Von Matthias Gebauer und Shoib Najafizada
Kabul/Berlin - Immer wieder erschüttern Explosionen Kabul, Gewehrschüsse hallen durch die Straßen, Polizeisirenen heulen. Vor der eindrucksvollen Bergkette des Hindukusch steigen dunkle Rauchwolken in den wolkenlosen Himmel. Es waren Kriegsszenen, die sich an diesem Montagmorgen in der Hauptstadt Afghanistans abspielten, und die Bilder davon gingen um die Welt .
Es waren genau jene Bilder, auf die die Taliban gehofft hatten: Stundenlang hielten sie mit nur rund 20 Kämpfern die Sicherheitskräfte Afghanistans, die Nato-Truppen und den hilflosen Präsidenten Hamid Karzai in Atem. Es war "ein tragischer Tag für das Land", sagt ein Polizist. Wieder einmal.
Denn was sich seit 9.30 Uhr Ortszeit in der Hauptstadt abspielte, war wohl die bisher am besten organisierte Attacke der Taliban auf die Regierung in Kabul. Mehrere Kleingruppen der Radikal-Islamisten waren in die schwer gesicherte Stadt eingedrungen. Jedes Team hatte ein anderes Ziel. Fast gleichzeitig zündeten dann Selbstmordattentäter vor mehreren Regierungsgebäuden, dem "Serena"-Hotel, zwei Einkaufszentren und der Nationalbank ihre Sprenggürtel. Danach drangen weitere bewaffnete Kämpfer in die Gebäude ein und lieferten sich stundenlange Gefechte mit der Polizei.
Zahlreiche Tote und Verletzte
Innerhalb von Minuten versank die Hauptstadt im Chaos. Die schlecht organisierte Polizei versuchte, die Kampfschauplätze im Regierungsviertel von Kabul abzuriegeln. Doch mehrere Attentäter konnten sich in der Nationalbank und in einem der beiden Shopping-Center verschanzen. Immer wieder explodierten Sprengsätze, aus den Fenstern des Frashga-Markets schlugen Flammen. Zumindest im "Serena"-Hotel soll es keine Verletzten gegeben haben, die Gäste wurden umgehend in einen Bunker unter dem Gebäude evakuiert.
Die Bilanz des Tages: Nach offiziellen Angaben starben mindestens sieben Aufständische, vier Sicherheitskräfte und ein Zivilist. Mindestens 36 Menschen, darunter Polizisten und Soldaten, wurden bei den Gefechten verletzt. Die Zahl der Opfer könnte noch steigen.
Gezielt Krankenwagen und gepanzerte Regierungsfahrzeuge gestohlen
In den stundenlangen Kämpfen mit der Polizei wurden am Ende vermutlich alle Angreifer getötet. Das Verteidigungsministerium sprach von sieben Taliban, doch vermutlich waren es wesentlich mehr. Ein Sprecher der Aufständischen sprach von mindestens 20 Kämpfern, welche mit der Operation "gegen die wichtigsten Einrichtungen der Regierungen in der Hauptstadt" vorgegangen seien. Immer wieder hatte sich der Taliban-Sprecher seit Ausbruch der Kämpfe am Montag bei Journalisten gemeldet und Details der Operation geliefert, die seinen Angaben nach von langer Hand geplant gewesen sei.
Eine erste Analyse des Angriffs durch westliche Diplomaten bestätigt diese Angaben. Demnach hatten die Taliban in den vergangenen Wochen gezielt Krankenwagen und gepanzerte Regierungsfahrzeuge gestohlen, um mit diesen am Tag des Angriffs Kämpfer, Waffen und Sprengstoff durch die zahllosen Sicherheitskontrollen rund um Kabul und im Zentrum der Stadt zu bringen. Vor den Krankenwagen wurden Botschaften explizit gewarnt. Dass sie geballt für eine Attacke eingesetzt würden, hatte jedoch niemand geahnt.
Die Attacke erinnerte an einen konzertierten Überfall der Taliban auf die Hauptstadt vor ziemlich genau einem Jahr. Damals hatten acht Selbstmordattentäter die Stadt infiltriert und mehrere Ministerien angegriffen. Die schlecht ausgerüstete Polizei bekam die Situation erst nach zwei Stunden unter Kontrolle, rund 20 Menschen kamen damals ums Leben. Jetzt, ein Jahr später, hielt das Chaos noch länger an - und niemand ist sich sicher, dass die Polizei alle Kämpfer gefunden hat. "Sicherheit", so ein westlicher Diplomat, "gibt es in Kabul nicht mehr".
Karzai betont Sicherheit im Land
Die meisten Analysten nennen als Motiv für den Zeitpunkt der Attacke, dass der angeschlagene Präsident Karzai an diesem Montag in seinem zur Festung ausgebauten Palast die ersten Minister seines neuen Kabinetts vereidigen wollte. Karzai war am Wochenende erneut mit mehreren seiner Vorschläge für zukünftige Minister am Parlament gescheitert. Dennoch wollte er zumindest die Kandidaten für die Schlüsselposten wie dem Innen- oder dem Verteidigungsressort ernennen.
Der Präsident ist spätestens seit den massiven Wahlmanipulationen und seiner sturen Reaktion auf internationale Kritik bei der internationalen Gemeinschaft in Ungnade gefallen. Auch jetzt reagierte er wieder mit Trotz. Als seine Behörden mit viel Mühe nach rund fünf Stunden die Taliban-Kämpfer endlich zurückgeschlagen hatten, ließ Karzai mitteilen, er habe die Sicherheit wiederhergestellt. Die Afghanen müssten sich nicht sorgen. Während keinen Kilometer von seinem Amtssitz Krieg herrschte, schwor Karzai trotzdem die Minister ein.
Rückschlag für Karzais Versöhnungsprogramm
Gleichzeitig ist der Angriff Rückschlag für Karzais Vorhaben, ein Versöhnungsprogramm mit den Taliban aufzulegen. Erst am Sonntag hatte ein Sprecher des Präsidenten einen neuen Anlauf für Gespräche mit den Taliban angekündigt und Kämpfern, die sich von der Bewegung lösen, Anreize wie finanzielle Unterstützung und Arbeitsplätze versprochen. Die Radikal-Islamisten haben bisher alle Gesprächsangebote zurückgewiesen. Ihre Bedingung für jede Art von Verhandlungen, so die immergleiche Linie, ist ein sofortiger Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan.
Vor der Afghanistan-Konferenz in London war der Tag in Kabul außerdem ein Beweis dafür, wie zerbrechlich die Sicherheit selbst in der Hauptstadt ist. So gern die Politiker in London auch über Abzugsperspektiven für die Nato-Truppen diskutieren möchten, so deutlich zeigten die Taliban, dass dieses Vorhaben derzeit kaum realistisch erscheint. Zu prekär ist die Sicherheitslage. Mittlerweile ist noch nicht mal mehr klar, ob ein geplantes Treffen der Afghanistan-Sonderbeauftragten, die sich am Mittwoch in Kabul auf ungefähre Ziele für die London-Konferenz einigen sollten, überhaupt stattfinden kann.
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Gerhard Schröder hat die Teilnahme an der amerikanischen Iraktournee zurecht abgesagt. Also sind keine deutschen Truppen an einem illegal vom Zaun gebrochenen Krieg beteiligt. (Sehen wir mal von den paar kleinen [...] mehr...
Einen Erfolg könnte ich erkennen, wenn unsere frommen Mohammedaner hier in Deutschland einmal in die Hufe kämen und sich lautstark über diese verbrecherischen ISLAMISTEN äußern und empören würden. Als Reisende haben sie [...] mehr...
Wenn Afghanistan nicht besetzt ist, was machen eigentlich all die ausländischen Truppen da? mehr...
Mit Differenzierungen haben Sie es ja nie so genau genommen. Und wieviele us-amerikanische und britische Zeitungen haben damals die Lügen über die irakischn Massenvernichtungswaffen (ab)geschrieben? Wahrscheinlich war die [...] mehr...
Nicht die Times, aber den Reporter. Auch sollte man nicht mehr aus dem Artikel herauslesen, als wirklich drinsteht. Auch ich halte Achmedineschad für die Pest. Aber wie einst Hitler keine Waffen an potentielle Gegner [...] mehr...
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