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08.02.2010
 

Logbuch al-Qaida

Der dschihadistische Depeschendienst (3)

Von Yassin Musharbash

Logbuch al-Qaida: Dschihad historisch
Fotos

Die somalischen Schabab-Milizen erklären, was sie wollen; al-Qaida im Jemen ruft zu den Waffen; al-Qaida in Nordafrika verlängert ein Ultimatum; die Taliban kommentieren London; Cyber-Dschihadisten veröffentlichen historische Aufnahmen. Die Terrornews der letzten Tage im Überblick.

Berlin - Verehrte Kollegen von Reuters, es stimmt ja, dass der Jemen unter dem Gesichtspunkt der Terrorberichterstattung immer wichtiger wird. Aber das folgende als Eil-Meldung über die Drähte zu schicken: "Qaida-Gruppe im Jemen ruft zum Dschihad gegen Christen und Juden auf der Arabischen Halbinsel" - das ist dann vielleicht doch etwas übertrieben, oder?

+++ Al-Qaida im Jemen ruft zu den Waffen +++

Schließlich ist genau dies das Programm von der Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel seit ihrer Gründung. Trotzdem ist es natürlich keineswegs irrelevant, dass sich heute mit Said al-Shihri der "Generalsekretär" eben jener Filiale in einer gut zwölf Minuten langen Audio-Aufnahme zu Wort gemeldet hat - denn zuletzt hatte es immer wieder einmal Gerüchte gegeben, der ehemalige Guantanamo-Häftling Nummer 372 sei tot. In der Ansprache, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, erwähnt der Sprecher die letzte Ansprache von Osama Bin Laden, liefert mithin einen einigermaßen aktuellen Lebensbeweis. Ob der Redner derweil wirklich al-Shihri ist, kann ich hier nicht prüfen.

Inhaltlich relevant ist, neben dem obligatorischen Aufruf an die "Stämme des Jemen", zu den Waffen zu greifen und mit den Mudschahidin "eine Schlachtreihe" zu bilden, vor allem die Bekräftigung, mit den Schabab-Milizen in Somalia zusammen arbeiten zu wollen.

Hinzu kommt außerdem ein gewisser neuer Tonfall. Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel hat offenbar das Gefühl, dass die Dinge auf eine Eskalation zulaufen. Die saudische Regierung wird als "Handlanger israelischer Interessen" gebrandmarkt, die Situation der unter Drohnenangriffen leidenden Kämpfer mit den Gesinnungsgenossen in Waziristan verglichen. "Wir wurden angegriffen", sagt al-Shihri. "Es gibt keinen Ausweg außer dem Dschihad."

+++ Schabab-Milizen wollen Dschihadisten am Horn von Afrika vereinen +++

Die Schabab-Milizen in Somalia gaben derweil am vergangenen Donnerstag offiziell bekannt, dass sie sich mit der (deutlich kleineren) Dschihadisten-Gruppe Ras Kambuli vereinigt haben. Diese Truppe um ihren "Amir" Hassan Abdallah Turki, der den USA als Terrorfinancier gilt, war zuvor Teil eines konkurrierenden Milizenverbandes gewesen. Nach "langen Diskussionen" habe man sich nun auf ein gemeinsames Programm verständigt.

Die aufgeführten vier Punkte sind eine seltene Gelegenheit, etwas über die Absichten der Schabab zu erfahren. So soll ein "islamischer Staat" errichtet werden. Außerdem wird immer klarerer, dass sie es auf eine Internationalisierung beziehungsweise Regionalisierung ihres Konflikts absehen. Alle "Unterdrückten" am gesamten Horn von Afrika sollen unterstützt werden. Schließlich wirft ein möglicher Anschluss an al-Qaida, über den schon verschiedentlich spekuliert wurde, seine Schatten voraus. Denn: Der Dschihad am Horn soll mit dem "weltweiten Dschihad, den der Scheich Abu Abdallah Osama Bin Laden führt, verbunden werden".

+++ Al-Qaida in Nordafrika verlängert Ultimatum in Geiselnahme +++

Die Qaida-Filiale im Norden Afrikas hat schon oft durch Geiselnahmen auf sich aufmerksam gemacht. Derzeit hält sie offenbar sechs westliche Geiseln in ihrer Gewalt, ein italienisches Paar, drei Spanier sowie einen Franzosen.

In einem Kommuniqué vom Ende vergangener Woche beziehen sich die Terroristen allerdings nur auf zwei von ihnen: den Franzosen, laut "Washington Post" Pierre C., und den Italiener, laut al-Qaida Sergio C. Das Ziel ist es offenbar, Gesinnungsgenossen aus dem Knast freizupressen, "ihre Namen haben wir dem italienischen Unterhändler mitgeteilt". Das Ultimatum, das eigentlich dieser Tage ausgelaufen wäre, wird demnach bis zum 20. Februar verlängert.

+++Taliban: Wir sind nicht käuflich+++

Aus Afghanistan derweil noch ein weiteres (letztes?) Wort der Taliban zur London-Konferenz zu Afghanistan, deren Ziel und Inhalt sie ja bereits vor, während und direkt nach ihrem Stattfinden in Bausch und Bogen verdammt haben. Aber für das Protokoll anbei noch einmal die deutlichsten Zitate:

  • Die Mudschahidin (hier = Taliban) "sind nicht bereit, ihre hehren Ziele einzutauschen".
  • "Wir würden den Teilnehmern und Gebern der London-Konferenz gerne mitteilen, dass die Führung der Mudschahidin der Islamischen Emirate Afghanistans nicht wie die Söldner der Regierung in Kabul sind, die stets bereit sind, das Stigma des Verrats zu tragen im Gegenzug für den Verkauf ihres Glaubens, Dschihads und Landes."
  • "Wenn die Mudschahidin der Islamischen Emirate Reichtum anhäufen wollten oder mondäne Ziele hätten, würden sie mehr haben, als die London-Konferenz ihnen geben würde, und sie haben sogar jetzt mehr, als die Konferenz-Teilnehmer anbieten."

+++ Historische Aufnahmen aus dem afghanischen Dschihad im Netz +++

Schon lange bevor es das Internet gab, haben die Mudschahidin - damals vor allem in Afghanistan - sämtliche Register der Öffentlichkeitsarbeit gezogen. Sie haben Magazine gedruckt, Videobänder aufgenommen, kopiert und in aller Welt verbreitet und die Reden ihrer Anführer auf Kassetten verteilt. Nun haben Cyber-Dschihadisten einige historische Aufnahmen ins Netz gestellt. Sie zeigen unter anderem den Paten der internationalen Dschihadisten-Szene, Abdullah Azzam. Ich danke der australischen Terrorexpertin Leah Farall, die mich auf die Bilderstrecke aufmerksam gemacht hat. Woher die Aufnahmen genau stammen, ist unklar. Einige scheinen aus alten Dschihad-Magazinen abfotografiert zu sein.

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08.02.2010 von Haio Forler: .

Aber hallo: wenn ich meine Steuergelder schon an den Hindukusch schicke (gestern, die Drohne, die war teils von mir mitfinanziert), möchte ich auch minütlich wissen, was da vorgeht. Nicht, daß da plötzlich wieder ein Brunnen [...] mehr...

08.02.2010 von murrrks: Terrorticker

Wie schlecht ist das bitte?! Demnächst gibts bestimmt noch nen Lifeticker mit den neuesten Gemetzeln. Das hat nichts mehr mit Nachrichten zu tun, wenn auf einmal alle, deren Ziele mit denen unserer (deutschen, westlichen) nicht [...] mehr...

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