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07.02.2010
 

Palästinensische Blumenzüchter

Ein Bouquet aus Gaza zum Valentinstag

Von Ulrike Putz

Sie verfütterten wertvolle Nelken an das Vieh: Blumenzüchter im Gaza-Streifen konnten wegen der israelischen Blockade zwei Jahre lang ihre Produkte nicht exportieren. Jetzt liefern sie wieder nach Europa - dank des Engagements der niederländischen Regierung.


Dieses Jahr, so hofft Sobhi Heschazi, werden die Blumen nicht nur seine Frau erfreuen. Dieses Jahr werden sie in opulenten Bouquets leuchten, die Männer in Europa zum Valentinstag verschenken. Das würde auch den Palästinenser glücklich machen.

Heschazi züchtet Nelken - aber nicht die, die man im Dutzendpaket beim Blumen-Discounter bekommt. Seine Blumen sind langstielige, edle Gewächse mit vollen roten Blüten, die Heschazis Arbeiter morgens ab 6 Uhr von den Feldern im Süden des Gaza-Streifens holen: Mit der Bestnote Fünf bewertet sind sie auf den Blumengroßmärkten der Niederlande heiß gehandelte Ware.

Zwei Jahre lang mussten Europas Blumenliebhaber auf Heschazis Nelken verzichten: Nach der Machtübernahme der Hamas im Gaza-Streifen im Sommer 2007 belegte Israel den Küstenstreifen mit einer Blockade. Anfangs konnte die Familie Heschazi noch ab und an Lieferungen über die sporadisch geöffnete Grenze zum Flughafen Tel Aviv schaffen. Im Januar 2008 kam der Export jedoch komplett zum Erliegen.

Dass die Heschazis jetzt seit Saisonbeginn bereits sechs Laster mit einer halben Million Blumen nach Holland exportierten, hat politische Gründe: Die Niederlande haben sich für die palästinensischen Bauern stark gemacht. Die Heschazis und andere Blumen- und Erdbeerfarmer im Gaza-Streifen sind seit 2006 Teil eines niederländischen Entwicklungshilfeprojekts. Statt Geld zu spenden, ermöglicht Den Haag den Palästinensern den Zugang zum Weltmarkt.

Aus Gaza in deutsche Wohnzimmer

Das große politische Engagement der Niederländer zeigt, wie ernst sie ihr Projekt nehmen. Seit Beginn der Blockade von Gaza sprachen ihre Diplomaten unermüdlich bei israelischen Regierungsstellen vor. Immer wieder auf der Tagesordnung: Nelken, Rosen, Erdbeeren.

Der Druck aus Europa wirkte, die Palästinenser erhielten die Genehmigung, erneut zu exportieren. Seit Dezember gelangen die Blumen und Beeren wieder nach Holland - und von dort auch in die deutschen Wohn- und Esszimmer. Dass eine israelische Firma an ihrem Versand mitverdient, mag für Jerusalem ein Argument gewesen sein, den Export zu genehmigen. Ausschlaggebend war es nicht, sagt Hillel Adiri: "Das ist zum allergrößten Teil Verdienst der Niederlande."

Hillel Adiri ist Israeli, doch sein Spitzname ist Arabisch: Abu Ward, Vater der Blumen. 1991 brachte der Landwirtschaftsexperte die ersten Setzlinge für Schnittblumen in den Gaza-Streifen. Es war ein hochpolitischer Akt: Mit Beginn des ersten Golfkriegs entzog Israel 70.000 Palästinensern, die täglich von Gaza zur Arbeit nach Israel pendelten, den Passierschein. Damals, sagt Adiri, habe sich die Regierung in Jerusalem Gedanken gemacht, wie man den schlagartig arbeitslos gewordenen Menschen Arbeit im Gaza-Streifen selbst beschaffen könne - auch, um extremistische Tendenzen einzudämmen. Aridi schlug den Blumenanbau vor: "Die Bedingungen in Gaza sind für Schnittblumen gemacht wie ein Handschuh für die Hand einer Dame." Tatsächlich ist der Gaza-Streifen schon seit der Bronzezeit berühmt für seine fruchtbaren Böden: Hier wurde der Wein der römischen Kaiser angebaut, hier wuchsen Früchte, die eingelegt in den Hafenstädten rund ums Mittelmeer als Delikatesse geschätzt wurden.

Seit der israelischen Blockade jedoch ist die Wirtschaft fast vollständig zusammengebrochen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen mussten etwa 90 Prozent der Betriebe im Gaza-Streifen schließen, über 60 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos. Die Blumen- und Erdbeerzucht, die in diesem Jahr knapp 700 Familien ein Einkommen garantiert, ist da ein Lichtstreifen am Horizont.

Dass es nicht mehr solcher Initiativen gibt, liege vor allem am mangelnden Interesse der Europäer, sagt Aridi. Solange die Hamas in Gaza an der Macht sei, habe Israel kein Interesse, die Wirtschaftsentwicklung vor Ort zu fördern. "Aber das holländische Beispiel zeigt, dass es Spielraum gibt. Das einzige was fehlt, ist Druck von außen."

Kartoffeln für den Seelenfrieden

Auch wenn die Heschazis Großbauern sind und auch in den zwei Jahren Stillstand finanziell über die Runden gekommen sind: Die Erleichterung, zurück im Geschäft zu sein, ist Sobhi genauso anzumerken wie seinen Onkeln, Cousins und Brüdern, die auf den Feldern und an der Verpackungsstation mit Hand anlegen. Früher beschäftigte die Familie 45 Arbeiter, heute sind es 25. Nach den zwei schlechten Jahren bauen die Heschazis nur noch auf zwei ihrer sechs Hektar Land Nelken an. Auf dem restlichen Gelände wachsen nun Kartoffeln, die sie auf dem Wochenmarkt in Gaza-Stadt verkaufen. Das bringt zwar kaum Geld, aber Seelenfrieden, sagt Sobhi Heschazi: "Wir konnten es nicht mehr mitansehen."

Zwei Jahre lang hätten sie im Morgengrauen ihre Blumen geschnitten und für den Versand fertig gemacht, nur um am geschlossenen Grenzübergang festzusitzen. "Manchmal waren wir so wütend, dass wir die Nelken direkt am Grenzübergang ausgekippt haben, sie wären eh verwelkt", sagt der 29-Jährige.

Ein paar Bündel seiner besten Exemplare nahm Heschazi damals fast täglich mit nach Hause, zur Freude seiner Frau. Die meisten Blüten jedoch landeten in den Futtertrögen der Kühe, Schafe und Ziegen seiner Nachbarn. Nicht nur die waren begeistert von dem Gratis-Futter: "Wir haben festgestellt, dass das Vieh Nelken äußert gern frisst", sagt Heschazi, der auch angesichts solcher Verschwendung seinen Humor nicht verloren hat. "Sagen wir so: Wir haben Gazas Kühen zwei Jahre hintereinander ein großes Valentinsgeschenk gemacht."

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.02.2010 von Chayal: Ganz lustig

fand ich ihren Beitrag: Die Braut, die aus dem Tunnel kam, der strotzte nur vor Unwahrheiten, Falschinformationen und Auslassungen, Frau Putz eben. Storyinhalt: Sie 23, er 26, beide arbeitslos, aber eine Strecke von drei [...] mehr...

08.02.2010 von no reason for a name: Ulrike Putz

Ulrike Putz hatte nie das Ziel gehabt objektiv zu schreiben. Einfach das Archiv nutzen. mehr...

08.02.2010 von Mirro: Ach was?

Es ist vielleicht wichtig hier zu bemerken, dass das Blumenzuchten und das Verkaufen von Erdbeeren gerade von der israelischen Regierung initiiert und finanziert wurde, zahlreiche Kurse wurden bei den palästinensischen Bauern [...] mehr...

08.02.2010 von Neurovore: ...

Naja, ob es mal so sinnvoll ist, ausgerechnet im Gaza-Streifen Blumen zu züchten? Ich meinte doch wohl mal was von Wassermangel gehört zu haben....... mehr...

08.02.2010 von no reason for a name: Blumen für Waffen

Ganz klar werde ich dieses Jahr beim Kauf der Blumen drauf achten woher sie kommen. Es wäre ein Alptraum, wenn nur ein Cent von mir an die Hamas-Regierung fließt. mehr...

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