• Drucken
  • Senden
  • Feedback
17.01.2010
 

Zwischenfall in Afghanistan

Bundeswehr erschießt Autofahrer an Straßensperre

Deutsche Soldaten haben in Kunduz einen Mann erschossen und einen weiteren verletzt. Nach Angaben der Armee waren die beiden in einem Auto auf eine Straßensperre der Bundeswehr zugerast und hatten nicht auf Stopp-Signale und Warnschüsse reagiert.

Kunduz - Schwerer Zwischenfall im Einsatzgebiet der Bundeswehr bei Kunduz: An einer Straßensperre haben deutsche Soldaten das Feuer auf einen Wagen eröffnet. Dabei wurden zwei Menschen verletzt, einer der beiden Männer erlag später seinen Verletzungen im zivilen Krankenhaus in Kunduz.

Nach Angaben eines Bundeswehr-Sprechers hatten die Soldaten eine Warnung über einen geplanten Selbstmordanschlag erhalten und einen Checkpoint errichtet. Daraufhin habe sich eine Autoschlange gebildet. Einer der Wagen sei aus der Schlange ausgeschert und dann mit hoher Geschwindigkeit auf die Soldaten zugefahren. Trotz Handzeichen und Warnschüsse habe der Fahrer nicht angehalten. Daraufhin eröffneten die Soldaten das Feuer.

Bundeswehr-Sprecher Jürgen Mertins sagte, die afghanische Polizei ermittele, ob es sich bei den Männern um Aufständische gehandelt habe. "Die Internationale Schutztruppe (Isaf) wird mit den Familien der Betroffenen Verbindung aufnehmen."

Ein von der Bundeswehr angeordnetes Bombardement auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklaster im vergangenen September hatte eine scharfe Debatte ausgelöst. Unter den bis zu 142 Toten des Angriffs waren nach Nato-Angaben auch Zivilisten. Nach Informationen des SPIEGEL hatte der befehlshabende Bundeswehr-Oberst Georg Klein vor dem Angriff bewusst Falschangaben gemacht. Laut Nato-Untersuchungsbericht, der dem SPIEGEL vorliegt, gestand der Oberst ein, sich durch Erwähnung eines nicht vorhandenen Feindkontakts die Unterstützung der US-Luftwaffe gesichert zu haben.

Zu einem weiteren tödlichen Zwischenfall an einer Straßensperre kam es in der südafghanischen Provinz Helmand. Auch dort eröffneten Isaf-Soldaten das Feuer auf ein schnell heranfahrendes Fahrzeug, teilte die Nato mit. Der Fahrer wurde getötet, die fünf anderen Insassen nicht verletzt.

Bereits am Freitag war ein Einheimischer in der Region Kunduz von Bundeswehrsoldaten bei einem ähnlichen Zwischenfall durch Schüsse verletzt worden. Dabei hatten die Soldaten bei Kunduz das Feuer auf ein Auto eröffnet, das sich nach Angaben der Bundeswehr mit hoher Geschwindigkeit einem Überwachungspunkt näherte. Der afghanische Fahrer des Wagens wurde dabei verletzt. In Afghanistan sind im Rahmen der ISAF derzeit rund 4300 deutsche Soldaten im Einsatz.

ore/dpa/apn/AFP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 5467 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.04.2010 von ANDIEFUZZICH: Mobat war besser

In Bezug auf das Ausländer raus sind sie sich durchaus einiger, als die bundesrepuplikanische Gesellschaft. Beim Nachlesen ihrer Postings beschleicht mich obendrein der Verdacht, dass sie selber möglicherweise gar nicht vor Ort [...] mehr...

12.04.2010 von nachthai:

Nach dem deutschen Versagen im Norden, einen solchen Beitrag abzudrücken ist deutlich mehr als Realitätsignorant! mehr...

12.04.2010 von archelys: Das Verbrechen ist aus der Sicht der Verbrecher nicht unsinnig

Sie benutzen den Begriff "Unsinn" hier im Sinne unvernünftigen Handelns. Aus der Sicht der Afghanistan-Krieger ist er nicht unsinnig, man verrät uns allerdings den Eigensinn nicht, der ihm zugrunde liegt, weil wir ihn [...] mehr...

12.04.2010 von triztan: ..., darunter auch Kinder und Frauen.

Es gab XX Tote, darunter auch Kinder und Frauen. Ein vermeintlicher Standardsatz. Doch was will er uns sagen? Sind (a) keine Männer gestorben? Oder ist es (b) halb so schlimm, wenn Männer sterben?? In Zeiten der [...] mehr...

12.04.2010 von viceman: "wir" kämpfen nicht für ein

"freies afghanistan" - sie auch nicht! wenn sie was vom aktuellen krieg sehen wollen, dann empfehle ich: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,688532,00.html das ist die freiheit , der frieden ( o.ä. dummschwätz ) [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Bundeswehreinsatz in Afghanistan

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz

CDU/CSU: Abzugsdatum offen lassen

Die Union will die Gefahr bannen, dass "Instabilität und Terror" von Afghanistan aus auch auf Deutschland ausstrahlen. Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, dass militärische Sicherheit und ziviler Aufbau voneinander abhängig seien. "Ohne Sicherheitspräsenz ist kein Wiederaufbau, ohne Erfolge beim Wiederaufbau keine Reduzierung der Sicherheitspräsenz möglich." CDU und CSU wollen den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. Sie machen vielmehr "tragfähige staatliche Strukturen" zur Voraussetzung für eine "spätere Reduzierung und schließlich zur Beendigung" des militärischen Engagements. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte im September 2009 aber eine deutliche Verbesserung der Lage bis zum Jahr 2014.

SPD: In zehn Schritten zum Abzug

FDP: "Mehr Tempo"

Grüne: Strategiewechsel zu mehr zivilem Engagement

Linke: Soldaten raus aus Afghanistan


Karzai und Afghanistan

Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren

Hamid Karzai

Präsidentschaftswahlen

Isaf-Einsatz

Probleme in Afghanistan

Opium-Wirtschaft

Afghanistan-Krieg





TOP



TOP