Aus Quang Nam berichtet Till Mayer
Es ist dämmrig in der Hütte. Durch die offene Tür sieht man die angrenzenden Reisfelder, den nahen Dschungel. Für ihren Sohn ist diese Welt, die er täglich durch den Eingang beobachtet, unerreichbar. Er hört, wenn der Regen auf das Dach prasselt. Er sieht, wenn die Sonne auf den Wald brennt, und die Bananenstauden fast im gleißenden Licht verschwinden. Wie sich sein Vater mit dem Ochsen durch die schlammigen Felder müht, bis das Abendrot der Dunkelheit weicht.
Das alles liegt nur wenige Meter entfernt. Aber der 23-Jährige kann nicht einmal seine Hand in Richtung Tür ausstrecken. Seine Arme und Beine sind dünn wie Stecken, die Knochen krumm gewachsen, der Kopf riesig, die Füße bizarr verdreht. Sein Körper wirkt zerbrechlich, als wäre er aus Glas. Neben ihm liegt sein 16-jähriger Bruder. Beide sehen aus, als wären sie Zwillinge. Ihre Welt ist klein: eine Holzpritsche, vielleicht 1,70 mal zwei Meter groß, mit einigen Kissen, einer Bastmatte und Decken darauf - und in drei Schritten Entfernung eine offene Tür.
Sechs Kindern hat Truong Thi Thuy das Leben geschenkt, vier davon kamen mit Behinderungen zur Welt. Eines ist schon gestorben, eine weitere Tochter "versteht nicht so schnell", wie die 50-Jährige es ausdrückt. Und dann sind da ihre beiden Söhne, die eigentlich Pflege rund um die Uhr brauchen und durch ihr schwaches Immunsystem besonders anfällig für Krankheiten sind. Wenn Truong Thi Thuy nur genügend Zeit für ihre Kinder finden würde. Wenn sie nicht oft zwölf bis 14 Stunden am Tag auf dem Feld rackern müsste.
Ist nach der Ernte weniger zu tun, verdient sich ihr Mann als Tagelöhner ein bisschen Geld hinzu. Vor Monaten war er in der Küstenstadt Da Nang und staunte, wie dort die Hochhäuser in den Himmel wachsen. Leuchtreklamen in allen Farben des Regenbogens künden von Vietnams Wirtschaftswunder. Eine mächtige Brücke spannt sich grazil und scheinbar federleicht über den Fluss. Vielleicht fühlte er sich da ein wenig wie seine Söhne, wenn sie durch ihre Tür auf eine unerreichbare Welt blicken.
Farbenfrohe Giftküche der amerikanischen Kriegsführung
Im Heimatdorf der Familie ist die Neuzeit noch nicht angekommen. Hoi Lam heißt die Ansammlung von Hütten und kleinen Bauernkaten, zu der sich je nach Jahreszeit ein staubiger oder schlammiger Weg durch den Dschungel schlängelt. Hoi Lam liegt im satten Grün. Doch die Natur ist erst seit Mitte der achtziger Jahre wiedergekehrt. Davor ragten hier kahle Baumstämme wie schwarze Pfähle in den Himmel. Hoi Lam lag in einer Kampfzone des Vietnam-Krieges, und über das Dorf und seine Umgebung donnerten die Bomber. "Sie kamen jahrelang und sprühten ihr Gift", sagt Truong Thi Thuy.
Rund 80 Millionen Liter Herbizid gingen nach Angaben des Vietnamesischen Roten Kreuzes zwischen 1961 bis 1971 im Süden Vietnams nieder. Sie sollen 360 Kilogramm hochgiftiges Dioxin enthalten haben. 50 Millionen Liter davon waren das sogenannte Agent Orange, das seit 1965 verwendet wurde. Agent Orange, der Name des Entlaubungsmittels stammt von den orangefarbenen Kennzeichnungsstreifen auf den Giftfässern. Es gab auch Agent Purple, Agent Blue, Agent Green, Agent Yellow, Agent White und sogar Agent Pink. Die farbenfrohe Giftküche war wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Kriegsführung.
Der Dschungel sollte durch flächendeckende Entlaubung als Rückzugsgebiet und Basis für den Vietcong unbrauchbar gemacht werden. Auf Felder gesprüht, reduzierte es die Nahrungsversorgung des "Feindes". So regnete das Gift jahrelang auf Natur und Menschen.
Die Bewohner von Hoi Lam flüchteten vor den Kampfhandlungen, Truong Thi Thuys Familie brach wahrscheinlich zu spät auf. Oder sie kam zu früh zurück. Vielleicht hätten sie auch niemals zurückkehren sollen. Der Boden könnte selbst heute noch immer mit Dioxin belastet sein, zumindest dürfte er es für Jahre gewesen sein.
Die Opfer reichen bis in die dritte Generation
Drei Millionen Menschen, nimmt das Vietnamesische Rote Kreuz an, sind Agent-Orange-Opfer. Die Organisation schätzt, dass davon 150.000 Kinder genetische Defekte haben. Mittlerweile ist die dritte Generation betroffen.
Truong Thi Thuy wird wohl niemals endgültig beweisen können, dass ihre behinderten Kinder Agent-Orange-Opfer sind und dass sich ihr eigenes Erbgut oder das ihres Mannes durch den Herbizideinsatz verändert haben. Dazu wären teure medizinische Untersuchungen notwendig. Aber diese Tests könnte die Familie niemals bezahlen. Sie würden ihr auch nicht helfen, eine Entschädigung zu erkämpfen. Vor amerikanischen Gerichten scheiterten die Klagen der vietnamesischen Agent-Orange-Opfer. Außergerichtlich konnten sich zumindest die betroffenen US-Soldaten Kompensationen in Höhe von rund 200 Millionen Dollar sichern.
"Weder in der Familie meines Mannes noch in meiner wurden vor dem Krieg Kinder mit Behinderungen geboren. Vier meiner Kinder sind krank auf die Welt gekommen. Das kann nur das Gift sein, das die Flugzeuge auf uns gesprüht haben", sagt die 50-Jährige. Truong Thi Thuy muss weiter mit den Folgen eines Krieges kämpfen, in dem bereits seit 35 Jahren die Waffen schweigen, und der doch für sie nie enden wird.
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Ähnlich wie sich ihre einstigen Herren, die Engländer nachdem sie im Hundertjährigen Krieg von den Franzosen besiegt worden sind, auf das Meer zurückgezogen haben, so haben beide, Herr und einstiger Knecht, sich nach dem I. [...] mehr...
* .... die vollkommene hilflosigkeit der militärs , zu erkennen , ..... * ... könnte es nicht auch einfach die vollkommene Rücksichtslosigkeit sein, wie das militärische Logik eben immer schon kennzeichnet: Das Ziel ist [...] mehr...
Welche angehende "Weltmacht" stellen Sie sich denn vor, die sich bereits sooo qualifiziert haette, wie der "grosse Lehrmeister" (und ihn sogar noch uebertreffen koennte)??? ....das wuerde schwierig werden, [...] mehr...
Wer hat denn hier "Giftgas" erwaehnt? Es ging darum, dass die Firmen (die hier im Thread relevanten Chemikalien hergestellt haben, die letztendlich zu "Agent Orange" wurden>>DDT etc., das auch mal um [...] mehr...
Dann werden die Amis genau so die Masse metzeln wie damals die Sowjets beim Aufstand in Ostberlin, beim Ungarnaufstand und beim "Prager Frühling". Wie gesagt: Bei ihrem Neo-Stalinismus setzen sich die Amis keine [...] mehr...
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