Von Carsten Volkery, London
Bloßstellen kann der Ausschuss ihn allerdings schon, als Lügner entlarven vor laufenden Fernsehkameras - und genau das erhoffen sich seine zahlreichen Kritiker an diesem Freitag. Um halb zehn wird Blair in dem schmucklosen Raum des Queen-Elizabeth-Konferenzzentrums in London erwartet. Hinter ihm werden zahlreiche wütende Familienangehörige gefallener Soldaten Platz nehmen. Die wenigen Karten für den Auftritt waren heiß begehrt. Es wird ein Spektakel erwartet.
Fast sieben Jahre ist es her, dass 45.000 britische Soldaten an der Seite der Amerikaner in den Irak einmarschierten, um Saddam Hussein zu stürzen. Nun muss Blair zum ersten Mal ausführlich Rede und Antwort zu jenem Krieg stehen, den eine Mehrheit der Briten inzwischen als katastrophalen Fehler ansieht. Ein Viertel hält Blair sogar für einen Kriegsverbrecher.
Entsprechend emotional dürfte es vor dem Untersuchungsausschuss zugehen. Laut "Observer" planen die Familienangehörigen im Saal eine Protestaktion, gemunkelt wird von blutigroten Handflächen oder Schuhwürfen auf Blair. "Wir sind immer noch hinter ihm her", zitierte die Zeitung den Vater eines toten Soldaten. "Er sollte sich vor den Familien fürchten."
War Blair das Völkerrecht egal?
Dabei verliefen die ersten 32 Tage der Anhörungen über weite Strecken ereignislos. Nüchtern rekonstruierten Botschafter, Geheimdienstler und Politiker den Vorlauf des Krieges von 2001 an. Die fünf Mitglieder des Untersuchungsausschusses benahmen sich wie echte Gentlemen - eine Lady ist auch dabei - und die Befragung der Zeugen glich weniger einem Kreuzverhör als einer zivilisierten Plauderei in einem englischen Club. Das Geschehen im Saal schlug kaum Wellen in der Öffentlichkeit, es plätscherte vor sich hin.
Erst diese Woche kam so etwas wie Spannung auf, als der frühere Top-Jurist des Außenministeriums, Michael Wood, und seine Stellvertreterin Elizabeth Wilmshurst am Dienstag zu Protokoll gaben, sie hätten den Krieg für illegal gehalten - ebenso wie alle anderen Rechtsexperten im Ministerium. Ihre Meinung sei jedoch damals ignoriert worden.
Die Aussagen des damaligen Generalstaatsanwalts Peter Goldsmith bestätigten am Mittwoch dann den Eindruck, dass das Völkerrecht Blair ziemlich egal war. Der oberste Jurist der Regierung wurde nach eigenen Angaben im Entscheidungsprozess bis fast zum Schluss außen vor gelassen. Erst im März 2003, unmittelbar vor Kriegsbeginn, durfte er erklären, dass eine Invasion legal sei. Er tat dies, obwohl er noch wenige Wochen zuvor der Meinung war, die Uno-Resolution 1441 sei keine ausreichende Rechtsgrundlage für den Krieg.
Britische Medien wollen Blair fallen sehen
Die Bühne für Blair ist also bereitet. Der Druck auf den Ausschuss ist groß: Die Befragung gilt als letzte Gelegenheit, dem früheren Premier ein öffentliches Eingeständnis seiner Fehler zu entlocken, denn noch eine Untersuchung wird es nicht geben. Die britischen Medien fordern Blairs Skalp und haben bereits die wichtigsten Fragen aufgelistet, die ihm gestellt werden müssen:
Es sind heikle Punkte, die selbst den aalglatten Blair in Verlegenheit bringen könnten - zumal in einer stundenlangen Befragung. Dennoch erwarten Beobachter am Freitag eine solide Verteidigung des gelernten Juristen. Schon im Wahlkampf 2005 waren sämtliche Vorwürfe an ihm abgeprallt, der Labour-Strahlemann gewann seine dritte Unterhauswahl.
Seit seinem Abgang von der politischen Bühne 2007 hat sich Blairs Image jedoch weiter verschlechtert. Wie sehr, wurde während des Untersuchungsausschusses deutlich, als selbst Schlüsselfiguren seiner Regierung auf größtmögliche Distanz zu ihrem einstigen Boss gingen.
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Wer nur dann verständlich ist, wenn man ihm "richtig" zuhört statt einfach zuhört, sollte besser schweigen. Und genau das sagte ich. Übrigens: wieso fürchten Sie, dass ich "persönlich" werden könnte? mehr...
Wer Eno richtig zuhört, erkennt , dass er genau dies nicht sagt- und auch nochmal deutlich betont, dass er keine plumpe Parallele zieht. Immerhin bezeichnet er sich selbst auch als Atheisten. Es geht um religiösen [...] mehr...
"Buhman" Blair... klingt ungefähr wie Winni Puh. Das war`s dazu. mehr...
Brian Eno ist ein hochrespektabler Künstler, der mit diesem Interview jedoch den Fehler macht, den viele Künstler machen, wenn sie ihren Ruhm als eine Art universale Weihe begreifen - hier eben als Weihe zur Kommentierung [...] mehr...
Blairs Reaktion war, trotz allen Kopf-ab-Geschreis hier im Forum, in der Sache selbstverständlich: Saddam Hussein war ein Hitler und Hitlers gehören beseitigt. Alles andere ist nur mühselig kaschierter Anti-USraelismus: dass [...] mehr...
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