Icar: Das ist mein Job - ich baue Terrorbomben nach, zu Testzwecken. Mit unserer Firma "Terrogence" sind wir unter Decknamen Mitglied auf den einschlägigen Dschihadisten-Foren, auf denen die Bauanleitungen gehandelt werden. Ich folge ihnen Schritt für Schritt, bis dahin, dass ich die Unterhose nähe, in denen der Sprengsatz versteckt wird.
SPIEGEL ONLINE: Warum die Detailverliebtheit?
Icar: Indem ich die Sprengsätze missglückter Anschläge dupliziere und dann detoniere, kann ich erkennen, wo der Fehler der Terroristen lag. Ich kann ihr Know-how einschätzen. Diese Informationen geben wir an unsere Kunden weiter, Geheimdienste und Regierungen in aller Welt. Sie nutzen unsere Analysen, um beispielsweise die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen zielgenauer zu machen.
SPIEGEL ONLINE: Warum also hat die Detroiter Bombe nicht funktioniert?
Icar: Es war ein sehr weit entwickeltes Modell. Statt herkömmlichen Sprengstoff oder einen Zünder aus Metall mit an Bord zu nehmen, wollte Umar Farouk Abdulmutallab die Explosion mittels einer chemischen Reaktion herbeiführen. An sich ein kluger Plan. Ich weiß, warum er schiefgegangen ist, aber das kann ich nicht verraten. Ich will den bösen Jungs ja keine Nachhilfe geben.
SPIEGEL ONLINE: War der misslungene Anschlag ein harter Schlag für die Hintermänner des Attentäters?
Icar: Im Gegenteil! Wenn es der Zweck dieser Operation war, Panik hervorzurufen, können die Hintermänner Detroit leider als großen Erfolg verzeichnen. Geschlossene Flughäfen, Zigmillionen Dollar Verluste, Tausende Reisende, denen das Weihnachtsfest ruiniert wurde. Und dazu kommen die Kosten, die nun langfristig auf die Staaten zukommen, die Bodyscanner anschaffen. Die belaufen sich pro Stück auf etwa 250.000 Dollar, und allein die USA wollen 1000 kaufen.
SPIEGEL ONLINE: Diese Bodyscanner sollen das Fliegen sicherer machen. Werden sie das tatsächlich?
Icar: Bedingt. Es geht darum, Anomalitäten am menschlichen Körper zu entdecken: Versteckten Sprengstoff etwa, oder als zusätzliche Ladung gedachte Metallteile. Ob man mit ihm das in Abdulmutallabs Unterhose eingenähte Päckchen Sprengstoff gefunden hätte, ist aber dahingestellt.
SPIEGEL ONLINE: Wozu die Scanner dann überhaupt einsetzen, wenn sie eindeutig mangelhaft sind?
Icar: Die Scanner sind ein erster Filter. Sie haben ihre Schwachstellen, aber dann kommt der menschliche Faktor ins Spiel. Die Bediensteten an den Sicherheitsschleusen müssen einen Blick für das Profil möglicher Attentäter haben. Wenn jemand ein Ticket erst am Tag vor der Reise gekauft und mit Bargeld bezahlt hat, wenn er dann zusätzlich auch noch ohne Gepäck reist, muss das Sicherheitspersonal aufmerksam werden.
SPIEGEL ONLINE: Datenschützer kritisieren, der Scanner verletze die Intimität dessen, der sich durchleuchten lassen muss. Stimmt das?
Icar: Das Bild, das die Körperscanner produzieren, hat mit Porno nichts zu tun. Wer behauptet, die Passagiere seien nackt zu sehen, überschätzt die Bildqualität maßlos. Man sieht schon, ob eine Frau zum Beispiel große oder kleine Brüste hat, aber in Körperöffnungen schaut der Scanner nicht hinein.
SPIEGEL ONLINE: Wissen potentielle Attentäter das?
Icar: Ja, und sie planen, es zu ihrem Vorteil zu nutzen. Im August 2009 gab es einen Präzedenzfall: Ein Selbstmordattentäter, der den stellvertretenden saudischen Innenminister töten wollte, hatte die Bombe in seinem Rektum versteckt.
SPIEGEL ONLINE: Mit welchem Ergebnis?
Icar: Nach dem missglückten Anschlag – der Prinz wurde nur leicht verletzt, der Attentäter starb – gab es auf den einschlägigen Dschihadisten-Web-Seiten aufgeregte Diskussionen. Es gebe doch genug Ärzte unter den Sympathisanten, die potentielle Attentäter operieren und eine Sprengladung im Bauchraum verstecken könnten. Wenn es so weit kommt, sehen wir uns mit der sprichwörtlichen laufenden Bombe konfrontiert.
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