Sanaa - Anwar al-Awlaki ist einer der meist gesuchten Männer des Jemen, und auch die Tatsache, dass er einen US-Pass besitzt, würde ihn womöglich nicht schützen, wenn genau bekannt wäre, wo er sich versteckt.
Denn die jemenitischen und die US-amerikanischen Behörden vermuten, dass der Prediger eine wichtige Rolle als Ideologe bei al-Qaidas Filiale auf der Arabischen Halbinsel spielt. Seit am ersten Weihnachtstag 2009 der nigerianische Student Umar Farouk Abdulmutallab versuchte, im Auftrag der Qaida-Filiale einen US-Jet beim Anflug auf Detroit zum Absturz zu bringen, hat sich Awlaki rar gemacht.
Der jemenitische Vizepremier erklärte im Januar, Awlaki habe sich vor dem Anschlagsversuch mit Abdulmutallab getroffen. Dieses Puzzlestück war bisher unbestätigt, nun hat ausgerechnet Awlaki selbst es offenbar verifiziert. "Ja, der Dschihad-treibende Bruder Umar Farouk ... war einer meiner Schüler", zitierte der arabische Satellitensender al-Dschasira Awlaki am Donnerstag auf seiner Website. "Wir standen in Kontakt, aber ich habe ihm keine Fatwa für diese Operation erteilt."
Ministersohn unter Terrorverdacht
Das Interview führte laut al-Dschasira der jemenitische Journalist Abdalilah Schai. Schai hatte schon einmal ein Interview mit Awlaki geführt, indem der Prediger etwas ganz ähnlich mitgeteilt hatte. Dass er nämlich in Kontakt mit Nidal Hasan gestanden hatte, einem US-Militärpsychologen, der im vergangenen November auf der Basis Fort Hood ein Blutbad angerichtet und über ein Dutzend Soldaten getötet hatte. Er hatte Hasan damals für den Amoklauf gepriesen.
Awlaki sagte al-Dschasira zufolge weiter, dass er den Anschlagsversuch von Detroit gutheiße. 300 Amerikaner seien nichts im Vergleich zu Tausenden getöteten Muslimen. "Ich unterstütze, was Umar Farouk getan hat, nachdem ich sah, wie meine Brüder in Palästina, dem Irak und Afghanistan getötet werden." Es wäre aber besser gewesen, wenn der Nigerianer eine Militäreinrichtung als Ziel gewählt hätte.
Awlaki, Sohn eines ehemaligen Ministers und Mitglied eines einflussreichen Stammes, hält sich vermutlich in der Region Schabwa versteckt. In den letzten Wochen haben jemenitische Sonderkommandos mehrfach vermutete Verstecke von Militanten angegriffen.
Wann genau und unter welchen Umständen das Interview mit Awlaki stattfand, blieb offen.
Kontakt zu mehreren Attentätern
Abdulmutallab hatte kurz vor der Landung des US-Jets auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit versucht, Mehrkomponenten-Sprengstoff zusammenzumischen, den er offenbar in seiner Unterwäsche transportiert hatte. Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel bekannte sich wenige Tage nach dem Anschlagsversuch dazu. Vor wenigen Tagen erklärte auch Qaida-Chef Osama Bin Laden, dass es sich um einen Anschlagsversuch seines Netzwerks gehandelt habe.
Awlaki stand außer zu Nidal Hasan und Umar Farouk Abdulmutallab auch in Kontakt zu mindestens zwei Attentätern vom 11. September 2001. Bis vor einigen Jahren lebte er in den USA. Von dort aus betrieb er einen Internet-Blog und produzierte etliche Audio-Predigten, die bis heute in vielen Ländern der Welt erhältlich sind. Er gilt als einer der einflussreichsten englischsprachigen Dschihadisten-Prediger.
yas/AP
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Ich wäre dem Spiegel auch ganz dankbar über eine revidierte (!) Berichterstattung (mit nachfolgender Recherche über das Motiv), dass die US Geheimdienste gegen das State Department (Außenministerium) ihren Willen durchsetzten, [...] mehr...
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