

EU-Kommission

Oettinger will Energiepolitik neu ausrichten

Politiker Oettinger: Umfassender Richtungswechsel in der Energiepolitik angekündigtZur Großansicht
dpa

Politiker Oettinger: Umfassender Richtungswechsel in der Energiepolitik angekündigt

Die Energiepolitik der Europäischen Union soll sich nach dem Willen des designierten Ressortchefs Günther Oettinger grundlegend ändern. Bei einer Anhörung vor dem EU-Parlament stelle er seine Vision für die kommende Amtszeit vor. Ein wichtiger Teil davon: den CO2-Ausstoß drastisch zu senken.

Brüssel - Der designierte EU-Energiekommissar Günther Oettinger will die europäische Energiepolitik neu ausrichten. "Wir brauchen den umfassenden Richtungswechsel", sagte Oettinger am Donnerstag in Brüssel bei der Anhörung im Europaparlament. Notwendig seien eine kohlenstoffarme Wirtschaft, mehr Energiesicherheit und europäische Solidarität bei der Energieversorgung. Oettinger nannte "drei Säulen" für die kommenden fünf Jahre seines Mandats: Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit.

Das Europäische Parlament prüft bis kommende Woche, ob das von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso präsentierte Team zur Führung der mächtigen EU-Exekutive geeignet ist. Das Parlament kann bei Zweifeln an der Fähigkeit einzelner Kandidaten das gesamte Gremium ablehnen. Das Europaparlament soll am 26. Januar über die neue EU-Kommission abstimmen. Das Kollegium soll dann am 1. Februar die Arbeit aufnehmen.

Oettinger bekannte sich zu den Klimaschutzzielen der Europäischen Union. "Es ist wichtig, die ehrgeizigen Ziele umzusetzen", betonte der CDU-Politiker. Mit dem Vertrag von Lissabon beginne im Bereich der Energiepolitik innerhalb Europas ein neues Kapitel. Die EU will den Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. "Das zu erreichen, ist Ihre und meine Aufgabe", sagte Oettinger und kündigte einen "neuen, fokussierten Aktionsplan" an. "Ich halte darüber hinausgehend weitere Ziele für richtig", sagte Oettinger. Das Wüstenprojekt Desertec in Nordafrika etwa könne eine "großartige Chance" für Afrika und die EU sein.

Oettinger pocht auf seine Unabhängigkeit

Realität sei heute die Abhängigkeit Europas von fossilen Rohstoffen und damit Importen. "Wir müssen die Abhängigkeit von Russland mindern, ohne uns von der Partnerschaft zu Russland zu lösen", forderte Oettinger. Dazu gehöre "bevorzugt" der kaspische Raum.

Notwendig sei eine "Europäisierung der Energiepolitik", besonders bei der Stärkung der Energiesicherheit. Dies habe eine innen- und eine außenpolitische Dimension. Es dürfe hier keine "Insellösungen" mittels "bilateraler Verträge" geben. "Das sage ich gerade auch mit Blick auf mein Herkunftsland."

"Die Energiepolitik ist für die Europäische Union von herausragender Bedeutung", sagte Oettinger. "Zum einen als Branche selbst, zum anderen als Faktor für die Wirtschaft, für den Verbraucher und für Ziele der Ökologie und Nachhaltigkeit."

Der Grünen-Abgeordnete Claude Turmes warf dem scheidenden baden-württembergischen Ministerpräsidenten vor, es sei "ein offenes Geheimnis", dass er "enge Verbindungen" etwa zu E.on-Chef Wulf Bernotat unterhalte. "Ich bin der von Deutschland vorgeschlagene Kommissar, aber mit europäischen Verpflichtungen", erwiderte Oettinger. Er habe keine Aktien bei E.on, RWE, EnBW oder Vattenfall. "Ich bin unabhängig."

"Ich sehe mich als Moderator, nicht als Botschafter für Kernkraft"

Zur Atomenergie sagte Oettinger, er "respektiere die Aufgabenverteilung" und dass Kernkraft Aufgabe der Mitgliedstaaten sei. Er machte aber auch klar, dass er sich um die Nuklearsicherheit und -Forschung kümmern wolle sowie um Lösungen bei der Endlagerung. "Ich sehe mich als Moderator, nicht als Botschafter für Kernkraft", sagte er.

Oettinger wies Kritik zurück, sein Portfolio sei von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zusammengestrichen worden. "Ich glaube, dass das Portfolio ein wachsendes ist. Ich habe die feste Absicht, es zu einem handlungsfähigen zu machen", sagte er. Es dürfe keine "kleinkarierten Abgrenzungssorgen" zu anderen Portfolios wie Außen-, Forschungs- oder Binnenmarktpolitik geben.

Auf die Frage nach der Bedeutung von Biomasse für die Energieversorgung versprach Oettinger, diesen Bereich "sensibel und differenziert" anzugehen. Entscheidend sei, wie viel Natur für diese Substanz weichen müsse und ob die ökologische Gesamtbilanz dann noch positiv ausfalle. Zu beachten sei also sowohl die CO2-Komponente als auch die Nahrungsmittelpriorität. Generell aber könnte eine verstärkte Verwendung von Biomasse sinnvoll sein.

ffr/dpa/apn/AFP/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 297 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.01.2010 von perpendicle:

Backdoor leader Henry Kissinger hatte aber bemängelt " er wüsste nicht bei wem er bei der EU anrufen soll wenns mal brennt". Der Durchschnitts- EU bürger wäre wohl schon zufrieden wenn man das Genuschel auf [...] mehr...

29.01.2010 von EU-Austretter:

Die Nacktscanner werden nicht von (ohnehin gefakten) Terroristen eingeführt, sondern durch Politiker, und die haben es durch die EU leichter, da die eben noch weniger demokratisch ist als die Mitgliedsstaaten. [...] mehr...

17.01.2010 von versehen:

Sie schreiben diesen "Moloch-zu-Brüssel-und-seine-Lysander"-Beitrag doch sicher schon zum 100. Mal in diesem Forum, oder? Ihr endloses Gerede ist dermaßen langweilig und nichtssagend, ich frage mich, ob Ihnen das [...] mehr...

16.01.2010 von Diomedes: Europa ist aber keine Idee, sondern eine Wirklichkeit als Kultur- und Staatenwelt!

Die EU schade der europäischen Idee, sagen Roman H. und seine Freunde: Man könnte diesen allzu voreiligen Apologeten der Einigung Europas die Schriften Oswald Spenglers nahe legen oder ihnen empfehlen sich selbst über die [...] mehr...

16.01.2010 von Diomedes: Die Aufrichtung eines Molochs hat begonnen...

Er wandelt sich, der bürokratische Moloch zu Brüssel und mit ihm seine Lysander: Gestern war er bloß ein Sumpf aus regelwütigen Bürokraten, Ineffizienz, Korruption und faulen Scheinvolksvertretern, nun, da der Reformvertrag von [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema EU-Kommission

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Barroso und seine EU-Kommissare

Kommissionspräsident

José Manuel Barroso , Portugal, Präsident der EU-Kommission

Stellvertreter des Präsidenten

Wirtschaft, Handel, Industrie, Energie

Haushalt, Verwaltung, Struktur, Erweiterung

Umwelt, Klima, Entwicklung, Bildung, Forschung

Landwirtschaft, Fischerei, Gesundheit

Inneres, Zoll

Soziales, Humanitäre Hilfe


Vertrag von Lissabon

EU-Ratspräsident

EC
Um mehr Kontinuität in die Arbeit der EU zu bringen, wird die Europäische Union künftig einen ständigen Ratspräsidenten haben. Er soll zweieinhalb Jahre den Europäischen Rat leiten. Zusätzlich gibt es weiterhin eine alle sechs Monate unter den Staaten rotierende Präsidentschaft.

Hoher Repräsentant für die Außenpolitik

EU-Kommissare

EU-Parlament

Kompetenzen

Mehrheitsentscheidungen

Stimmrechte

Verfügungsklauseln

Bürgerrechte

Vorrang des EU-Rechts

Beitritt und Austritt






TOP



TOP