Hamburg - Es roch merkwürdig an diesem Tag im April. "Wie fauler Apfel", berichtete eine Zeugin. Doch es war Giftgas, das Kampfflugzeuge 1987 auf ihr Dorf im Nordirak abwarfen. Die Haut der Frau schälte sich, sie erbrach Blut: "Ich wurde blind, meine Kinder wurden blind, und mein Haus wurde bis auf die Grundmauern zerstört." Sie war eines von Tausenden Opfern von Ali Hassan al-Madschid.
Madschid, genannt "Chemie-Ali", war ein gefürchteter Helfer Saddam Husseins, bekannt für seine Grausamkeit. An diesem Montag ist der 69-Jährige in Bagdad hingerichtet worden, gehängt wegen Mordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er war einst einer der meistgesuchten Vertreter des Regimes im Irak und wurde viermal zum Tode verurteilt.
Unklar ist, ob die jüngste Terrorserie in Bagdad zu der Hinrichtung in Beziehung steht: Attentäter griffen am Montag fast gleichzeitig drei Hotels an, in denen viele Ausländer und Journalisten unterkommen. Dutzende Menschen wurden getötet und verletzt, ein SPIEGEL-Korrespondent war Augenzeuge der Anschläge.
Die mörderische Offensive war Teil des Krieges zwischen dem Irak und Iran, es war eine Strafaktion gegen die Kurden, die mit Teheran paktierten. 1989, am Ende des Feldzugs, waren etwa 200.000 Kurden tot und ungefähr 1,5 Millionen vertrieben. Weite Landstriche Kurdistans waren durch den Einsatz chemischer Waffen verwüstet und ungefähr 4000 Gemeinden zerstört.
"Madschid war Saddams Axt"
Für seine Brutalität wurde Madschid belohnt: Er übernahm in den neunziger Jahren den Posten des Gouverneurs im annektierten Kuwait, dann stieg er zum Innen- und Verteidigungsminister auf. "Madschid war Saddams Axt", hieß es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Der Iraker verfolgte Abtrünnige des Regimes - selbst seine eigene Familie schonte er nicht. 1996 ließ er seine Neffen Hussein und Saddam Kamel hinrichten, die sich vorübergehend nach Jordanien abgesetzt hatten. Zwei Angehörige einer Spezialeinheit soll er zudem wegen Geheimnisverrats öffentlich und mit eigener Hand enthauptet haben.
Madschid, einst ein einfacher Motorradkurier, stieg mit seinem Vetter Saddam Hussein auf - als dieser stürzte, wurde auch er zum Getriebenen.
Als die USA im März 2003 im Irak einmarschierten, war Madschid zeitweise Kommandeur der südlichen Teile des Irak. Auf der US-Fahndungsliste der 55 meistgesuchten Iraker nahm Madschid Platz fünf ein, in dem zur Fahndung ausgeteilten Kartenspiel der US-Armee war er der Pik-König.
Im April 2003 begingen die USA einen folgenschweren Fehler. Um 5.30 Uhr morgens warf ein Kampfflugzeug im Stadtteil Tuwaisi der irakischen Stadt Basra zwei lasergesteuerte 500-Kilo-Bomben auf ein Haus ab. Die Amerikaner vermuteten darin den Gesuchten. Zwei Wochen später wussten sie es besser: Madschid war gar nicht in diesem Haus gewesen. Statt seiner starben 17 unschuldige Menschen. Das US-Zentralkommando änderte den Status des Generals von "tot" auf "unbekannt".
200 Leichen im Garten
Erst wenige Monate später wurde Madschid tatsächlich gefasst, US-Armeeeinheiten griffen ihn und seine Bodyguards auf. Einem Bericht zufolge fanden Ermittler in dem Garten seiner Villa 200 Leichen in einem Massengrab.
Den "Schlächter Kurdistans", so wurde er auch genannt, verurteilten Richter 2007 erstmals zum Tode - als Strafe für die Niederschlagung des kurdischen Aufstands in den Jahren 1987 und 1988. Ende 2008 folgte das zweite Todesurteil, weil er den Aufstand der Schiiten 1991 niedergeschlagen hatte.
Im März 2009 wurde Madschid wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum dritten Mal zum Tode verurteilt. Dabei ging es um den Tod von Dutzenden Schiiten, die 1999 im Bagdader Stadtteil Sadr-City und in der Stadt Nadschaf im Süden des Landes ermordet worden waren. Mitte Januar wurde zum vierten Mal die Todesstrafe gegen ihn verhängt - nun wurde sie vollstreckt.
kgp/dpa/AFP
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Wahrlich, die USA haben in Mesopotamien einen bemerkenswerten kleinen Sieg errungen: Denn wenn sich der Staub und die US-Truppen in ein paar Jahren oder auch nur Monaten verzogen haben wird, so wird Persien die Beute einsacken: [...] mehr...
Hatte mir schonmal Gedanken darüber gemacht, wer wohl die schwerere Strafe hatte: Eichmann oder Heß. Ich bin mir da nicht sicher. Sicher ist nur eins: Daß sich beide als Opfer fühlten, und es entsetzich viele Zeitgenossen [...] mehr...
Um so mehr bin ich gegen die Todesstrafe, damit niemand wie Sie am Drücker sitzt und den Hardliner spielen muß. Wer weiß, wen sie noch alles vor wem schützen wollen, rein prophylaktisch. ---Zitat--- Und das hat jetzt [...] mehr...
Die Frage ist falsch gestellt, denn wem hier offensichtlich etwas in den Kram passt, ist sonnenklar. Und was soll es aussagen, dass sich Powell distanzierte? Die Waffen wurden halt nicht gefunden!? Der Punkt ist, dass es den [...] mehr...
Das ist peinlich. Es will offensichtlich nur davon ablenken, dass mit der Gegnerschaft gegen die Koalition der Willigen ein Hitler begünstigt wird. Es gibt nicht den geringsten Grund, Giftgas-Massenmörder nicht mit Hitler zu [...] mehr...
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