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05.02.2010
 

Ukraine vor der Wahl

Timoschenko stemmt sich gegen die Niederlage

Von Benjamin Bidder, Moskau

Politikerin Timoschenko: Die nächste Niederlage drohtZur Großansicht
AFP

Politikerin Timoschenko: Die nächste Niederlage droht

2. Teil: Warum der Sieger wohl Janukowitsch heißt

"Janukowitsch wird mit so deutlichem Abstand gewinnen, so dass selbst Timoschenko seinen überlegenen Sieg anerkennen muss", glaubt Wadim Karasew, Direktor des Kiewer Instituts für Globale Strategien.

Dann würde am Sonntag ein Monate andauerndes Drama sein Ende finden. Beide Lager hatten sich mit Schmutzkampagnen bekämpft. Es hieß zum Beispiel, in Timoschenkos Umfeld gebe es Leute mit Verbindung zu Kinderschändern. Oder: Janukowitsch habe in jungen Jahren nicht nur Mützen geklaut, sondern auch eine Frau vergewaltigt - und Janukowitschs Vater habe während des Zweiten Weltkriegs als Polizist mit den Deutschen kollaboriert. Selbst die Panik um die Schweinegrippe schürten Timoschenko, Janukowitsch und der inzwischen aus dem Rennen ausgeschiedene Juschtschenko nach Kräften, um sich als Retter der Nation zu profilieren.

"Wie können Sie ein Vorbild sein?"

Mitunter wurden die Kontrahenten auch handgreiflich. In einem Fernsehstudio prügelte sich im Dezember ein Abgeordneter der Janukowitsch-Partei mit Jurij Luzenko, einst einer der Führer der Orangen Revolution, und damals noch Innenminister der Regierung Timoschenko. Der Herr über 350.000 Polizisten und Beamte ist jener Mann, dem wegen Trunkenheit und Pöbelei voriges Jahr auf einem deutschen Flughafen der Weiterflug verweigert worden war. "Wie können Sie so Vorbild für unsere Staatsdiener sein, treten Sie zurück", griff ihn der Abgeordnete der Partei der Regionen an. "Und Sie? Ich weiß doch, Sie verprügeln zu Hause Ihre Frau", giftete Luzenko zurück.

Ein hässlicheres Wahlspektakel hat der gesamte postsowjetische Raum wohl nie zuvor gesehen. Schon Wochen vor der Wahl begannen Timoschenko und Janukowitsch damit, sich gegenseitig der Vorbereitung massiver Wahlmanipulationen zu bezichtigen.

Tatsächlich sind die Hintergründe eines nächtlichen Überfalls auf die Druckerei Ukraina Ende Januar noch immer rätselhaft. Angeblich soll Timoschenkos Ministerkabinett mit Polizeigewalt versucht haben, den Betrieb unter seine Kontrolle zu bringen. Die Druckerei stellt neben Reisepässen für Millionen Ukrainer auch die Stimmzettel für den zweiten Wahlgang her.

"Die Atmosphäre ist aufgeladen"

Timoschenko droht jetzt mit ihrer letzten Waffe: mit Massendemonstrationen, mit einem "neuen Maidan". Auf dem zentralen Platz von Kiew hatten 2004 Hunderttausende demonstriert, der Volksaufstand leitete damals den Machtwechsel ein. Dieses Mal ist Wiktor Janukowitsch, der sich damals nach dreisten Wahlmanipulationen schon verfrüht als neues Staatsoberhaupt sah, vorbereitet: In Sanatorien und Herbergen im Kiewer Umland versammelt seine Partei Anhänger. Wenn es zu Demonstrationen kommt, sollen sie ein Gegengewicht bilden - und die Hoheit über die Straßen der Hauptstadt erkämpfen.

"Die Atmosphäre im Land", sagt Experte Karasjew, "ist aufgeladen, die Situation angespannt. Doch die Wahlen werden regulär stattfinden." Wahlfälschungen werde es von beiden Seiten geben - so wie im ersten Wahlgang, als mancherorts plötzlich kurz vor Schluss die Wahlbeteiligung drastisch anstieg. Ein Hinweis darauf, dass am Abend massenweise gefälschte Stimmzettel in die Urnen geworfen wurden. Die Demokratie, sagt Karasjew, sei schlicht nach wenigen Jahren in der Ukraine noch nicht gefestigt.

Natürlich sei der Wahlkampf mit harten Bandagen geführt worden. "Die Kampagne war dreckig", sagt Karasjew. "Aber lieber eine schmutzige Kampagne als gar keine wie in Russland, wo Wladimir Putin sich den Nachfolger selbst ausgesucht hat."

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