Brüssel - Das Europaparlament hat den Weg für die neue Kommission geebnet. Die Anhörung der bulgarischen Ersatzkandidatin Kristalina Georgiewa am Mittwoch verlief glatt. Die Regierung in Sofia hatte Georgiewa aufgestellt, nachdem Außenministerin Rumjana Schelewa wegen dubioser Geschäfte auf massiven Widerstand bei den Abgeordneten gestoßen war. Schelewa zog ihre Kandidatur zurück.
Georgiewa, die für internationale Zusammenarbeit und Katastrophenhilfe zuständig sein soll, erhielt bei ihrem dreistündigen Auftritt in Brüssel viel Applaus und Komplimente. Sie arbeitete bisher als Weltbank-Vizepräsidentin.
Vertreter aller wichtigen Fraktionen zeigten sich von der 56-Jährigen beeindruckt. Der Liberale Ivo Vajgl lobte "Kompetenz und Auftreten". Der britische Labour-Politiker Michael Cashman sprach von "beeindruckendem Intellekt". Die CDU-Abgeordnete Birgit Schnieber-Jastram betonte: "Es macht Spaß, mit Ihnen zu diskutieren."
Georgiewa sagte eine bessere Koordinierung der europäischen Katastrophenhilfe zu und kündigte ein europäisches "Freiwilligen-Corps" für 2011 an. Dabei werde sie sich auf den Bericht des damaligen Sonderberaters Michel Barnier stützen, der schon 2006 eine europäische Katastrophenschutztruppe vorgeschlagen hatte.
Mit Blick auf das Erdbeben in Haiti forderte sie eine Analyse, was Europa tun könne, um bei einer nächsten Katastrophe "schneller und geeinter zu reagieren". Notwendig sei eine "strukturiertere Krisenreaktion" und eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der EU ebenso wie mit humanitären und militärischen Akteuren, sagte sie bei ihrer Anhörung.
Georgiewa war erst am 19. Januar für den Posten des neuen Kommissars für humanitäre Hilfe vorgeschlagen worden. Bulgarien reagierte damit auf den Verzicht seiner ersten Anwärterin Schelewa. Sie war im Europaparlament auf heftige Kritik gestoßen. Kritiker warfen Schelewa vor, Nebeneinkünfte verschwiegen zu haben. Außerdem zweifelten viele Abgeordnete an ihrer Kompetenz.
Nach der positiven Reaktion auf den Auftritt Georgiewas kann Kommissionspräsident José Manuel Barroso nun mit einer breiten Zustimmung zu seinem neuen Team rechnen. Die 26 Kommissare sollen am 10. Februar die Arbeit aufnehmen, darunter Günther Oettinger als Energiekommissar. Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist bereits bestätigt für eine zweite Amtszeit.
kgp/dpa/AFP
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