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29.01.2010
 

Afghanistan

Studie prangert Verwicklung der Regierung in Drogengeschäfte an

Opium-Bauer in Afghanistan: Profite für die "politische Oberwelt"Zur Großansicht
Getty Images

Opium-Bauer in Afghanistan: Profite für die "politische Oberwelt"

Der Kampf gegen die Drogenindustrie in Afghanistan verläuft schleppend. Das liegt laut einer neuen Studie daran, dass einflussreiche Politiker selbst in die schmutzigen Geschäfte verstrickt sind. Die Regierung Karzai hat demnach kaum Interesse an einem entschlossenen Kampf gegen die Kriminellen.

Berlin - Schwere Vorwürfe gegen die afghanische Regierung: Die politische Führung des Landes um den Präsidenten Hamid Karzai "hat nicht den politischen Willen", gegen die florierende Drogenindustrie in ihrem Land vorzugehen, weil einflussreiche Politiker selbst in die schmutzigen Geschäfte verstrickt sind - das ist das Ergebnis einer Studie der Berliner Wissenschaftlerin Citha D. Maaß von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Das Papier trägt den Titel "Afghanistans Drogenkarriere".

Mit einem Anteil von derzeit 93 Prozent am illegalen Weltmarkt für Opiate (Opium, Morphin, Heroin) hat das asiatische Land eine Monopolstellung erlangt. Seit kurzem ist Afghanistan auch wieder zu einem global führenden Produzenten von Cannabis (Haschisch) geworden.

Die internationale Gemeinschaft hatte die Regierung in Kabul zuletzt auf der Afghanistan-Konferenz in London gemahnt, entschlossener gegen Drogen und Korruption im eigenen Land anzugehen. Nach Ansicht der renommierten Afghanistan-Expertin geht das aber nicht weit genug. Demnach fehlt auch den Vereinigten Staaten, der Uno und der gesamten internationalen Gemeinschaft die Bereitschaft, "die afghanische Regierung und die politischen Partner in den Provinzen zu entschlossenem Vorgehen zu drängen". Auch die Gründe für die angebliche Zurückhaltung nennt die Forscherin: Die westliche Seite wolle auf nationaler Ebene eine weitere Schwächung der Regierung Karzai vermeiden und befürchte auf Provinzebene "berechtigterweise Vergeltungsschläge gegen internationale Soldaten und zivile Entwicklungsexperten".

Afghanistans Aufstieg zum weltweit größten Lieferanten für Opiate und Cannabis vor allem den aufständischen Taliban zuzuschreiben, hält die Wissenschaftlerin für eine "einseitige Schuldzuweisung". Dass im Süden des Landes Drogen angebaut werden, resultiere aus den ohnehin unsicheren Verhältnissen in der Region - und sei nicht die Ursache für die Zustände. Davon profitierten die Regierung Karzai und die "politische Oberwelt" ebenso wie die Aufständischen im Untergrund. Die Gegend ermögliche Mitgliedern des politischen Establishments, vorwiegend frühere Kriegsherren, sich ungestört in einer ordnungspolitischen Grauzone zu bewegen, so Maaß. Sie agierten als regionale "Sicherheitsunternehmer" und seien so in der Lage, "Profite aus der Drogen- und Schattenwirtschaft im legalen Wirtschaftssektor reinzuwaschen".

Die Afghanistan-Expertin macht in ihrer Studie auch Vorschläge, wie dieses System durchbrochen werden könnte. Wer in Drogengeschäfte verwickelt sei - solche Politiker bezeichnet Maaß als "politischen Patrone" -, solle zumindest aus dem Amt entfernt werden, wenn eine strafrechtliche Verfolgung aus politischen Gründen schon nicht möglich sei. Nur eine langfristige Strategie könne die Drogenproduktion nachhaltig reduzieren. Dafür seien "20 bis 30 Jahre" nötig.

Man hätte sich diese Studie von Citha D. Maaß in der Mappe jedes Delegierten bei der Londoner Afghanistan-Konferenz gewünscht.

ihl

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