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04.02.2010
 

Dialog unter Erzfeinden

Indien will mit Pakistan über Frieden sprechen

Von Hasnain Kazim, Islamabad

Stark gesicherte indisch-pakistanische Grenze: "Die Diskussion offen angehen"Zur Großansicht
REUTERS

Stark gesicherte indisch-pakistanische Grenze: "Die Diskussion offen angehen"

Drei Tage Terror erschütterten Mumbai 2008 - und beendeten abrupt die Friedensgespräche Indiens mit Pakistan. Nun geht Neu-Delhi wieder auf den Nachbarn zu: Der Dialog soll neu aufgenommen werden. Die Herausforderungen sind gewaltig, es schwelen jahrzehntealte Konflikte.

In Islamabad rechnete man seit Monaten damit, dass der Friedensdialog mit dem indischen Nachbarn wieder aufgenommen werde. Dass es dann doch so schnell gehen würde, überraschte das politische Establishment in Islamabad aber schon: Die indische Nachrichtenagentur PTI sowie mehrere indische Fernsehsender meldeten am Donnerstagnachmittag, dass Neu-Delhi Pakistan wieder die Hand reichen wolle. "Wir werden die Diskussion in einem positiven und offenen Geiste angehen", verlautete aus indischen Regierungskreisen.

Pakistans Außenminister Shah Mahmood Qureshi lobte das indische Angebot. "Es gibt jetzt Signale aus Indien über die Bereitschaft zu bilateralen Gesprächen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Wiederaufnahme des Dialogs begrüße er sehr, erklärte Qureshi.

Die beiden Erzfeinde - Pakistan ist 1947 aus der politischen Teilung des indischen Subkontinents hervorgegangen - hatten 2004 einen Friedensdialog begonnen. Indien unterbrach die Gespräche aber, als islamistische Terroristen am 26. November 2008 einen tagelangen Angriff auf Mumbai starteten und dabei mehr als 160 Menschen töteten. Rasch stellte sich heraus, dass die Angreifer aus Pakistan stammten und dass der Angriff in Pakistan von der Terrororganisation Lashkar-i-Toiba geplant worden war. Die Extremistengruppe ist im pakistanischen Teil Kaschmirs aktiv und unterhält angeblich enge Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst.

Auf neue Friedensgespräche drangen vor allem die USA. Vertreter der amerikanischen Regierung betonen regelmäßig, dass Indien und Pakistan Terrorismus in Südasien nur gemeinsam bekämpfen könnten. Washington verlangt von Pakistan, dass es sein Militär vor allem im Kampf gegen Aufständische im Westen des Landes an der Grenze zu Afghanistan einsetzt - und nicht an der Grenze zu Indien und in Kaschmir.

"Atmosphäre des Friedens und der Stabilität fördern"

Bislang hatte Neu-Delhi gefordert, zunächst müsse die pakistanische Regierung verschärft gegen Terroristen auf pakistanischem Boden vorgehen, bevor man wieder über Frieden reden könne. Hindunationalistische Politiker und hochrangige indische Offiziere hatten Pakistan sogar mit Krieg gedroht, sollten keine Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus erkennbar werden.

Nun aber gibt es neue Hoffnung auf Frieden. Der indische Fernsehsender NDTV zitierte namentlich nicht genannte Regierungsquellen, wonach demnächst Gespräche auf Außenminister-Ebene stattfinden sollen. Wann es ein erstes Treffen gibt, wurde nicht mitgeteilt.

Nach Angaben der Agentur PTI will Indien im Gespräch mit Pakistan auch über Wege zur Bekämpfung von Terroristen diskutieren. Es werde alles besprochen, was "dazu beiträgt, eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität zu fördern", zitiert die Agentur einen namentlich nicht genannten indischen Regierungsvertreter. Indien werde "alle sicherheitsrelevanten Themen" ansprechen.

Konflikt um Kaschmir

Hauptstreitpunkt zwischen beiden Ländern ist die Krisenregion Kaschmir, die bei Gründung Pakistans gespalten wurde: Ein Teil davon gehört zu Pakistan (Azad Kashmir), ein größerer Teil davon zu Indien (Bundesstaat Jammu Kashmir). Auch China beansprucht einen Teil für sich (Aksai Chin). Der indische Bundesstaat Jammu Kashmir ist der einzige indische Teilstaat mit einer islamischen Bevölkerungsmehrheit - und diese fühlt sich Indien nicht zugehörig. Bereits 1948 legten die Vereinten Nationen fest, dass hier ein Referendum über die Zugehörigkeit der Region entscheiden solle - Indien hat eine solche Volksabstimmung bisher stets mit Verweis auf seine territoriale Souveränität abgelehnt.

Ende Februar will Indiens Innenminister Palaniappan Chidambaram nach Pakistan reisen, um unter anderem mit seinem pakistanischen Kollegen Rehman Malik über die Sicherheit in der Region zu sprechen. Es ist der erste Besuch eines indischen Regierungsvertreters auf Ministerebene in Pakistan seit dem Terror von Mumbai. "Chidambaram wird von den Pakistanern sicher wissen wollen, was sie bisher getan haben, um das Terrorismusproblem zu lösen", sagte Mitarbeiter des indischen Außenministeriums SPIEGEL ONLINE.

Chidambaram räumte am Donnerstag ein, dass womöglich auch ein indischer Staatsbürger an den Terrorangriffen auf Mumbai beteiligt gewesen sein könnte. Sein Name sei Abu Jindal, berichtet die pakistanische Tageszeitung "Dawn". Allerdings müssten erst die Stimmen von aufgezeichneten Telefongesprächen ausgewertet werden, sagte Chidambaram dem Bericht zufolge.

Pakistan unterstellt Indien "Großmachtgehabe"

Von einem friedlichen Miteinander sind Pakistan und Indien noch immer weit entfernt: Während indische Politiker den pakistanischen Anti-Terror-Bemühungen nach wie vor misstrauen, werfen pakistanische Politiker Neu-Delhi "anti-pakistanische Aktivitäten" in Afghanistan und in Pakistan vor. So würde Indien Terroristen in beiden Ländern unterstützen, um Pakistan zu destabilisieren. Pakistans Armeechef Ashfaq Parvez Kayani kritisierte am Mittwoch außerdem Indiens Militärstrategie, wonach Neu-Delhi sich vorbehält, Terrorcamps auf pakistanischem Gebiet anzugreifen. "Indiens Verteidigungshaushalt ist siebenmal so groß wie unserer", beklagte der General außerdem. Es müsse jedoch "eine gewissen Balance" geben, um Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten.

Ärger zwischen Pakistan und Indien droht auch an einer anderen Front: Islamabad kritisiert, dass Neu-Delhi Wasserquellen beanspruchen würde, die nach dem Indus-Wasser-Vertrag von 1960 zu Pakistan gehören. So plane Indien fünf Wasserkraftwerke im indischen Teil Kaschmirs, die zur Folge hätten, dass der (größtenteils durch Pakistan fließende) Indus, aber auch die Flüsse Chenab und Jhelum weniger Wasser führen würden. Für die pakistanische Landwirtschaft wäre das, so die Kritik, eine Katastrophe. "Offensichtlich glaubt Indien, sich über internationale Verträge hinwegsetzen zu können", sagte ein hochrangiger Beamter aus dem pakistanischen Außenministerium SPIEGEL ONLINE. "Das ist das Großmachtgehabe, das man in Indien leider immer häufiger feststellt."

Bei den von Indien angebotenen Gesprächen besteht nun die Chance, auch diese Kontroverse zu klären.

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Das Hauptproblem ist und bleibt Kashmir. Sollte sich Pakistan mit dem momentanen Status mit der LOC anfreunden können, würde Indien diese Linie als internationale Grenze sicherlich anerkennen. Das ganze ist doch fast genauso [...] mehr...

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Fakten über Pakistan

Staatsgründung

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Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .

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