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18.01.2010
 

Deutsch-israelische Kabinettssitzung

Merkel und Netanjahu drohen Iran mit Sanktionen

Israels Ministerpräsident Netanjahu und Kanzlerin Merkel: Historisches Treffen in BerlinZur Großansicht
dpa

Israels Ministerpräsident Netanjahu und Kanzlerin Merkel: Historisches Treffen in Berlin

Nahost-Konflikt, Streit mit Iran, wirtschaftliche Zusammenarbeit: Deutschland und Israel sind zu Regierungskonsultationen in Berlin zusammengekommen. Bei der historischen Sitzung lobten beide Länder die guten Beziehungen - und mahnten Teheran, im Atomstreit nachzugeben. Sonst drohten Sanktionen.

Berlin - Es war ein wichtiges Treffen in Berlin, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem "historischen Moment". Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich Deutschland und Israel zu einer Kabinettssitzung auf deutschem Boden getroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte am Montag dann auch die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. "Es ist ein Glück, dass wir heute mit einer israelischen Regierung so eng kooperieren können", sagte sie nach dem Treffen. Besonders im Fokus: der Atomstreit mit Iran.

Netanjahu forderte unverzüglich Sanktionen gegen Iran. "Wenn wir Sanktionen nicht jetzt verhängen, und zwar harte Sanktionen gegen die iranische Tyrannei, wann denn dann?" Zu den iranischen Bestrebungen, atomwaffenfähiges Uran anzureichern, sagte Netanjahu, dass Teheran "auf keinen Fall in den Besitz von Nuklearwaffen" gelangen dürfe. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt zeigen, dass sie entschlossen handeln wolle.

Merkel zeigte sich zu Strafmaßnahmen bereit, falls Iran im Streit über sein Atomprogramm nicht nachgebe. Zwar wünsche man einen Beschluss der Strafmaßnahmen im Rahmen des Uno-Sicherheitsrates, doch sollte das nicht möglich sein, dann werde Deutschland sich auch mit Ländern, die das gleiche Ziel verfolgten, an solchen Sanktionen beteiligen.

Merkel appelliert, Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen

Zur Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses bekannten sich beide. Netanjahu sagte, Israel knüpfe "keine Vorbedingungen" an den Beginn von Friedensverhandlungen. Merkel mahnte, das Zeitfenster für Verhandlungen jetzt zu nutzen. Sie merkte kritisch an, dass man von Israel in der Frage eines Siedlungsbaustopps mehr erwarten würde, aber: "Wir erkennen auch an, dass Israel wichtige Schritte getan hat, um den Verhandlungsprozess wieder in Gang zu bringen." Sie verwies darauf, dass Anfang Februar auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach Berlin kommen werde. Ihm werde man auch sagen, dass die Möglichkeit nicht ungenutzt verstreichen dürfe.

Merkel betonte nach einem Gespräch mit Netanjahu die Vielfalt und Zukunftsfähigkeit der bilateralen Beziehungen. Die "erfolgreichen Konsultationen" hätten zahlreiche Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft und Forschung angestoßen. Als Beispiel nannte die Kanzlerin einen für 2010 geplanten "Innovationstag" für israelische mittelständische Unternehmen in Deutschland.

An den Regierungskonsultationen nahmen auf beiden Seiten mehrere Minister teil. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle empfing die israelischen Minister für Industrie, Handel und Arbeit sowie für nationale Infrastruktur. Brüderle stellte fest, dass das israelische Interesse an Investitionen in Deutschland stark zugenommen habe. 2008 belief sich das deutsch-israelische Handelsvolumen auf 4,3 Milliarden Euro, wobei auf die deutschen Exporte rund 2,7 Milliarden Euro entfielen. Außenminister Guido Westerwelle traf sich ebenfalls mit seinem Amtskollegen Avigdor Lieberman.

Besuch beim Holocaust-Mahnmal

Netanjahu hatte am Mittag auch das Holocaust-Mahnmal in der Hauptstadt besucht. Insgesamt fielen dem Massenmord der Nationalsozialisten etwa sechs Millionen Menschen zum Opfer. Netanjahu sagte, Deutschland habe "nicht einen Moment gezögert, sich dem dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit zu stellen", um eine bessere Zukunft zu bauen.

Die erste gemeinsame deutsch-israelische Kabinettssitzung hatte 2008 in Jerusalem stattgefunden. Der israelische Präsident Schimon Peres wird nach Mitteilung des Bundespresseamtes in der kommenden Woche die Bundesrepublik für drei Tage besuchen.

kgp/dpa/apn

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insgesamt 13 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.01.2010 von haerba: Was sind die Ergebnisse?

Für ein solch wichtiges Ereignis wie eine gemeinsame Kabinettssitzung wird auffallend wenig berichtet, leider auch im SPIEGEL-Artikel, nur Wortblasen. Mich würden schon die substantiellen Ergebnisse interessieren. Liefert z.B. [...] mehr...

19.01.2010 von mollusce: mmhhhh

zu Punkt 1: Gaza, das lässt sich nicht abstreiten (siehe Goldstone-Report) Punkt 2 und 3 sind allerdings schon etwas fragwürdig, LG.. mehr...

19.01.2010 von Emil Peisker: Sanktionslinie

Von Seiten Israels ist in Deutschland nicht mehr zu erwarten als die Drohung mit Sanktionen, wirtschaftlichen wohlgemerkt. Netanjahu spekuliert allerdings nicht auf wirtschaftliche Sanktionen, ihm geht es mehr darum, das [...] mehr...

18.01.2010 von uweschreiter: nanu

Kann mich mal bitte jemand kneifen! Seit wann halten ausländische Regierungen Kabinettssitzungen in Deutschland ab?? Das nächste Mal können sie gleich noch die Knesset mitbringen und wir vermieten den Reichsatag. Ach ja, wir [...] mehr...

18.01.2010 von Montanaman: Ein paar Fragen

1. Wo bitte sind die Israelis "Massenmörder"? 2. Wo bitte setzt die israelische Regierung gegen das "eigene Volk" am 9.11. Sprengstoff ein und Raketen? 3. Was "ursupiert" die israelische [...] mehr...

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Annäherung zwischen Israel und Deutschland

1952

Im Luxemburger Wiedergutmachungsabkommen verpflichtet sich die Bundesrepublik zur Zahlung von 3,45 Milliarden Mark an den vier Jahre zuvor gegründeten Staat Israel. In den folgenden 40 Jahren überweist Deutschland angesichts des Holocausts weitere 100 Milliarden Mark Entschädigung.

1960

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1985

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Irans Atomprogramm

Streit

AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen

Geschichte

Sanktionen

Nahost

Personen

Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung






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