Kann man mit den Taliban verhandeln? Ihre Anführer sitzen an sicheren Orten in Pakistan, aber sie haben im vergangenen Jahr ihre Angriffe auf den einst ruhigen Westen und Norden Afghanistans ausgedehnt. Mit ihnen ist nun landesweit zu rechnen. Die Taliban haben zudem Teile der afghanischen Armee und Polizei infiltriert - und sind nun in Institutionen vertreten, an die die USA ab Juli 2011 die Verantwortung abgeben wollen. In weiten Teilen des Landes sind Entwicklungsprojekte eingestellt worden. Die Hälfte der Uno-Mitarbeiter hat das Land verlassen - es ist für sie zu gefährlich geworden. Die Taliban haben auch ihre brutale Einschüchterungskampagne ausgedehnt: Mit dem Tod bedroht werden alle, die für die Regierung arbeiten, für Hilfsorganisationen, Frauengruppen oder die Uno.
Sowohl General Stanley McChrystal, Chef der Nato-Truppen in Afghanistan, als auch David Petraeus, Kommandeur des US Central Commands, haben erklärt, dass ein Erfolg in Afghanistan nicht mit bloßer Waffengewalt erreicht werden könne. US-Präsident Obama hat klargemacht, dass er al-Qaida vernichten will, aber bereit sein könnte, mit den Taliban zu verhandeln. In seiner Rede im Dezember 2009 in der US-Militärakademie West Point sagte Obama, er unterstütze den Versuch Kabuls, "mit denjenigen Taliban, die der Gewalt abschwören und die Rechte anderer achten, Abmachungen zu treffen".
Aber kann man mit den Radikal-Islamisten Verhandlungen führen? Für Gespräche mit den Taliban ist mehr als die verdeckte Mitarbeit der Geheimdienste nötig. Dringend benötigt wird eine öffentliche, politische und humanitäre Strategie, die für die Taliban attraktiv ist, die die Gewalt zurückdrängen kann und den Ärger derjenigen Afghanen beschwichtigt, die alle Kompromisse ablehnen. Die USA und die Nato haben im vergangenen Jahr viel über die Notwendigkeit einer derartigen Strategie gesprochen - und wenig erreicht. Für eine Versöhnung mit den Taliban und deren Wiedereingliederung in die afghanische Gesellschaft müssen Vorbereitungen getroffen werden. Dazu gehören:
Sollte dies alles nicht rasch und öffentlich-transparent umgesetzt werden, könnten die Taliban zu dem Schluss kommen, es sei sicherer und besser für sie, die nächsten 18 Monate auszusitzen, auf den Abzug der Amerikaner zu warten - und dann zu versuchen, Kabul erneut zu erobern. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre ein neuer Bürgerkrieg die Folge, einer, den die Nato-Truppen nicht in den Griff bekämen.
Die Hauptforderung der Taliban ist, dass die ausländischen Truppen einen Zeitplan für ihren Abzug vorlegen. Da alle Taliban-Führer in Pakistan leben, wird der weitere Verlauf der Gespräche wesentlich davon abhängen, ob der pakistanische Geheimdienst mitspielt.
Ein Eingreifen Pakistans ist unwahrscheinlich
In den vergangenen Monaten haben sich angesichts dieser Lage die Spannungen zwischen den USA und Pakistan erhöht: Washington verlangt vom pakistanischen Militär, dass es die Führer der afghanischen Taliban, die in Quetta und Karatschi leben, "gefangen nimmt oder tötet" - ebenso ihre Verbündeten, wie Dschalaluddin Haqqani und Gulbuddin Hekmatjar, die sich in Nord-Wasiristan aufhalten. Pakistan entgegnet jedoch, es sei zu sehr damit beschäftigt, seine eigenen Probleme mit Taliban und Terroristen zu lösen. Seine Sicherheitskräfte seien überlastet.
In der Tat ist es unwahrscheinlich, dass Pakistan gegen die Führer der afghanischen Taliban in die Offensive geht. Schließlich sieht man in ihnen potentielle Verbündete nach einem Abzug der USA aus Afghanistan. Jedoch fürchten die pakistanischen Militärs den Rückzug der Amerikaner auch. Denn er könnte Bürgerkrieg und Chaos auslösen und zudem - so befürchtet es Pakistan - Indiens Einfluss in Afghanistan wachsen lassen.
Die internationale Gemeinschaft scheint aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre wenig gelernt zu haben. Zwar haben die USA und die Nato konstruktivere Wege der Aufstandsbekämpfung eingeschlagen. So schützen sie etwa dicht besiedelte Gebiete und Verbindungsstraßen und pumpen mehr Entwicklungshilfe in diese Enklaven. Aber viele Nato-Staaten weigern sich weiterhin, die Taliban massiv zu bekämpfen - entweder weil die Regierungen Vorbehalte haben oder weil ihr Einsatzbefehl defensiv ausgerichtet ist. Militärische Einheiten aus mächtigen Staaten wie Deutschland, Spanien und Italien benötigen, sobald es brenzlig wird, den Schutz der USA. Es überrascht deshalb nicht, dass die Taliban versuchen, schwerpunktmäßig die Streitkräfte derjenigen Staaten anzugreifen, die sie für schwach und halbherzig halten.
Die Lage ist kritisch. Eine Antwort auf die Situation muss grundlegender und umfassender ausfallen, als alles, was bisher geschehen ist.
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Die NATO ist fast bankrott, wollen aber trotzdem mit dem Kriegsspielen nicht aufhören. Warum verlangen denn nicht alle Bürger der Mitgliedsländer, dass diese Organisation von Vorgestern sich wieder nur auf die gegenseitige [...] mehr...
Das ist doch nur billige Hetze. Was kommt denn noch? Alle Christlichen Fundis in USA (und da wimmelt es!!) sind Antimoslems? Na, heute wahrscheinlich. Seit dem Israel existiert und die Pal. Flüchtlinge fing der Protest der [...] mehr...
Sowas hats ja noch nie gegeben, dass ein Krieg wegen Geldmangel eingestellt wurde. Bleiben wir mal ehrlich, auch dieser Krieg wird nicht wegen Geldnot beendet werden. Hier empfiehlt sich ein seriöses Gespräch mit den [...] mehr...
Wollen Sie uns alle verschaukeln? Natürlich ist es der FINANZ und RUHERAUM. Und zwar der wichtigste! Nennen Sie mir einen Afghanen der bei einem Attentat im Ausland mitgemacht hätte. Einer genügt. Es waren Saudis, Ägypter, [...] mehr...
Vorsicht!Für fundis sind alle anderen Ungläubige oder Häretiker - so auch für die Taliban. Sie kämpfen also gegen den Westen - natürlich - aber auch gegen die Afghanen, die sich nicht zu ihnen bekennen. mehr...
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