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08.02.2010
 

Sieg der Regierungspartei

Costa Rica bekommt seine erste Präsidentin

Laura Chinchilla: Neue Präsidentin Costa Ricas Zur Großansicht
REUTERS

Laura Chinchilla: Neue Präsidentin Costa Ricas

Zum ersten Mal hat eine Frau in Costa Rica die Präsidentschaftswahlen gewonnen: Laura Chinchilla liegt nach ersten Stimmenauszählungen deutlich vor ihren Rivalen. "Dies ist ein Moment der Demut", rief die Kandidatin der Regierungspartei ihren Anhängern zu - und versprach politische Kontinuität.

San José - Costa Rica wird künftig voraussichtlich erstmals von einer Frau regiert. Die Kandidatin der regierenden Nationalen Befreiungspartei (PLN), Laura Chinchilla, kam bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag nach Auszählung von 40 Prozent der Wahlzettel auf knapp 47 Prozent der Stimmen. Ihre zwei aussichtsreichsten Rivalen erkannten den Sieg der 50-jährigen Politologin in der ersten Wahlrunde an.

Schon nach der Auszählung von 20 Prozent der Stimmen räumte der sozialistische Präsidentschaftskandidat Ottón Solís seine Niederlage ein. "Mit viel Respekt erkennen wir die Realitäten an", sagte er vor Anhängern. Als 40 Prozent der Wahlzettel ausgezählt waren, gratulierte auch der Rechtspopulist Otto Guevara "unserer Präsidentin".

Die frühere Vizepräsidentin und Ex-Justizministerin Chinchilla war als Kandidatin der regierenden Nationalen Befreiungspartei (PLN) angetreten. Der amtierende Präsident Oscar Arias konnte nicht erneut kandidieren, da Costa Ricas Verfassung zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten als Präsident nicht erlaubt. Die PLN ist offiziell sozialdemokratisch, nach Einschätzung ihrer Kritiker ist sie allerdings in die rechte Mitte gerutscht.

Chinchilla ließ sich am Sonntagabend in San José von Tausenden Anhängern feiern. "Danke Costa Rica", rief sie der Menge zu. Dies sei für sie "ein Moment der Freude, aber vor allem der Demut". "Ich werde Euer Vertrauen nicht enttäuschen, denn es ist klar, dass es mir als Geschenk gegeben wurde", fügte Chinchilla hinzu. Sie sei sich bewusst, dass der Wahlerfolg kein "Blankoscheck" für die vierjährige Amtszeit sei. Chinchilla will die bisherige Politik Costa Ricas fortsetzen. Das Land sei seit vier Jahren auf dem richtigen Weg, und dieser Kurs solle fortgesetzt werden, sagte die 50-Jährige vor dem Wahltag. "Das ist nicht der Moment für einen Wandel, der uns auf einen Weg bringt, den wir nicht kennen." Die Regierungspartei steht für einen liberalen Kurs in der Wirtschaftspolitik.

Gut 2,8 Millionen Costa-Ricaner waren aufgerufen, einen neuen Staatschef, zwei Vizepräsidenten und die 57 Parlamentsabgeordneten zu wählen. Insgesamt bewarben sich neun Kandidaten um das höchste Amt im Staat. Die Abstimmung wurde von rund 200 internationalen Beobachtern überwacht. Nach Angaben der Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. "Alles ist ordentlich abgelaufen", hatte die kolumbianische Chefin der 52 OAS-Wahlbeobachter, María Emma Mejía, nach der ersten Hälfte des Wahltages gesagt.

Im Wahlkampf war es vor allem um die sich verschlechternde Sicherheitslage in dem zentralamerikanischen Land und seine wirtschaftlichen Probleme gegangen. Im vergangenen Jahr wurden in Costa Rica fast 1000 Menschen ermordet. Meist standen die Gewalttaten im Zusammenhang mit dem Drogenhandel, dabei ist Costa Rica ein Transitland auf dem Weg von Süd- nach Nordamerika. 90 Tonnen Kokain sind in den vergangenen drei Jahren in dem Land beschlagnahmt worden. Alle Kandidaten sprachen sich dafür aus, die Kriminalität mit harter Hand zu bekämpfen und vor allem die Polizei zu stärken. Über eine Armee verfügt das mittelamerikanische Land nicht. Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent geschrumpft. Costa Rica gilt allerdings im Gegensatz zu anderen Ländern der Region wie Honduras und Guatemala als vergleichsweise stabil.

anr/apn/AFP/dpa

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