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22.01.2010
 

Wall-Street-Wut

Kampfansage an Banker soll Obama retten

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

US-Präsident Obama: "Die Menschen sind frustriert und sie sind verärgert"Zur Großansicht
REUTERS

US-Präsident Obama: "Die Menschen sind frustriert und sie sind verärgert"

Barack Obama prügelt auf die Banken ein, droht ihnen mit der Zerschlagung. Die populistische Attacke kann die Probleme des US-Präsidenten kaum überdecken: Schon ein Jahr nach Amtsantritt muss der Hoffnungsträger um die Wiederwahl fürchten. Parteifreunde mahnen einen Kurswechsel an.

Der Präsident ist zu Scherzen aufgelegt. Barack Obama steht im East Room des Weißen Hauses. Anwesend sind Bürgermeister aus allen großen Städten der USA. Der Gastgeber schaut sie verschmitzt an. "Immer wenn die Bürden der Präsidentschaft besonders schwer scheinen", sagt Obama, "erinnere ich mich daran, dass es noch schlimmer sein könnte. Ich könnte auch ein Bürgermeister sein."

Seine Gäste lachen dankbar, sie sind froh, dass Obama ihre große Verantwortung würdigt. Doch das Lächeln des Präsidenten wirkt etwas gekünstelt. Kein Wunder, denn die Bürde seines Amtes erscheint derzeit besonders schwer.

Just ein Jahr nach dem Einzug ins Weiße Haus steht die Regierung Obama bereits am Scheideweg. Auf magere 46 Prozent sind seine Beliebtheitswerte abgesackt. Die Wahlschlappe in Massachusetts, wo der nahezu unbekannte Republikaner Scott Brown Obamas Demokraten den Senatssitz ihrer verstorbenen Ikone Ted Kennedy wegschnappte, hat die Machtverhältnisse in Washington durcheinander gewirbelt - zu Obamas Ungunsten. Die komfortable Senatsmehrheit von 58 Demokraten und zwei unabhängigen Vertretern, die in der Regel mit ihnen stimmten, verhinderte bislang Blockadeversuche der Republikaner. Das ist nun vorbei.

"Die Menschen sind frustriert und verärgert"

Seither tobt in Obamas Team eine Debatte, ob der Präsident seine "Change"-Agenda bereits beschneiden muss, vor allem die umstrittene Gesundheitsreform. Es geht darum, wie Obama das Vertrauen des Volkes wieder gewinnen kann. Schließlich haben sich vor allem moderate Wähler in Scharen von ihm abgewendet.

"Die Menschen sind frustriert und verärgert", analysiert Obama in einem Interview mit ABC News. Er räumt ein: "Wir waren mit der Krisenbewältigung so beschäftigt, dass wir es versäumt haben, direkt mit den US-Bürgern über ihre Werte zu sprechen - und zu erklären, warum wir sicherstellen müssen, dass diese Institutionen mit diesen Werten übereinstimmen." Mit "diesen Institutionen" meint Obama die Banken an der Wall Street.

185 Milliarden Dollar Bonuszahlungen haben die Geldkonzerne gerade an ihre Angestellten ausgeschüttet. Auch weil die Verursacher der Weltfinanzkrise wieder ungehemmt prassen, sinken Obamas Zustimmungswerte. Die Wahlanalysen aus Massachusetts zeigen: Viele Amerikaner werfen dem Präsidenten vor, dass seine Regierung zwar viele Milliarden Dollar zur Krisenbewältigung ausgebe - doch die Gelder bei den Falschen ankämen.

Attacke auf die Banken-Branche

Obama scheint nun entschlossen, diesen Eindruck möglichst rasch zu ändern. "Nie mehr darf der US-Steuerzahler Geisel einer Bank sein", sagt er am Donnerstag. Nie wieder sollten die Institute so groß werden, dass der Staat sie in einer Krise unter allen Umständen retten müsse. Obama verspricht, risikoreichen Aktivitäten der Finanzkonzerne zu zügeln, das riskante Investmentbanking stärker von den anderen Geschäften abzuspalten. Er fügt kämpferisch an die Adresse der Bankenvertreter hinzu: "Wenn diese Leute auf Konfrontation aus sind, dann können sie das haben."

Es heißt, dass Chefberater David Axelrod dem Präsidenten zu diesem populistischeren Kurs geraten hat. Doch die Worte verraten auch ein Gefühl von Ohnmacht. Weite Teile der geplanten Finanzmarktreform könnten durch die neuen Machtverhältnisse im Kongress blockiert werden. Außerdem muss die Regierung dringend Jobs schaffen. Noch immer liegt die US-Arbeitslosenquote bei über zehn Prozent, ein ungeheurer Wert für amerikanische Verhältnisse. Der Eindruck, Obama kämpfe gegen die Wirtschaft des Landes, hilft dabei nicht.

Daher raten Parteifreunde dem Präsidenten bereits zu einem Schwenk in die Mitte - wie ihn einst Bill Clinton vormachte, der nach dem Rückschlag bei den Kongresswahlen 1994 "das Ende des big government" verkündete. Für einen solchen Kurs müsste der Demokrat wohl Teile seiner Agenda opfern - die allein fürs erste Amtsjahr eine umfassende Reform des Gesundheitswesens, ein Klimaschutzgesetz, eine andere Energiepolitik und eine Neuordnung der Finanzmärkte vorsah.

Massachusetts als Weckruf

"Die Niederlage in Massachusetts sollte ein Weckruf für alle Demokraten sein, die von der Regierung zu viel fordern ", sagt die demokratische Senatorin Mary Landrieu aus Louisiana. "Wir müssen uns wieder auf unsere Kernaufgaben konzentrieren."

Doch wie sehen diese Aufgaben aus? In dieser Frage herrscht Uneinigkeit im Obama-Lager. Theoretisch könnte die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus der bereits beschlossenen Senatsfassung zur Gesundheitsreform zustimmen und diese dem Präsidenten zur Unterschrift vorlegen. Doch vielen Vertretern des linken Flügels der Demokraten passt der Entwurf nicht, der keine staatliche Krankenversicherung vorsieht. "Dafür haben wir nicht genug Stimmen", sagt denn auch Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses.

Überlegungen, mit Hilfe von Verfahrenstricks die Gesundheitsreform trotz der Massachusetts-Pleite noch schnell im Senat durchzupeitschen, verwerfen wiederum gemäßigte demokratische Senatoren.

Daher halten mittlerweile führende Demokraten gar ein Scheitern von Obamas wichtigstem Reformvorhaben nicht mehr für ausgeschlossen - es sei denn, das Weiße Haus zieht durch Zugeständnisse republikanische Abgeordnete auf seine Seite.

Republikaner auf Blockade-Kurs

Aber die Republikaner zeigen sich derzeit wenig kompromissbereit. Ihre Blockadehaltung scheint sich für sie schließlich auszuzahlen Am Donnerstag konnte die konservative Partei einen weiteren Triumph feiern. Der Oberste Gerichtshof urteilte, dass US-Firmen künftig weit großzügiger als bislang für Wahlkämpfe spenden dürfen. Davon dürften republikanische Politiker besonders stark profitieren, da sie als wirtschaftsnäher gelten.

Auch deswegen geben sich ihre Vertreter so stur. "Der Präsident hat bislang wenig Anstrengungen gemacht, mit den Republikanern ins Gespräch zu kommen", sagt Justin Sayfie, ein einflussreicher Republikaner aus Florida, SPIEGEL ONLINE. "Warum sollten wir ihm nun helfen, seinen falschen Kurs zu retten?"

Obama hat am kommenden Mittwoch Gelegenheit, in seiner Rede zur Lage der Nation den Regierungskurs zu erläutern. Eine Abkehr von der Gesundheitsreform ist nicht zu erwarten, zu oft hat Obama sie als seine Top-Priorität benannt. Doch er deutet in Interviews an, sich vielleicht auf ihre "Kernpunkte" zu beschränken.

Wie diese genau aussehen könnte, mag der Präsident im Moment aber noch nicht verraten. Als er seine Bemerkungen an die Bürgermeister beendet hat, sagt Obama seinen Gästen: "Die Kameras müssen jetzt ausgeschaltet werden - damit Sie mir alle die Wahrheit sagen können."

Wenige Sekunden später erlischt das Übertragungsbild.

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insgesamt 2125 Beiträge zum Forum...
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23.02.2010 von Sassy60: Harte Tour

Nachdem man das volle Ausmaß der Schäden, die Schußwaffen an menschlichen Körpern anrichten, gesehen hat, ist es einem sch...egal, ob diese legal oder illegal waren. Man wünscht sich nur, dass sie für immer weggeschlossen [...] mehr...

23.02.2010 von Montanabear: Ein Jahr Obama - die Bilanz

Die werten Foristen, obwohl bestrebt, sich zu bilden, vermeiden die GOP-website wie die Pest. Angst vor Aufklärung ? mehr...

23.02.2010 von Montanabear: Ein Jahr Obama - die Bilanz

Das ist nicht so. Ich hatte Ihnen einen link zu der Website der Black Republicans gegeben. Ihr Fehler ist daraus entstanden, daß Sie meinen, die Demokraten sind lieb und die Schwarzen sind lieb, also sind alle Schwarzen [...] mehr...

22.02.2010 von masshole:

Schon mal nach Osten geschaut? Fragen Sie doch mal die Europaer im Osten, so in Estland oder so... Die haben da klare Meinungen zu. mehr...

22.02.2010 von masshole:

Free speech und das Recht Waffen zu besitzen und tragen haben exakt gleichen Verfassungsrang. Das mag schwierig sein zu verstehen, aber so isses nun einmal. ---Zitat--- Ist Deutschland ne Diktatur? ---Zitatende--- Noch [...] mehr...

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Obamas erstes Jahr - Das sagen die Kommentatoren

USA - "Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf"

"Washington Post" "Der Erfolg der Konservativen sollte Liberale und die Obama-Regierung beunruhigen. Der Präsident hätte die wirtschaftliche Katastrophe viel früher zur Chefsache erklären müssen. Die meisten Amerikaner verstehen, dass diese Probleme begonnen haben, bevor er ins Weiße Haus eingezogen ist. Aber viele von ihnen, vor allem Wechselwähler, sind wütend, dass die Regierung so viel Geld ausgeben musste - und dass die Erfolge nicht so schnell eintreten wie erhofft."

"The Daily Beast" "Obama hat den Charakter des Landes völlig falsch eingeschätzt. Es gibt das Sprichwort: Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf. Das hat er nicht verstanden. Er war entschlossen, eine ganz neue Agenda zu verabschieden - um das wichtigste Anliegen hat er sich nicht gekümmert. Die Gesundheitsreform wird ein Haushaltsdesaster für das Land. Der Großteil der Amerikaner wollte die steigenden Kosten angehen, nicht mehr Versicherungsschutz bieten. Das wird die Kosten dramatisch erhöhen. (...) Obamas Fähigkeit, mit Wählern zu kommunizieren, hat ihn erst groß gemacht. Am meisten hat mich überrascht, dass er diese Fähigkeit verloren hat. Er tritt viel zu oft auf - und jetzt hören ihm die Leute nicht mehr zu."

"New York Observer" "Es ist nicht die Zeit für Totsagungen. (...) Zu viele Amerikaner glauben, dass er wenig erreicht hat und ihr Vertrauen verloren hat. Sie täuschen sich aber - genauso, wie sich diejenigen getäuscht haben, die Bill Clintons Präsidentschaft zur Hälfte seiner ersten Amtszeit schon abschrieben. Mit Blick auf seine Gesetzgebungsarbeit ist Barack Obama ein sehr effektiver Präsident. Das betont unparteiische Fachblatt 'Congressional Quarterly' beurteilt ihn als den effektivsten Präsidenten der vergangenen fünf Jahrzehnte."

Großbritannien - "Knöpf Dir die bösen Jungs vor, Barack!"

Frankreich - " Lassen wir ihm noch ein wenig Zeit"

Russland - "Moskau ist enttäuscht"

Arabische Presse - "Er hat den Muslimen die Hand gereicht"

Spanien - "Der Politiker verblasst hinter seinem Mythos"

Italien - "Das Image ist wiederhergestellt, nun ist Entschlossenheit nötig"

Schweiz - "Ton und Mimik haben sich verändert"

Dänemark - "Unterwegs haben ihn die Realitäten eingeholt"

Ungarn - "Es geht um die Macht des Symbolischen"




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